Der Bruch – Rangnick vor dem Aus?

Er hatte den Verein aus der Regionalliga zur Herbstmeisterschaft in der Bundesliga geführt. Nun aber scheint eine Ära zu Ende zu gehen: Ralf Rangnick wird die TSG 1899 Hoffenheim unter Umständen verlassen. Zwischen dem Trainer und dem Mäzen Dietmar Hopp gibt es einen Krach, den man offensichtlich nicht mehr beseitigen kann. Beide Parteien sprachen nach der herben 0:4-Niederlage in Wolfsburg erstmals von einer Trennung. Vor allem Rangnick selbst kann sich einen Abschied nur allzu gut vorstellen.

Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick (firo)

Von Dennis WEINACHT

Wolfsburg/Sinsheim. Er griff sich kurz an die Stirn, verbarg sein Gesicht in den Händen. Nach dem Abpfiff in Wolfsburg war Ralf Rangnick sichtlich mitgenommen. Der in der Hinrunde noch so forsche Trainer war nur noch ein Schatten seiner selbst. Dann verließ er seine Coaching-Zone und brach in Richtung Katakomben des Stadions auf. Der tiefste Fall eines Herbstmeisters aller Zeiten war perfekt. Der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim war angeschlagen, brauchte seine Zeit ehe er sich äußern konnte und wollte. Dann aber nach einer Weile trat er vor die Kameras, analysierte die Partie, seinem Spitznamen „Professor“ gerecht werdend, nüchtern. Aber das war noch längst nicht das Ende vom Lied. Plötzlich entbrannte eine heiße Diskussion um seine eigene Zukunft.

Rangnick droht mit Rücktritt

Der Coach ist unzufrieden, dass ihm Mäzen Dietmar Hopp weniger als zehn Millionen Euro für die kommende Saison zur Verfügung stellt: „Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen. Wir müssen uns auf sechs, sieben Positionen verstärken.“ Aber damit war die Situation noch nicht geklärt. Der Übungsleiter legte schlagartig nach und antwortete auf die Frage, ob er den Klub verlassen würde ausweichend: „Ich befasse mich mit nichts anderem, so lange ich das Gefühl habe, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Ob ich das Gefühl habe, wird man in den nächsten sechs, sieben Wochen sehen.“ Eine klare Aussage in Richtung Hopp, dass dieser lieber schnell reagieren und dem Coach mehr Geld zur Verfügung stellen sollte.

„Lasse mich nicht erpressen“

Aber der Geldgeber sieht dies nicht ein, konterte prompt gegenüber der Bild am Sonntag: „Ich lasse mich nicht erpressen. Es ist der falsche Zeitpunkt, wenn der Trainer nach solch einer Vorstellung sein Bleiben in Frage stellt.“ Es würde dem Konzept des Mäzen widersprechen, würde er weiter im großen Maße investieren. Er selbst hatte immer gefordert, dass der Klub finanziell bald auf eigenen Beinen steht. Deshalb will er die eigenen Investitionen über die Jahre hinweg abbauen und den Verein so auf einem soliden Fundament errichten. Dafür nimmt er scheinbar auch in Kauf, dass der sportliche Erfolg auf kurze Sicht nicht die Meisterschaft, sondern eben nur das Etablieren in der Bundesliga sein kann. Für seinen Trainer Ralf Rangnick ist dies offensichtlich zu wenig, er will eine Mannschaft, die dauerhaft so wie in der Hinrunde spielen kann. An diesen unterschiedlichen Forderungen scheint eine weitere Zusammenarbeit zu scheitern.

Rangnick fühlt sich hintergangen

Aber Rangnick versteht die Differenzen im Moment nicht. Er selbst behauptet, dass man auch in der Bundesliga in großem Stile hätte investieren wollen: „Meine Vorgabe war, dass ich Hoffenheim in die Bundesliga führen sollte. Mir wurde gesagt: ,Dann geht es richtig los.‘“ Offensichtlich aber wird nun ein wenig mehr auf jeden Euro geschaut. Zudem wurde das Thema am Samstag durch einen möglichen Neuzugang angetrieben, an dem Rangnick seine Zukunft auch festmachen will. Lewis Holtby soll von der Alemannia Aachen nach Hoffenheim wechseln. Dazu erklärte der Coach: „Er hat mir vor ein paar Tagen gesagt, dass er nach Hoffenheim kommt, wenn die Modalitäten stimmen. Wenn wir diesen Spieler nicht bekommen, hat das die Aussagekraft, dass wir nicht die Möglichkeit haben, dass wir solche Spieler holen können.“ Was Rangnick zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Nach übereinstimmenden Medienberichten hatte Holtby am Freitag dem TSG-Manager Jan Schindelmeiser bereits abgesagt.

In der Rückrunde hatte sich vieles nicht so entwickelt, wie man sich das in Hoffenheim gewünscht hatte. Die Tendenz geht klar nach unten, alle scheinen derzeit unzufrieden. Und dennoch wird es für Rangnick wohl am Ende der Saison eng werden. Zumal mit Jürgen Klinsmann ein absoluter Liebling von Hopp wieder zur Verfügung steht. „Klinsi“ selbst hatte mehrfach seine Begeisterung für den Aufsteiger zum Ausdruck gebracht. Nun könnte er dort selbst in Ruhe mit einem gesunden Umfeld etwas aufbauen. Aber noch ist Rangnick da. Fragt sich nur: Wie lange noch?

Eure Meinung: Sollten sich Hoffenheim und Rangnick nach der Saison trennen?



 
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