Heynckes bei den Bayern – Was geht jetzt noch?

Die Entlassung Klinsmanns bei den Bayern war womöglich weniger überraschend als die darauffolgende Verpflichtung von Jupp Heynckes als Interimstrainer. Im Verbund mit Hermann Gerland soll er die Saison positiv zu Ende bringen, doch was ist jetzt mit dem Altmeister wirklich noch drin?

Bundesliga : Franck Ribery & Luca Toni (Bayern Munchen)

Von Christoph VOGEL

München. „Don Jupp“ ist back! Zugegeben nur für fünf Spiele, doch schon wird gemunkelt, wie der Vorstand des FC Bayern München entscheiden würde, sollte Jupp Heynckes tatsächlich alle noch ausstehenden Partien gewinnen. Alles nur Spekulation, aber eines steht fest: der Altmeister soll mit seiner Routine und fast grenzenlosen Erfahrung das Selbstbewusstsein der Spieler aufbessern, sodass am Ende doch noch die Meisterschaft stehen soll. Bringt Heynckes den Münchenern die erhoffte Frischzellenkur oder lebt er nach seinem letzten „Missverständnis“ bei der Gladbacher Borussia nur noch vom Ruhm vergangener Tage?

Mentalität ändern

Zunächst einmal lohnt ein Blick auf das Restprogramm: die Partie gegen Borussia Mönchengladbach ist sportlich gesehen wohl die einfachste Aufgabe, doch steckt in ihr vielmehr dadurch eine ungeheure Brisanz, als dass Heynckes wie nur wenige an „seiner“ Borussia hängt und nach dem unglücklich verlaufenen Engagement eigentlich in den Vorruhestand zurückgetreten war. Das folgende Auswärtsspiel bei Energie Cottbus könnte sich schwieriger gestalten, denn die Lausitzer beweisen gerade in der Schlussphase der Saison jedes Jahr unglaubliche Kämpferqualitäten und sind ein unangenehmer Gegner. Heynckes muss in diesen beiden Partien die Mannschaft motivieren und dazu bewegen, zu kämpfen. Spielerisch wird vor allem im Stadion der Freundschaft nur wenig zu holen sein. Die Spieler müssen also eine ganz andere Mentalität als zuletzt an den Tag legen.

Powerprogramm

Die letzten drei Spiele haben es dann in sich: Bayer Leverkusen, Hoffenheim und der VfB aus Stuttgart warten und werden das Duo Heynckes / Gerland auf die Probe stellen. Den Trend der vergangenen Wochen nicht aus den Augen verlierend, gab sich der „Neue“ auch dementsprechend zurückhaltend, sprach man ihn auf das Saisonziel an: „Ein Club wie Bayern München muss nächstes Jahr in der Champions League spielen.“ Explizit von der Meisterschaft wird also nicht gesprochen. Aufbruchstimmung ist dennoch vorhanden: „Wir fühlen uns alle in einer gewissen Aufbruchstimmung und hoffen, dass wir die Chance im Titelkampf, die Cottbus uns eröffnet hat mit dem Sieg gegen Wolfsburg, nützen,“ so Heynckes.

Gerland der entscheidende Faktor?

Ein Mann, der ihm dabei zur Seite stehen soll, ist der eigentliche Amateurtrainer Hermann Gerland. Durch die Zusammenarbeit zwischen Profikader und zweiter Mannschaft kennt er die Mannschaft und kann Heynckes wertvolle Tipps geben. Die Moral der Mannschaft zu heben und die ein oder andere Blockade zu lösen ist jedoch voll und ganz „Jupps“ Aufgabe: „Meine Aufgabe ist, dass die Spieler von den Fesseln befreit werden. Fußball muss mit Freude gespielt werden, mit Emotionen. Das muss ich wecken.“ Vom losgelösten Offensivfußball á la Klinsmann ist jetzt nichts mehr zu hören, viel mehr hat Heynckes den Ernst der Lage erkannt und will das Team vor allem im Kopf frei werden lassen.

Auf Erfahrung setzen

Heynckes selber betonte mehrmals, dass er vor allem wegen seines Know-Hows der richtige Mann für diese prekäre Situation sei. Erfahrung will der Übungsleiter auch auf dem Platz sehen, sodass er einen erneuten Torwartwechsel zu Gunsten von Michael Rensing ausschloss. Eine große Chance in der Endphase der Saison wird wohl abermals Lukas Podolski bekommen. Hatte Klinsmann die Hemmschwelle, den fast vom Hof gejagten Stürmer einzusetzen, könnte Podolski für Heynckes eine wichtige Rolle spielen, sollte Luca Toni die erhoffte Form nicht mehr erreichen.

Möglich ist Alles

Fest steht: gehen die Partien gegen die beiden Abstiegskandidaten in die Hose und zeigt sich die Mannschaft nicht grundlegend verbessert, so dürfte Heynckes Schwierigkeiten haben, den Fehlerteufel noch bis zum Saisonende aus der Mannschaft zu vertreiben. Ein großer Vorteil Heynckes ist sein immenser Status, den er als Trainer besitzt. Dass Hoeneß und Co gerade ihn ausgewählt haben verschafft ihm vom Start weg den nötigen Respekt, den die Spieler nach einem Blick auf seine Erfolge sowieso haben sollten.

International Pflicht

Für alle Fans des Rekordmeisters bleibt nur zu hoffen, dass die besten Zeiten des ehemaligen Meistertrainers der Bayern nicht schon vergangen sind, denn wie äußerte sich Uli Hoeneß folgerichtig: „Der beste Trainer der Welt nützt uns relativ wenig, wenn wir am 1. Juli im UEFA-Cup spielen oder gar nicht international. Dann haben wir mit Zitronen gehandelt.“ Aufgrund der konstant unkonstanten Konkurrenz ist die Meisterschaft jedoch noch sehr gut möglich. Auch wenn es Heynckes noch nicht in den Mund nehmen will...

Eure Meinung: Was ist für die Bayern unter Heynckes jetzt noch möglich?



 
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