Herthas Krisenbewältigung

Wie schnell es im Fußball gehen kann, erlebt zur Zeit Hertha BSC Berlin. Vor nicht einmal einem Monat noch himmelhoch jauchzend, ist die Stimmung nach drei Pleiten in Serie zu Tode betrübt. Von der Meisterschaft wollen sie nichts mehr wissen, es geht jetzt zunächst darum, den Platz im internationalen Geschäft abzusichern. Ein erster Schritt soll Sonntag gegen Werder Bremen gemacht werden.

Hoffnungsträger in Berlin: Trainer Lucien Favre

Von Falko BLÖDING

Berlin. Am 24. Spieltag lachte die Sonne noch über der Hertha aus Berlin: Nach einem 1:0-Heimerfolg über Bayer Leverkusen grüßte die Elf von Trainer Lucien Favre von der Tabellenspitze und hatte beruhigende vier Zähler Vorsprung auf die Verfolger. Nur drei Spieltage später sieht die Gefühlslage in der Hauptstadt bereits ganz anders aus, dunkle Wolken sind am Himmel aufgezogen. Wichtige Spieler sind verletzt oder gesperrt, es hagelte zuletzt drei Pleiten in Serie und der Abstand auf Spitzenreiter Wolfsburg beträgt mittlerweile fünf Punkte.

Friedrich verletzt, Voronin frustriert

Beim Auswärtsspiel in Stuttgart, eine Woche nach dem Sieg gegen Bayer, verlor die Hertha nicht nur ihre Souveränität, sondern auch noch drei Zähler und Kapitän Arne Friedrich. Der Abwehrspieler verletzte sich und wird seitdem schmerzlich vermisst. Mit einem Meniskusschaden wird er wohl in dieser Spielzeit nicht mehr auflaufen können.

Ohne Friedrich ist die Abwehr nicht mehr so stabil wie zuvor, gegen den BVB (1:3) und Hannover (0:2) wurde das eiskalt bestraft. Der Frust der Berliner ist spürbar und wurde nur allzu deutlich, als Torjäger Andrey Voronin sich in der Schlussphase gegen 96 aus Frust zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ und nun wegen einer Sperre die nächsten drei Spiele zuschauen muss. „So darf sich der Frust nicht entladen“, grollte Manager Dieter Hoeneß und Mitspieler Pal Dardai brachte es auf den Punkt: „Das war blöd.“

Das Ziel heißt nun UEFA-Cup

Mit den vier Punkten Vorsprung im Rücken sprachen einige Spieler schon vom Titel (Simunic, Voronin). Durchaus legitim, doch ihren Worten ließen sie keine Taten folgen. Zwar ist die Meisterschaft noch in Reichweite, doch die gute Ausgangslage ist futsch. Im Gegenteil, momentan scheint, angesichts der nachrückenden Konkurrenz aus Stuttgart und vielleicht sogar Schalke und Dortmund, eher sogar noch das Verpassen des internationalen Geschäfts möglich. „Wir haben alle vom Titel geträumt, es war eine große Euphorie da, das ist normal. Jetzt müssen wir uns auf den UEFA-Cup-Platz konzentrieren. Das war und ist unser Ziel“, gibt Trainer Favre die Devise für die verbleibenden sieben Spiele aus.

Wir müssen optimistisch sein“

Die Partie gegen Werder Bremen am Sonntag ist für die Berliner jetzt ein echter Prüfstein. Werder sah zuletzt immer gut aus im Olympiastadion, kommt aber wahrscheinlich müde vom UEFA-Cup Spiel in Udine in der Hauptstadt an. Mittelfeldspieler Maximilian Nicu weiß, was die Stunde geschlagen hat: „Nach der Niederlage in Hannover war es das mit dem Thema Champions League. Jetzt geht es darum, den Uefa-Cup zu sichern“, sagte Nicu der Berliner Morgenpost. Und Angreifer Raffael will gegen die Hanseaten das zuletzt verloren gegangene Selbstvertrauen wiederfinden: „Wir müssen optimistisch sein. Auch wenn Arne verletzt oder Andrey gesperrt ist, müssen wir an uns und an unsere Stärken glauben.“

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