Kommentar: „Königsblau“ bald mausgrau
Das Bild, das der FC Schalke 04 in den letzten Tagen abgegeben hat, ist mehr als nur ein Armutszeugnis. Der Verein versinkt offensichtlich im Chaos und alle schauen zu. Auch bei den neuen Personalentscheidungen gehen die Verantwortlichen sehr zögerlich zu Werke und bringen so das Konzept von Beginn an in Gefahr. Der Fisch stinkt bekanntlich immer vom Kopf her. Diesen Eindruck gewinnt man in Gelsenkirchen immer mehr. Die Vereinsführung scheint die Versäumnisse der letzten Jahre mit öffentlichen Worthülsen aufholen zu wollen.
Ein Kommentar
von Dennis WEINACHT
Gelsenkirchen. „FC Schalke 04“, so heißt der Verein, der in den letzten Wochen für die chaotischsten Meldungen gesorgt hat. Chronologisch aufgearbeitet beginnt das Dilemma in der letzten Saison: Unzufrieden mit der sportlichen Situation, die man sich heute so wieder wünschen würde, wird Mirko Slomka als Cheftrainer von allen Aufgaben entbunden. Die Verantwortlichen des Bundesligisten wollen nach höheren Zielen eifern, sehen diese in Gefahr und sägen den Coach ab. Es übernimmt für wenige Wochen das Duo Mulder/Büskens. Endlich fällt dann irgendwann der Entschluss: Der Niederländer Fred Rutten geht nicht wie ursprünglich spekuliert nach Hamburg, sondern wendet sich dem Ruhrpott zu.
Keiner scheiterte so kläglich
Aber der Hoffnungstrainer aus den Niederlanden wirkt vom Saisonstart weg überfordert. In seiner Heimat kaum gescholten, ist er in der Medienstadt und dem unruhigen Umfeld der Schalker überfordert. In Interviews wirkt er zunehmend unsicher, seine Aussagen werden immer wieder zu seinem Verhängnis. Selbst als ihm die Verantwortlichen nach der Entlassung von Andreas Müller vorerst das Vertrauen aussprechen, heizt er Spekulationen um einen Abgang immer wieder an. Der Coach bettelte nahezu um seine Ablösung. Vor der Saison mit dem Versprechen schönen Fußballs gekommen, scheitert er außerdem auf dem Platz. Das frühe Aus im internationalen Geschäft, keine Chancen auf die ersehnte deutsche Meisterschaft und letztlich auch das überraschende Aus im DFB-Pokal brechen dem Übungsleiter das sportliche Genick.
In allen Bereichen, die gerade auf Schalke so gefordert sind, scheiterte Rutten wie kein Zweiter. Seine Außendarstellung indiskutabel, seine Resultate untragbar, sein Ansehen bei den Fans schwach – so musste Rutten scheitern! Hinzu kam sein Flirt mit dem PSV Eindhoven, der seine Gedanken wohl endgültig aus der Fußball-Stadt im Ruhrpott zog.
Die Managersuche als Meilenstein
Aber um den Sport an sich geht es den Verantwortlichen auf Schalke ohnehin schon eine ganze Weile nicht mehr. Nach dem Aus des starken Mannes Rudi Assauer scheinen die Machtgelüste der neuen starken Männer immer mehr zu Possen zu werden. Plötzlich war es ein Leichtes, die sportlichen Träger auszuschalten und mit immer wieder neuen Kursen zu scheitern. Das Ende der Ära Müller noch verständlich, die Suche nach einem Nachfolger keineswegs nachvollziehbar. Öffentlich heizt der Medien-Guru Clemens Tönnies die Spekulationen um Oliver Kahn an. Der ehemalige Torhüter sei ein „geiler Typ“ das Konzept sei überzeugend. Dennoch wird der Ex-Nationalspieler hingehalten. Gleichzeitig wird ebenfalls von Tönnies ein Interesse an Rudi Völler bestätigt, der nun ein komplett anderer Typ als Kahn ist. Hat der Aufsichtsratschef überhaupt einen Plan, was er will?
Trainersuche als Zerreißprobe
Das muss er nun auch bei der Trainerfrage wieder beweisen. Die Schalker lieben es derzeit, mit großen Namen in Verbindung gebracht zu werden. Öffentlich wird suggeriert, dass bald die großen Herren des Geschäftes im Verein das Sagen haben werden. Es könnten aber auch leere Worthülsen bleiben. Einerseits will sich keiner derzeit bei einem chaotischen Klub einnisten, schon gar nicht wenn er selbst einen großen Namen und bessere Angebote hat. Andererseits dürfte der Bundesligist aber nach wie vor eine reizvolle Aufgabe sein. Und dennoch: Auch Müller und Rutten sind nur bedingt an den eigenen Möglichkeiten und Qualitäten gescheitert. Mit Sicherheit wurde auch in der Chef-Etage einiges falsch gemacht, was nun mit öffentlichen Glamour-Auftritten und großen Versprechen wieder gut gemacht werden soll. Auch Rutten versprach bekanntlich viel, erreichte wenig und scheiterte früh.
Skandalös fast schon, dass Mulder und Büskens nun wieder einspringen, aber nur die Interimslösung für den Interimstrainer sind. Bis zum Ende der Saison soll ein neuer Trainer kommen, der aber nur Platzhalter für den Trainer der neuen Saison sein wird. Wer jetzt noch glaubt, auf Schalke habe man ein Konzept, wird böse enttäuscht werden. Der Fisch stinkt eben doch immer vom Kopf her. Wenn das beim FC Schalke 04 nicht bald eingesehen wird, ist königsblau bald nur noch mausgrau.
Eure Meinung: Was haltet Ihr vom FC
Schalke 04 im Moment? Wird der Verein mit diesen Strukturen in den
Niederungen der Bundesliga verschwinden?
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