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Ist Goal-50-Sieger Cristiano Ronaldo der kompletteste Spieler aller Zeiten?

Der portugiesische Nationalspieler mag nicht der Größte aller Zeiten sein. Aber hat es jemals einen Spieler mit solch einem perfekten Mix aus Technik und Physis gegeben?

KOMMENTAR
Von Mark Doyle

Als Sepp Blatter im vergangenen Jahr auf unsägliche Art und Weise verkündete, Lionel Messi gefalle ihm besser als Cristiano Ronaldo, da begründete es der Fifa-Boss damit, Barcelonas Nummer zehn sei "ein guter Junge... und das macht ihm so beliebt."

Blatter erläuterte außerdem, der Portugiese sei auf der anderen Seite zwar der Traum der Werbeindustrie, aber den PR-Kampf um den Titel des besten Fußballers im 21. Jahrhundert habe er längst verloren. In den Augen seiner Kritiker, so scheint es, ist Ronaldos größtes Problem, dass er nicht Lionel Messi ist.

Wenn die fußballerischen Fähigkeiten der beiden herausragenden Spieler miteinander verglichen werden, dann wird dem Argentinier oft bescheinigt, er verkörpere "das gewisse Etwas." Noch im vergangenen Monat schrieb Diego Maradona: "Cristiano kann all das, was Messi kann... jedenfalls fast." Auf eine nähere Erläuterung, was Ronaldo nicht so gut könne, verzichtete der Ex-Weltmeister.

Die Behauptung, Ronaldo habe Defizite wirkt nach der vergangenen Saison ziemlich albern. Es war eine Spielzeit, in der er 51 Tore erzielte. Davon elf mit seinem "schwächeren" Fuß. Der in Madeira geborene Angreifer gewann eine weitere Champions-League-Medaille und zum zweiten Mal den Ballon d'Or.

Es geht hier um einen Seriensieger, der womöglich das perfekte fußballerische Wesen verkörpert; die idealische Mischung aus Physis und Technik; ein Spieler mit Stil und Substanz. Wie Ex-Real-Stürmer Michael Owen es sagt, Ronaldo hat alles.

"Was seine Komplettheit angeht, ist er für mich wahrscheinlich der Beste aller Zeiten", sagte Englands ehemaliger Nationalspieler im Gespräch mit Goal. "Er ist schnell, torgefährlich, beidfüßig, kann dribbeln und mit dem Kopf Treffer erzielen. Er ist kräftig und kann jedes Spiel bestreiten, er verfügt also über eine große Ausdauer. Es gibt nichts, das er nicht kann."

Natürlich bedeutet ein kompletter Spieler zu sein nicht, der Beste überhaupt zu sein. So behauptete George Best einst: "Ich bin besser als Pele. Schließlich kann ich mit beiden Füßen schießen." Nun mag es einige Experten geben, die dem schillernden Flügelspieler von Manchester United ein größeres Talent als der brasilianischen Legende bescheinigen. Aber wohl niemand käme auf die Idee, dass Best in eine Reihe mit einem Spieler gehört, der mental und körperlich während einer weitaus längeren Karriere deutlich stärker war.

Fähigkeiten allein sind nicht der Faktor, um echte Größe zu messen. Physis, Vielseitigkeit, Mentalität und fußballerische Intelligenz sollten auch eine Rolle spielen. In vielen dieser Bereiche ist Ronaldo weit vorne.

Seines Physis ist unvergleichlich. Er ist 1,85 Meter groß und wiegt 80 Kilogramm. Er verfügt über die Statur eines Mittelgewichtsboxers, ist kraftvoll, aber trotzdem noch sehr schnell. Sein starker Oberkörper beschert ihm Durchsetzungsvermögen in Zweikämpfen. Seine Beine liefern ihm nicht nur eine außerordentliche Sprintstärke und Schusskraft, sondern ermöglichen es ihm auch, extrem hoch zu springen. Aus diesem Grund zählt er auch zu den besten Kopfballspielern der Welt. Dieser antrainierte Qualität verdankt er seiner aufopferungsvollen Hingabe im Taining.

Sicher, Ronaldo wurde zweifelsohne mit großartigen körperlichen Vorausetzungen gesegnet. Aber dieses Potenzial schöpft er auch nur maximal aus, weil er sich ständig schindet. Thierry Henry hat einmal gesagt: "Lionel Messi ist der beste Spieler der Welt. Aber ich habe großen Respekt vor der Arbeit, die Cristiano in sein Spiel investiert."

Hinter Ronaldo liegt ein langer Weg, seit er sich im Sporting-Trikot mit der Nummer elf erstmals einen Namen machte. Er ist längst nicht mehr der dünnge Junge, der mit einem ganzen Arsenal an Tricks und Finten Mancheser Uniteds Verteidiger in einem Vorbereitungsspiel 2003 narrte. Nun, im Alter von 29 jahren, ist er ein echter Athlet. Die Arbeit, die Thierry Henry ansprach, wird für alle deutlich sichtbar.

Ronaldo ist unglaublich stolz auf seine Physis. Deswegen bejubelte er auch seinen Treffer zum 4:1 im Champions-League-Finale gegen Real Madrid ohne Shirt und in der Pose eines Bodybuilders. Das brachte ihm ein Lob von Arnold Schwarzenegger ein. Der einstige Mr. Universum sagt: "Er ist in großartiger Verfassung und deswegen ist er auch ein solch toller Fußballspieler."

Ronaldos Jubel ohne Shirt sind natürlich Wasser auf die Mühle derjenigen, die in ihm einen eitlen, arroganten Fatzke sehen. Aber so muss es nicht sein. Stanley Matthews, einst "The Wizard of Dribble" genannt, hat einmal gesagt: "Fitness ist Selbstvertrauen." Je besser Ronaldo aussieht, desto besser fühlt er sich und desto besser spielt er auch. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass er in den letzten sechs oder sieben Jahren in den größten Spielen abgeliefert hat. Druck war für ihn kein Problem. Jedenfalls nicht mehr, seitdem er bei Manchester United unter die Fittiche von Sir Alex Ferguson kam.



"Nachdem ich gewechselt war, fragte mich der Manager, welche Nummer mir gefiele" hat Ronaldo einmal erzählt. "Ich sagte 28. Aber Ferguson meinte nur: 'Nein, Du wirst die Nummer 7 tragen.' Dieses berühmte Trikot war eine Extraportion Motivation. Ich musste zeigen, dass diese Ehre begründet war."

Er hat zahllose Spiele auf allerhöchsten Niveau für United, Real Madrid und Portugal entschieden. Allerdings hat er nicht unter Beweis gestellt, dass er eine Partie auch gestalten kann - vermutlich ist dies sein einziges Manko, um der kompletteste Spieler aller Zeiten zu sein.

Johan Cruyff war zum Beispiel der totale Fußballer im "Totaalvoetbal". Wie auch Ronaldo, war Cruyff von Haus aus ein Flügelspieler. Aber er war noch so viel mehr als das. Er war nicht nur der Schlüsselspieler in den allergrößten Matches, er war der Regisseur. Er hatte ein unfassbares Verständnis für Zeit, Raum und Bewegungen. In dem Buch "Brilliant Orange" wird beschrieben, er habe gewirkt "wie ein Schachgroßmeister, der 20 Partien gleichzeitig spielte".

Cruyff war Teil einer revolutionären Fußballphilosophie, die darauf basierte, dass jeder Spieler jede Position bekleiden konnte. Alfredo di Stefano tat genau das noch 20 Jahre eher. "Er war gleichzeitig Chef in der Abwehr, Spielmacher im Mittelfeld und der gefährlichste Angreifer im Sturm", schwärmte der legendäre Trainer Helenio Herrera einst von Real-Legende di Stefano.

Diese Art von taktischer Disziplin und positionsbezogener Flexibilität ist bei Ronaldo nur schwer vorstellbar. Allerdings vermag auch niemand zu sagen, wohin sein unstillbarer Hunger ihn noch führt. Erst in der vergangenen Woche hat er verkündet, er wolle bis 2021 weiterspielen.

Wird das ausreichen, um als komplettester Spieler aller Zeit in die Geschichte einzugehen? Wer weiß das schon? Sicher ist nur eines: Er wird nicht nicht an seinem Willen scheitern.

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