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Generalprobe mit Hindernissen: Der Confed Cup offenbarte zwar viele Probleme, doch er weckte auch die Vorfreude auf die WM 2014.

Rio de Janeiro. Gewaltsame Proteste, unmenschliche Hitze und chaotische Transportverhältnisse - aber auch klasse Fußball und ein Traumfinale: Der Confed Cup in Brasilien hat einen bitter-süßen Vorgeschmack auf die WM 2014 gegeben. Für Weltverbands-Präsident Joseph S. Blatter war die neunte Mini-WM schon vor dem Endspiel am Sonntagabend zwischen Brasilien und Spanien im "Tempel" Maracana die "beste aller Zeiten". Doch der fußballerische Glanz, den Stars wie Neymar oder Andres Iniesta versprühten, wurde überschattet von gewaltigen Problemen. Manche dürften der deutschen Mannschaft in einem Jahr ihr Unternehmen vierter WM-Titel erheblich erschweren.

Demonstranten stürmen CBF-Domizil

Am Sonntag versuchte eine Gruppe von rund 30 Demonstranten wenige Stunden vor dem Endspiel, ein Gebäude des brasilianischen Fußballverbandes CBF zu stürmen. Die Mitglieder der Frente Nacional de Torcedores (Nationale Fanfront) wurden jedoch von Polizisten davon abgehalten, ins Innere des Bürohauses vorzudringen. Bei dem Gebäude handelt es sich um den neuen CBF-Sitz, der in Kürze bezogen werden soll. Auf Plakaten forderten die Demonstranten "Marin raus" und "FIFA raus". CBF-Boss Jose Maria Marin wird vorgeworfen, das neue Stammhaus des brasilianischen Fußballs mit umgerechnet rund 25 Millionen Euro weit über Marktwert erstanden zu haben.

Löw analysiert Probleme

Bundestrainer Joachim Löw hat bei seiner Stippvisite in der ersten Turnierwoche die Proteste bereits live erlebt und mitbekommen, dass der Gegner nicht nur auf dem Platz lauert: Überlange Reisen durch ein Land, das 24-mal so groß ist wie Deutschland. Transportprobleme in den Spielorten. Dazu klimatische Unterschiede mit einer Hitze in manchen Städten, die Fußball zur Qual macht. Kein Wunder, dass laut Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff der Titel 2014 "eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit" ist. Deshalb wäre eine Teilnahme ja so wichtig gewesen.

"Was wir hier sehen, nutzt uns mit Blick auf die WM - wie 2009", sagte Coach Vicente del Bosque von Titelverteidiger Spanien. Eine herausragende Fitness und spielerische Klasse sind aus Sicht der Trainer die Zutaten, aus denen 2014 der Weltmeister geformt wird. Löw meinte dennoch, seine Vorfreude sei "noch einmal gestiegen".

Eine Menge Arbeit für Brasilien

Während andere Trainer mit Sorgenfalten auf die Herausforderung Brasilien blicken dürften, hat der Gastgeber noch Arbeit vor sich. In den und um die sechs Stadien, die beim Confed Cup erprobt wurden, lief längst nicht alles reibungslos. Vor allem die Versorgung der Fans hakte. Deren Nonchalance, gekaufte Tickets oft auf den letzten Drücker abzuholen, stellte OK und FIFA auf eine harte Probe. Von den Problemen im öffentlichen Nahverkehr gar nicht zu reden.

Die Schwierigkeiten könnten 2014 noch zunehmen, weitere sechs Arenen erleben erst dann ihre Feuertaufe. Und diesmal kamen nur drei Prozent der Fans aus dem Ausland. Die FIFA macht Druck. "Wir müssen im Dezember fertig und bereit sein", sagte Generalsekretär Jerome Valcke. Blatter betonte: "Es gibt keinen Plan B."

Den habe auch das Sicherheitskonzept nicht nötig, hieß es von OK und FIFA. Tränengas, Gummigeschosse, Blendgranaten - mitunter ging es im Stadion-Umfeld zu wie im Bürgerkrieg. "Ich kann die sozialen Unruhen verstehen. Aber wir können dafür keine Lösungen anbieten, das ist Aufgabe der Regierung", sagte Blatter. Er wird sich auf weitere Demonstrationen gegen seine FIFA einrichten müssen. Viele Brasilianer sehen in ihr eine "Besatzungsmacht" und sprechen von der "Copa da Corrupcao". Valcke konterte: "Wir nutzen das Geld, um den Fußball zu fördern - nicht, um alle Mercedes fahren zu können."

Doch die "beste WM aller Zeiten"?

Die breite Masse wolle die WM, das zeige eine unabhängige Studie. Doch die Kritik ist durch den Confed Cup lauter geworden. So laut, dass Blatter einen geplanten Auftritt in der Öffentlichkeit in der zweiten Woche absagte. So laut, dass Staatspräsidentin Dilma Rousseff dem Endspiel aus Angst vor Pfiffen fernbleiben wollte.

Ihre Umfragewerte sind nach den landesweiten Protesten während des Confed Cups im Keller. Seit der letzten Befragung Anfang Juni sanken die Werte um 27 Prozent auf nur noch 30 Prozent Zustimmung. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Kritiker, die die Arbeit der Regierung als "schlecht oder schrecklich" einstuften, von neun auf 25 Prozent.

Und wie sieht es um den Weltverband aus? "Die FIFA und der Fußball gehen gestärkt aus dem Turnier hervor", behauptete Blatter tapfer: "Wir wissen, was noch zu ändern ist. Wir wissen aber auch, was alles gut gelaufen ist" - aus Sicht der FIFA jede Menge. Er sei sehr "glücklich, im nächsten Jahr wiederkommen zu dürfen". Mit seinen Augen betrachtet kann es nur die "beste WM aller Zeiten" werden.

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