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Das Finale zwischen Brasilien und Spanien im Maracana ist für viele Fans eine heilige Messe. Doch für zahlreiche Brasilianer ist der mythenumrankte Fußball-Tempel bereits entweiht.

Rio de Janeiro. Maracana - allein dieses Wort elektrisiert Fußball-Fans auf der ganzen Welt. Der große Pele erzielte hier sein 1000. Tor, Zico zauberte und verzauberte in diesem Fußball-Tempel die Fans, Socrates, Romario, Ronaldo, undundund begeisterten die Massen. Kein anderes Fußball-Stadion der Welt ist umrankt von so vielen Mythen. Die "größte Tragödie der brasilianischen Neuzeit", wie ein Anthropologe das 1:2 bei der WM 1950 gegen Uruguay nannte, trägt den Namen dieser Arena: "Maracanazo".

Alcides Ghiggia, der Mann, der damals den Sieg-Treffer für die "Celeste" schoss, sagte einmal: "Es gab nur drei Leute, die das Maracana zum Schweigen gebracht haben. Der Papst, Frank Sinatra - und ich." Doch das stimmt nicht mehr. Wenn Brasilien und Spanien am Sonntag im Finale des Confed Cup um den Titel "Meister der Meister" spielen, wird das Maracana zwar voll sein, die Leute werden toben. Doch spätestens, wenn die Fußball-Karawane nach dem WM-Endspiel am 13. Juli 2014 weiterzieht, wird das Maracana zum vierten Mal verstummen - und dann vielleicht für immer.

Fußballspiele werden zwar auch danach noch hier stattfinden. Die vier großen Klubs aus Rio - Flamengo, Fluminense, Botafogo und Vasco da Gama - werden hier spielen, auch die Selecao. Doch es wird nicht mehr so sein wie früher. Die für die WM völlig neugestaltete Arena Maracana wird dann privat betrieben - vielen Brasilianern zerreißt das das Herz.

"Das Maracana kann man nicht privatisieren, es gehört dem Volk!", schimpft Taci. Die Universitätsdozentin ist Fan von Flamengo, dem beliebtesten Klub Brasiliens. Früher, erzählt sie, sei sie oft ins Maracana gegangen. Zico, Bebeto und viele andere Helden hat sie da spielen sehen. Am Sonntag wird sie fehlen. "Was soll ich da? Alles, was Fußball ausmacht, ist verboten. Große Fahnen, die Trommeln. Das macht doch keinen Spaß mehr."

Taci gehört der Mittelschicht an, Fußball aber ist für sie eine Sache des ganzen Volkes, aller Schichten. Im neuen Stadion habe aber nicht mehr jeder Platz. Zu teuer.

Die Stehplätze, für die Taci früher "keine fünf Reais" bezahlt hatte, sind bunten Sitzschalen gewichen. Ein Wasser kostet bei der "Mini-WM" sechs Reais, eine Karte für Ligaspiele soll demnächst 80 Reais kosten. Statt 200.000 Zuschauern bietet die auch mit Hilfe deutscher Ingenieurskunst modernisierte Arena nur noch 76.804 Fans Platz. Die Reichen und Schönen sitzen vor 125 Logen in schweren Sesseln und prosten sich mit Champagnergläsern zu.

Und das im Maracana! Sein Standort wurde 1950 nicht zufällig gewählt. Hier trafen reicher, weißer Süden und armer, schwarzer Norden aufeinander. Das Maracana - ein Schmelztiegel der Schichten und Kulturen. Die Architektur - im Rund sollte jeder gleich gute Sicht auf den Rasen haben. Das Maracanã sollte egalitär sein, nicht elitär. Für viele war es ein Symbol der Demokratie. Manche hatten Tränen in den Augen, als sie das neue Stadion erstmals betraten.

Die Verantwortlichen weisen die Kritik zurück. Man hätte das Maracana den Erfordernissen des modernen Fußballs anpassen müssen, sagt Bauleiter Ícaro Moreno. Aus der Vogelperspektive sehe es noch fast so aus wie früher. Und die Privatisierung? "Das Stadion wird nur privat betrieben, es gehört noch dem Staat." Der Weltverband FIFA beglückwünschte Brasilien zum neuen Maracana. "Hier herrscht immer noch derselbe Geist", sagte Präsident Joseph S. Blatter.

Dabei spielte auch die FIFA bei der Renovierung eine unrühmliche Rolle. Um die von ihr geforderte Anzahl Parkplätze zu schaffen, musste eine Favela weichen. 650 Familien - umgesiedelt. Schwimmbad und Leichtathletik-Arena vor dem Maracana sollen ebenfalls weg, die Kioske sind es schon. Das erste Indianerzentrum in Lateinamerika, einen Steinwurf entfernt, wurde kürzlich zwangsgeräumt. Die Polzei rückte mit schwerem Gerät an und setzte Tränengas ein.

Auch deshalb sind heute so viele Brasilianer auf der Straße. "O Maraca é nosso!", rufen sie. Das Maracana gehört uns.

Doch das war einmal. Der Tempel ist entweiht.

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