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Der Peruaner kämpft beim Marktführer um eine Vertragsverlängerung. Seine Rolle als Edelreservist nimmt er ohne Murren an und schindet Eindruck. So genügsam war er nicht immer.

München. Ein schelmisches Grinsen hier. Ein herzhaftes Lachen dort. Sein sonniges Gemüt steckt an. Ob Mitspieler oder Betreuer, selbst knurrige Journalisten. Sie alle spüren: Claudio Pizarro ist mit sich im Reinen. Er liebt das Leben, genießt den Alltag als Profi. Bei widrigen wie perfekten Witterungen. Mal auf dem Platz, zumeist auf der Bank.

"Tatsache ist", gestand der 35-Jährige während der Klub-WM, "einem Fußballer könnte es im Moment kaum besser gehen als beim FC Bayern." Den Spätherbst seiner Karriere will er auskosten, in vollen Zügen, möglichst lang. Am liebsten in München. Dort fühlt er sich wohl, mittlerweile heimisch. Er gedenkt gar im Süden Deutschlands sesshaft zu werden. Obwohl ein temporärer Abschied droht.

Bis zum Sommer sind die Arbeitspapiere beim Rekordmeister datiert, seine Zukunft ungewiss. Klar ist: "Ich werde auf jeden Fall weiterspielen." Noch immer, im nunmehr gediegenen Alter, verfügt Pizarro über seltene Vorzüge. Geschmeidig bewegt er sich, ob im Strafraum oder hängend dahinter. Seine feine Klinge bietet ungeahnte Möglichkeiten. Sein Riecher bleibt unwiderstehlich. Dessen ist sich auch der kommende Gegner und langjährige Arbeitgeber Werder Bremen (15.30 Uhr im LIVE-TICKER bei GOAL) bewusst.

Vom Schlawiner zum Edelreservisten

172 Mal lieferte der "Pizza-Express" in der Bundesliga erfolgreich aus. In 50 Jahren überflügelten nur neun Spieler diese Marke. Jene macht ihn zum treffsichersten Legionär der Historie. Im laufenden Wettbewerb knipste er bisweilen sechs Mal bei fünf Startelf-Einsätzen. Insbesondere die Gala gegen Hoffenheim (3:3), als er per Doppelpack brillierte, darf als Empfehlungsschreiben gewertet werden. Manch überehrgeiziger, unter falscher Selbsteinschätzung leidender Oldie hätte danach Ansprüche gestellt – nicht Pizarro.

Unbemerkt schlich er sich in der Mixed Zone an den ersten Pressevertretern vorbei. Als er vor dem Ausgang der Allianz Arena entdeckt wurde, musste man ihn regelrecht zu einem Wortlaut nötigen. Bestens gelaunt meinte er: "Ich habe nur meinen Job gemacht." Er ist der Edelreservist, nicht mehr. Nicht weniger. Als solcher erfährt er höchste Wertschätzung, kommt an. Bei den Fans. Den Spielern. Der Beletage.

Auf seine alten Tage begnügt sich der Torjäger damit. Er muckt nie auf, versprüht gute Laune und arbeitet konzentriert. Früher frönte er dem nächtlichen Umtrunk, besuchte mitunter Discotheken trotz Krankenstand, oder forderte öffentlich einen Stammplatz. Das verschaffte ihm während seiner ersten Bayern-Periode (2001-2007) den zweideutigen Beinamen "Schlawiner".

Ruhigere Rückkehr nach München

Dazumal war er als schlampiges Genie verschrien. Es hieß, er würde sein außergewöhnliches Talent vergeuden, sei launisch und schludrig. Heute sagt Pizarro offen: "Ich hätte mehr aus meiner Karriere machen können." Nach einem missglückten Gastspiel bei Chelsea und ertragreichen Jahren bei Werder Bremen kehrte er 2012 zurück in die bayrische Metropole. Ruhiger, reifer. Sein Lebemann-Image abgelegt. Er mache weiterhin gerne Party, aber "es wurde komplizierter, wegzugehen, daher feiere ich nicht viel".

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Dem professionellen, teils überstrukturierten Geschäft musste er sich gewissermaßen beugen. Zu wertvoll ist ihm der Fußball. Zu groß das Verlangen nach Trophäen - und wird nun gestillt. Erst mit dem Triple, zuletzt mit der Meisterschaft. "Natürlich habe ich den größten Teil der Laufbahn schon hinter mir, umso schöner ist es doch zu wissen, dass ich auch in meinem Alter noch Titel holen kann." Dabei ist er vielmehr als ein Bankdrücker.

Pizarro genießt im inneren Zirkel hervorragendes Ansehen. Unter Jupp Heynckes. Ebenso unter Guardiola, für den er ob seiner Spanisch-Kenntnisse oftmals übersetzt. Seine eigenen Bedürfnisse stellt er dabei hinter jene des Vereins, verkörpert dieses Wir-Gefühl. "Ich habe zu verstehen gelernt, dass alle Spieler sehr wichtig sind. Nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen. Ich versuche daher, fit zu sein und meine Chance zu nutzen, wenn ich sie bekomme."

Menschlich und sportlich glücklich

Zweifelsfrei hat er das bisweilen geschafft. Er ist davon überzeugt, künftig einen gewichtigen Teil beitragen zu können. Obwohl mit Robert Lewandowski hochkarätige Konkurrenz hinzustößt. "Zurzeit sind es nur zwei Stürmer, bald drei. Das sind nicht so viele", mimt Pizarro den Kämpfer. Er glaubt an sich, die eigenen Anlagen. Das Interesse anderer Vereine bestärkt ihn darin.

Vergangene Saison sollen etwa Schalke 04 und Borussia Dortmund ihre Fühler ausgestreckt haben. Stattdessen verlängerte er beim Branchen-Primus. An Optionen scheint es nicht zu fehlen. Ob Katar, die USA oder Türkei – er lässt sich alles offen. Zunächst möchte er sich, obwohl in der Champions League und im DFB-Pokal-Finale vermutlich Mario Mandzukic den Vorzug erhält, für ein weiteres Engagement empfehlen. Am besten bereits gegen Bremen.

Denn: "Es fällt mir schwer, die Augen auf einen anderen Klub zu lenken. Unter den fünf Besten der Welt sind die Bayern in meinen Augen aktuell das Topteam, und menschlich ist es schwierig, eine Mannschaft zu finden, die ihnen ähnelt", so Pizarro. Die Lust hat er keineswegs verloren. Ein Lächeln verrät dies.

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