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Uli Hoeneß: Der Absturz des Patrons

Sozial engagiert, ehrlich, moralisch integer: Uli Hoeneß gefiel sich immer in der Rolle des wohlmeinenden Patriarchen. Über den tiefen Fall eines Patrons.

München. Es ist gerade mal eineinhalb Jahre her, da saß Uli Hoeneß bei Günther Jauch im ARD-Studio. Gerechtigkeit, Moral, Arm gegen Reich - es ging um die ganz großen Fragen. Hoeneß gerierte sich als Weißer Ritter des Kapitalismus. Der Linken-Politiker Oskar Lafontaine, stänkerte er, habe "ein Schlösschen im Saarland, dagegen wohne ich im Sozialbau". Die von Lafontaines Partei geforderte Reichensteuer lehnte Hoeneß in einer Brandrede ab. "Dann gehen die Reichen nach Österreich oder in die Schweiz - und dann haben wir gar nix davon", schimpfte er.

Heute ist klar: Hoeneß ist einer dieser Reichen. Ein Steuersünder mit hinterzogenen Millionen in der Schweiz. Er wusste damals, wovon er sprach. Ausgerechnet Hoeneß! Hoeneß, der Mister FC Bayern, Hoeneß, der beste und erfolgreichste Manager in 51 Jahren Fußball-Bundesliga. Hoeneß, der Wohltäter und Saubermann. Doch von dem Bild des milden Patrons, das er selbst in den vergangenen Jahren von sich zu zeichnen suchte, ist nach dem Prozess nichts mehr übrig. Es ist zerplatzt wie eine Spekulantenblase.

"Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern." Auch das hat Hoeneß gesagt, im August 2005 in der Bild-Zeitung. Es war, wie sich inzwischen herausgestellt hat, eine Lüge. Hoeneß hat sie reumütig eingeräumt. Dass er seine Fehler wirklich eingesehen hat, davon sind nach seinen teilweise selbstgefälligen, arroganten Auftritten vor Gericht nicht alle Beobachter überzeugt. Hoeneß, der Ignorant.

Hoeneß war mitunter wie eine Dampfwalze, die alles, was nicht in ihre ganz eigene Welt passt, in den Boden rammt. Von Hybris war zu lesen. Hybris, die so weit ging, dass er sich selbst durch die Zurechtweisungen seines Anwalts oder des Richters nicht in seiner Sicht beirren ließ. Hybris, die darin gipfelte, dass er sich am zweiten Prozesstag auf die Tribüne "seiner" Arena setzte, als wäre nichts gewesen. Hoeneß, der Boss.

Schon in seinen über 30 Jahren als Bayern-Manager polarisierte er wie kein anderer Spitzenvertreter der Liga. In den Stadien wurden ihm Münzen und Beschimpfungen entgegen geschleudert, vielerorts erwartete ihn blanker Hass. Die Bayern-Fans dagegen liebten ihren "Uli". Erst, als er sich vor viereinhalb Jahren aufs Präsidenten-Amt zurückzog, fing auch der Rest der Republik an zu glauben, dass dieser Herr Hoeneß im Grunde so verkehrt nicht sein konnte. Nach dem kühlen Manager rückte ein anderer Mensch in den Fokus: Hoeneß, der warmherzige Patron.

Hoeneß half zahllosen Bayern-Spielern aus misslicher Lage. Hoeneß rettete ganze Fußball-Klubs. Er unterstützte Konkurrenten wie Borussia Dortmund mit Millionen-Beträgen. Er spendete Auftrittshonorare und Gagen, gründete wohltätige Stiftungen, half hier, unterstützte dort. Und all das: ohne großes Gewese, oft still, fast heimlich. Hoeneß, das Vorbild.

Als solches bezeichnete der Spiegel "den mustergültigen Deutschen" noch 2013 in einem mehrseitigen Porträt. Bundeskanzlerin Angela Merkel lud ihn ins Kanzleramt ein, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer suchte seine Nähe und seinen Rat. Nicht wenige hielten ihn für einen Kandidaten auf das höchste Amt des Staates, das des Bundespräsidenten.

Hoeneß zog es nie in die Politik. Er gefiel sich in der Rolle des Ratgebers der Mächtigen und spielte diese gerne öffentlich. Hoeneß, der Moralist. Wie einst bei Christoph Daum, als er sich echauffierte, "so einer", ein Drogenkonsument, dürfe nicht Bundestrainer werden. Später als Chefkritiker der deutschen Justiz im Fall Breno oder von FIFA-Boss Joseph S. Blatter. Hoeneß galt vielen bald als der Heilige des deutschen Fußballs, und er selbst erhob sich mit in diese sehr, sehr große Höhe - bis er abstürzte. Hoeneß, der Steuerhinterzieher. Hoeneß, der Verbrecher!

Ist dieser Herr Hoeneß trotz seines zu Recht viel beachteten Lebenswerkes als Präsident noch tragbar? Diese Frage muss der FC Bayern beantworten. Fest steht nur: Als moralische Instanz ist Hoeneß erledigt. Als Vorbild hat er ausgedient. Als Patron liegt er am Boden. Und als Mensch?

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