thumbnail Hallo,

Heung-Min Son ist Bayer Leverkusens Königstransfer in diesem Sommer. Der Offensiv-Allrounder ist nicht nur sportlich eine Bereicherung für die Bundesliga.

Von Andre Bellert

Leverkusen. Er ist jetzt schon der teuerste Südkoreaner der Bundesligageschichte: Für zehn Millionen Euro wechselte Heung-Min Son vom Hamburger SV zu Bayer 04 Leverkusen. Auch Borussia Dortmund und Tottenham Hotspur waren an ihm interessiert, aber der 21-Jährige entschied sich für seine Entwicklung. Mit der "Werkself" bestreitet er am Samstag sein erstes Pflichtspiel. Dann geht es im DFB-Pokal gegen den SV Lippstadt 08.

"Sowohl Dortmund als auch Leverkusen wollten mich. Beide Teams spielen in der Champions League, aber ich dachte mir, dass in Dortmund mehr rotiert wird. Deswegen habe ich mich für Leverkusen entschieden. In meinem Alter ist das Wichtigste regelmäßig zu spielen", erklärte er vor wenigen Wochen die Entscheidung pro Leverkusen.

Vom Hamburger Fußballinternat in die Nationalmannschaft

Sein Vater, der ehemalige Nationalspieler Jung-Won, brachte dem Kleinen von der Pike auf das Kicken bei. Im Sommer 2008 zog Heung-Min mit 16 Jahren im Rahmen einer Kooperation zwischen dem HSV und dem südkoreanischen Fußballverband mit zwei Freunden ins Fußballinternat der Hanseaten. Er konnte weder Deutsch noch Englisch. Seine Kameraden gingen zurück nach Südkorea. Er setzte sich durch, über die B- und die A-Jugend des HSV zu den Profis.

Als 18-Jähriger markierte er bei seinem Bundesligadebüt sogleich sein erstes Tor. Inzwischen hat er 73 Partien in der ersten Liga bestritten und 20 Treffer sowie drei Vorlagen auf seinem Konto. Mit zwölf Treffern und zwei Vorlagen war die abgelaufene Saison sein endgültiger Durchbruch. Der 14-fache Nationalspieler (zwei Tore) spielt, seit er 19 Jahre alt ist für die südkoreanische A-Auswahl, die sich bereits für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert hat.

"Will Torschützenkönig werden"
EXPERTENMEINUNG
"Heung-Min Son hat im letzten Jahr einen großen Entwicklungsschritt gemacht, sich insbesondere im Defensivverhalten verbessert. Während sein Spiel zu Beginn seiner Bundesligakarriere noch nach Jugendfußball aussah, geht Son mittlerweile robuster in Zweikämpfe und Kopfballduelle.

Offensiv ist er durch seine Schnelligkeit und technischen Fähigkeiten eine Verstärkung für Bayer 04 Leverkusen. Stimmt das Umfeld und lastet nicht zu viel Druck auf seinen Schultern, wird Son dort zum Top-Torjäger reifen.
"

- Daniel Jovanov | HSV-Korrespondent

"Sonny" soll bei Bayer 04 vorerst die Lücke, die André Schürrle hinterlassen hat, schließen. Seine persönlichen Ziele sind indes ehrgeiziger, wie er auf seiner Homepage verrät: "Ich will Torschützenkönig in der Bundesliga werden. Vielleicht nicht jetzt, aber ganz sicher irgendwann."

"Er ist technisch sehr gut, beidfüßig, sehr schnell, torgefährlich. Aber er ist auch ein Spieler, der viel für die Mannschaft arbeitet. Aus meiner Sicht ist er ein Spieler von großer Qualität", lobte Trainer Sami Hyypiä seinen Neuzugang gegenüber dem Express

Er hob auch seine Lernbereitschaft hervor: "Er ist wirklich bereit, zu lernen. Man merkt, wie sehr er sich verbessern will", sagte der Finne dem Kölner Stadt Anzeiger. Der technisch-versierte Südkoreaner befindet sich noch in der Entwicklung. Im taktischen Bereich, im Pass- und Kombinationsspiel sowie insbesondere in der Defensivarbeit hat er noch Steigerungspotenzial.

Son als Botschafter für die Bundesliga

Für europäische Klubs sind Asiaten nicht nur aus fußballerischer Perspektive eine Bereicherung, sondern auch aus Marketinggründen. 2011 war er das Gesicht der HSV-Kampagne: "Nur die Ruhe, nur der Sturm, nur der HSV!" Seinetwegen wurden die Spiele des Bundesliga-Dinos in Südkorea live übertragen. Einen exklusiven Deal mit einem Sportartikelhersteller hat er auch schon abgeschlossen.

Spieler wie der ehemalige Weltpokal- und Champions-League-Sieger Ji-Sun Park von ManUnited, aber auch Lie Tie, der dem FC Everton einen Sponsorenvertrag mit dem chinesischen Unternehmen Kejian einbrachte, sind mitverantwortlich für die hohen Einnahmen der englischen Liga.

Yonghun Lee, Chefredakteur der sükoreanischen Goal-Edition, sieht Son in seiner Heimat bereits als echte Größe: "Son ist hier definitiv eine große Nummer. Wenn er bei der Nationalelf ist, wird sein Name vom Publikum stets am lautesten bejubelt. Er ist hier schon ein Nationalheld, ein aufstrebender Star."

Son folgt Cha

Unterm Bayer-Kreuz tritt er nun in die Fußstapfen einer südkoreanischen Legende: Bum-Kun Cha gewann mit Leverkusen 1988 den UEFA-Cup. "Die Leute hier vergleichen ihn schon mit Cha", sagt Yonghun Lee. "Er spielt nun regelmäßig in der Champions League und vielleicht kann er eines Tages zu einem noch größeren Klub wechseln. Wenn es ihm gelingt, Schürrle zu ersetzen wäre das fantastisch. Leverkusen ist bereits eine gute Adresse, dort kann er zum Star reifen und dann stehen ihm alle Wege offen."

Son kann helfen, nicht nur die Marke Bayer 04 Leverkusen international bekannter zu machen, sondern auch die TV-Auslandsvermarktung der Bundesliga insgesamt voranzubringen. Die Bundesliga generiert zurzeit ca. 72 Millionen Euro auf dem internationalen Markt (Verträge laufen bis 2014/15), der Branchenprimus Premier League erwirtschaftet hingegen 560 Millionen Euro außerhalb Englands. Yonghun Lee erklärt: "Im Moment ist die Premier League bei uns noch viel populärer als die Bundesliga. Aber durch Son wächst das Interesse ständig. Und der HSV war nicht so konstant wie Leverkusen. Wenn er regelmäßig in der Champions League spielt, dann sind alle happy."

Eine erfolgreiche Saison mit Bayer 04 und ein gute WM 2014 von Heung-Min Son, dem Jungen aus dem Hamburger Fußballinternat, helfen also auch der Marke Bundesliga.

EURE MEINUNG: Wohin geht die Entwicklung von Heung-Min Son in den nächsten Jahren?

Dazugehörig