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Die Deutsche Fußball Liga geht offenbar auf Konfrontationskurs zum Deutschen Fußball-Bund. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig kritisierte ungewohnt scharf den Dachverband.

Köln/Frankfurt. Die bisherige Musterehe zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht vor einer Zerreißprobe. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Montagausgabe) berichtet, haben sich die Fronten zuletzt derart verhärtet, dass sich die DFL aufgrund des angestauten Konfliktpotenzials nicht mehr mit Kritik an der DFB-Führung mit Präsident Wolfgang Niersbach (62) und Generalsekretär Helmut Sandrock (57) an der Spitze zurückhalten will.

Niersbach reagierte umgehend und will die seiner Meinung nach unangebrachten Attacken auf der nächsten Präsidiumssitzung am Freitag zur Sprache bringen. Stein des Anstoßes ist ein Frontalangriff von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig auf den Verband.

Neustruktuierung beim DFB?

Der 50-Jährige forderte in der FAZ unverblümt eine Neustrukturierung des DFB. Nach Informationen des SID vertritt er damit keine Einzelmeinung. In der Liga wünscht man sich unter anderem eine Verschlankung der DFB-Spitze - Präsidium (17 Personen) und Vorstand (38). Liga-Präsident Reinhard Rauball (66), kraft seines Amtes gleichzeitig 1. DFB-Vizepräsident, könnte in diesem Disput eine entscheidende Rolle als Vermittler zukommen.

Rettig kritisierte im Detail das Verfahren um den vakanten Posten des DFB-Sportdirektors und das Verhalten des Verbandes im Zuge der EM-Vergabe 2020. Des Weiteren moniert der ehemalige Bundesliga-Manager, dass sich grundsätzliche Entscheidungen des DFB schädlich auf die Nachwuchsarbeit der Klubs auswirken.

Niersbach über Kritik verwundert

DFB-Boss Niersbach traf diese Kritik aus heiterem Himmel: "Ich kann mich nur wundern. Denn bei meinen ständigen Kontakten mit Liga-Präsident Reinhard Rauball haben wir uns immer einvernehmlich abgestimmt, etwa bei so wichtigen Themen wie der EM-Bewerbung 2020 oder den Sicherheitsfragen - in diesem Geist haben wir auch den Grundlagenvertrag bis 2017 verlängert."

In Richtung Rettig sagte der 62-Jährige: "Wenn nun ein Mann, der noch kein halbes Jahr bei der DFL angestellt ist, so ziemlich alles und jedes in unserem Verband dazu noch sachlich falsch in Frage stellt, ist dies anmaßend und völlig unangebracht. Mit dem Liga-Präsidenten habe ich bereits über diesen Vorgang geredet und werde ihn sicher auch bei der Präsidiumssitzung am Freitag zur Sprache bringen."

Rettig machte grundsätzlich eine Schwäche in der Gesamtstruktur des DFB aus, die er vor allem am Posten des Generalsekretärs festmacht: "Dass die Führung eines so großen Verbandes von einer hauptamtlichen Person geleistet werden kann, da habe ich meine Zweifel. An dieser Stelle des DFB kommen sehr viele Aufgaben zusammen."

Die DFL ist offensichtlich der Meinung, dass man auf der gleichen Hierarchieebene wie der des DFB-Generalsekretärs künftig auch einen Sportfachmann installieren müsse, der dann allein für den sportlichen Bereich im Verband zuständig sein soll.

Mehr Mitspracherecht für DFL

Unabhängig fordert die DFL bei der Auswahl des künftigen Sportdirektors ein Mitspracherecht, nachdem in Matthias Sammer und Robin Dutt innerhalb kürzester Zeit zwei Sportdirektoren vorzeitig das Weite gesucht haben. "Die Entscheidung über den Sportdirektor kann keine exklusive Entscheidung des DFB sein. Da geht es auch um Interessen des Ligaverbandes", sagte Rettig in aller Deutlichkeit.

Seifert hatte sich zuletzt schon dafür ausgesprochen, dass der künftige Sportdirektor alle Fäden in der Hand halten, also auch für die A-Nationalmannschaft zuständig sein müsse, was bisher nicht der Fall war. Sandrock hat diese Forderungen zurückgewiesen und sich eine Einmischung in dieser Personalfrage verbeten: "Die Personalie Sportdirektor ist eine originäre Aufgabe des DFB."

Für die DFL liegt in diesem Bereich aber einiges im Argen, wie auch das Vorrunden-Aus der U21 bei der EM in Israel verdeutlicht habe. Dieser EM-K.o. sei auch ein Resultat der aktuellen Führungsschwäche gewesen, wie Rettig mit Blick auf das Abstellungswirrwarr erklärte: "Ich habe die Gesamtverantwortung nicht verstanden."

DFB kontraproduktiv für die Interessen der Klubs?

Der DFL-Geschäftsführer wirft dem DFB zudem vor, auf internationalem Parkett in einigen Fällen gegen die Interessen der Klubs zu entscheiden. So sei die Einführung der Champions League für U19-Klubmannschaften kontraproduktiv: "Hier hat der DFB gegen seine eigene Überzeugung und den Rat aller Fachleute den Wunsch der UEFA zur Einführung dieses Wettbewerbes mitgetragen. Ich kann keinen Vorteil für unsere Vereine erkennen."

Auch das Verhalten des DFB im Zusammenhang mit der Bewerbung für die Finalwoche der EM-Endrunde 2020, die in 13 Ländern stattfinden wird, sieht die DFL kritisch. Der DFB hatte angekündigt unter gewissen Umständen zugunsten der Türkei auf eine Kandidatur für die Finalwoche zu verzichten. "Wir wissen von Außenständen von einigen Millionen Euro, die türkische Klubs einigen unserer Klubs seit langer Zeit schuldig sind", so Rettig: "Bei aller Sportpolitik sollte man immer das Gesamtbild im Auge haben."

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