Das Bundesliga-Zeugnis: Werder Bremen

Gut, befriedigend, ausreichend, oder gar mangelhaft? Welcher Verein hat seine Hausaufgaben gemacht? Werders Zwischenzeugnis fällt deutlich besser aus, als letztes Jahr.

Von Andreas Weber

Werders Macher Thomas Schaaf und Klaus Allofs
Getty Images
Verein: Werder Bremen

Bundesliga: Platz 5

DFB-Pokal: Aus in der ersten Runde gegen Heidenheim

Zielsetzung: Was war das für eine grausame Saison 2010/2011: Werder enttäuschte auf ganzer Linie und musste Zeitweise um den Verbleib in der Bundesliga fürchten. Magere 41 Punkte wurden zum Ende erreicht, viel zu wenig für die Ansprüche der Hanseaten und seine erfolgsverwöhnten Anhänger. Kaum ein Spieler rief konstant seine Normalform ab. Besonders die Abwehr leistete sich teils katastrophale Aussetzer. Nun sollte alles anders werden. Die Hanseaten wollten weiterhin offensiven Fußball zelebrieren, dies jedoch aus einer stabilen Abwehr heraus. Eindeutige Zielsetzung: Weniger Tore kassieren und wieder oben in der Tabelle angreifen, Blick in Richtung Europapokal.

LIGA, POKAL – Note: befriedigend (3)

Gleich zu Beginn erinnerte jedoch Vieles an den Verlauf der letzten Saison: Eine halbherzige Einstellung und ein zum Teil arrogantes Auftreten in der ersten Runde des DFB-Pokals sorgten für eine ordentliche Blamage beim Drittligisten 1. FC Heidenheim. Nach dem überraschenden Aus, trotz zwischenzeitlicher Führung, schlichen die Bremer wie begossene Pudel vom Platz und nicht wenige Fachleute prophezeiten Werder eine weitere Gruselsaison.

Es kam jedoch ganz anders. Denn im Ligaalltag erwischte die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf einen guten Start und hatte nach sieben Spieltagen bereits 16 Zähler auf dem Konto. Prompt wurde Werder zum Bayern-Jäger Nummer eins hochgejubelt. Dass dies nicht der Fall ist, liegt unter anderem an der enormen Schwäche gegen die direkte Konkurrenz. Werder verlor die Vergleich gegen die Bayern, Dortmund, Hannover, Mönchengladbach und Schalke teilweise deutlich. Dennoch steht am Ende ein fünfter Platz für die Norddeutschen, die im Gegensatz zum Vorjahr, gegen die schwächeren Gegner keine Punkte mehr liegenlassen. Zudem stellt Werder die beste Heimmannschaft im deutschen Oberhaus.

UNTERHALTUNG – Note: gut (2)

Wer Werder Bremen in den vergangenen Spielzeiten zuschaute, bekam immer etwas für sein Geld geboten. Daran hat sich auch dieses Jahr nichts geändert. Werder spielt stets nach vorne und ließ sich auch von Rückschlägen nur selten beeindrucken. Das Spiel gegen Köln, bei dem Werder einen 0:2-Rückstand noch in einen Sieg drehte, ist nur ein Beispiel für die bemerkenswerte Bremer Moral. Ähnlich unterhaltsam waren die Erfolge in Mainz, daheim gegen Hertha BSC und den vfL Wolfsburg. Zudem steuerten die Bremer insbesondere bei ihren Auswärtspartien in Hannover (2:3), Mönchengladbach (0:5), München (1:4) und auf Schalke (0:5) unfreiwillig viel zum Unterhaltungswert der Zuschauer bei. Der Sturm um Ausnahmespieler Pizarro auf der einen Seite, aber auch die nicht immer sattelfeste Abwehr der Grün-Weißen, garantieren dem Zuschauer also weiterhin einen hohen Unterhaltungswert.



TRANSFERMARKT – Note: befriedigend (3)

Geschäftsführer Klaus Allofs, der jahrelang für seine Transferpolitik gefeiert worden war, geriet im Zuge der miserablen Vorsaison ebenfalls in die Kritik. Im vergangenen Sommer fand er offenbar sein Spürnäschen wieder, denn der vielseitige Abwehrspieler Sokratis erweist sich als Volltreffer. Ihn hat Allofs für kleines Geld aus Genua ausgeliehen, zudem besitzt Werder eine Kaufoption. Aleksandar Ignjovski gilt als großes Talent und der Allrounder erkämpfte sich schnell einen Stammplatz. Lukas Schmitz hat den Konkurrenzkampf auf der linken Seite angeheizt, auch wenn seine Formkurve zuletzt nach unten zeigte.

Ausgerechnet der teuerste Neuzugang des Sommer zündete nicht wie erhofft: Mehmet Ekici, der im offensiven Mittelfeld die Fäden ziehen sollte, kam nach einer Verletzung in der Vorbereitung nicht in Tritt und ist längst nicht die erwartete Verstärkung. Andreas Wolf, ablösefrei aus Nürnberg gekommen, spielt in der Innenverteidigung solide, auch wenn er immer für einen „Bock“ ist. Die Abgänge von Leistungsträgern wie Torsten Frings oder Per Mertesacker waren zwar schmerzlich, aber aus wirtschaftlichen Gründen absolut nötig und vertretbar.

Transfermarkt: Alle Bundesliga-Wechsel im Überblick

TRAINER & UMFELD – Note: noch gut (2-)

Was soll man zum Umfeld in Bremen schon Böses sagen? Gibt es in der Bundesliga einen Verein, in dem es sich ruhiger arbeiten lässt? Nun ja, man muss sagen, dass man sich in Bremen schon mal lieber hatte: Seit dem Transfer-Hick-Hack um Sokratis, dessen Ausleihe Werders Aufsichtsratschef Willi Lemke aufgrund finanzieller Engpässe zunächst nicht zustimmen wollte, gab es zumindest zwischen ihm und Manager Allofs einige Irritationen.

Es folgten zähe Verhandlungen um die Verlängerung der Verträge von Allofs und Trainer Schaaf. Am Ende waren diese erfolgreich und noch vor der Jahreswende unterzeichneten sie neue, langfristige Arbeitspapiere. Das Führungsduo hat bewiesen, dass es weiter in der Lage ist, erfolgreich in Bremen zu arbeiten und nach einer enttäuschenden Saison das Ruder herumreißen kann.

GESAMTNOTE: befriedigend (3)

Die Bremer haben sich wieder bekrabbelt und halten Kurs auf das internationale Geschäft. Und das mit einer Mannschaft, die mitten im Umbruch steckt. Schönheitsfehler wie das frühe Aus im Pokal und die herben Klatschen in Gladbach (0:5), München (1:4) und auf Schalke (0:5) trüben den ordentlichen Gesamteindruck allerdings.

Eure Meinung: Wie bewertet ihr Werders Abschneiden nach der Hinrunde?


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