Pannen, die Titel kosteten

Nicht allein der Patzer von Oliver Kahn im WM-Finale 2002 war folgenreich. Auch weitere Fußballer erlebten ähnliche Situationen, in denen sie am liebsten im Boden versunken wären und das Spiel sofort noch einmal neu hätten beginnen wollen. Wir haben fünf „Pleiten, Pech und Pannen“ der internationalen Fußballhistorie herausgesucht, die ihre sportliche Dramatik alle vom Elfmeterpunkt aus entwickelten.

Von Elmar NEVELING

Michael Ballack spielte von 1999 bis 2002 für Bayer Leverkusen (Getty Images)
Platz 5: Der verschenkte Titel

Michael Kutzop war ein Souverän vom Elfmeterpunkt. In erster und zweiter Liga hatte der Verteidiger jeden seiner über vierzig Strafstöße verwandelt – jeden, bis auf diesen einen am 22. April 1986. Es war der der 33. Bundesliga-Spieltag, High Noon war im Bremer Weserstadion  angesagt: Tabellenführer Werder Bremen empfing Titelverteidiger Bayern München und hätte mit einem Sieg die vorzeitige Meisterschaft perfekt gemacht. Als es bereits nach einem 0:0 und der Verschiebung der Entscheidung auf den letzten Spieltag aussah, kam es im Strafraum der Bayern in der 88. Minute zu einem Zweikampf zwischen Rudi Völler und Sören Lerby. Nach einem vermeintlichen Handspiel des Dänen wurde Werder ein Elfmeter zugesprochen, eine Fehlentscheidung.

Minutenlange, wütende Proteste der Bayern verzögerten die Ausführung, zwischenzeitlich war sogar der Ball verschwunden. Massen an Fotografen postierten sich hinter dem Tor. Während die Münchener Kutzop vor dessen Anlauf einige Nettigkeiten zuwarfen, um ihn zu irritieren, erhoben sich die Bremer Zuschauer in freudig-erregter Erwartung von ihren Sitzen. Bremens erste Meisterschaft seit 21 Jahren, sie stand unmittelbar bevor. Kutzop lief an, verzögerte, verlud Keeper Jean-Marie Pfaff, und… traf den rechten Pfosten! Somit blieb es beim 0:0. Konsternierte Bremer verloren eine Woche später in Stuttgart, während die Bayern Mönchengladbach mit 6:0 putzten und in dieser Saison nur einmal Erster waren – und zwar an diesem letzten Spieltag! Kutzop und Werder durften sich dafür zwei Jahre später über die zweite Bremer Meisterschaft freuen.

Platz 4: „Mischas“ Trauma

Michael Ballack hat in seiner bisherigen Karriere eine Vielzahl an Titeln abgeräumt: Mehrfach deutscher Meister und Pokalsieger mit dem FC Bayern, dazu englischer Meister und Cupsieger mit dem FC Chelsea. Doch einem internationalen Titel, dem jagt der „Capitano“ bisher sowohl mit der Nationalelf als auch im Verein bisher vergeblich hinterher. Das WM-Finale 2002 verpasste Ballack wegen einer Gelbsperre; mit Bayer Leverkusen zog er im Champions League-Endspiel 2002 gegen Real Madrid den Kürzeren. In Ballacks zweitem Finalanlauf in der Königsklasse sollte es nun endlich mit dem ganz großen Wurf klappen: Am 21. Mai 2008 trafen Chelsea und Manchester United aufeinander.

Nach 120 Minuten stand es 1:1, sodass die Entscheidung vom Punkt aus fallen musste. Als John Terry antrat, hatte der „Blues“-Kapitän die Entscheidung auf dem Fuß. Sollte er treffen, wäre Chelsea der König von Europa! Ballack und Teamkollegen standen Arm in Arm am Mittelkreis, konnten den bevorstehenden Triumph kaum erwarten. Doch dann passierte es: Terry rutschte bei seinem Anlauf weg und vergab. Nachdem auch Nicolas Anelka scheiterte, war Chelsea geschlagen. Ballack sank zwischen seinen Teamkollegen zusammen und weinte bittere Tränen. Wenige Wochen später sollte er auch noch das EM-Finale mit Deutschland verlieren, wenn auch beim 0:1 gegen Spanien auf weniger dramatische Weise.

Platz 3: Ballack, die Zweite

20. Mai 2000 – endlich war es soweit. Bayer Leverkusen, das als ewiger Zweite verschmähte Team, reiste zum kleinen Bayern-Nachbarn nach Unterhaching. Der große FCB hingegen empfing an jenem letzten Spieltag Erzrivale Werder Bremen. Mit drei Punkten Rückstand machte den Münchenern nur das bessere Torverhältnis Mut. Und die eigene Leistung. Denn die Grün-Weißen blieben chancenlos, verloren mit 1:3. Alles schielte also ins wenige Kilometer entfernte Unterhaching.

Und da spielte Leverkusen unter Trainer Christoph Daum wie gelähmt. Die Schale vor Augen, ein einziger Punkt, der reichen würde – doch Bayer brachte nichts zustande. Negativer Höhepunkt: die 21. Spielminute. Ausgerechnet der spätere Bayern-Spieler Michael Ballack patzte und bugsierte die Kugel ins eigene Netz. Das war der Anfang vom Ende. Haching tobte, Bayer taumelte – und verspielte noch alles. Denn Markus Oberleitner machte mit seinem Kopfball zum 2:0-Endstand alles klar für die Münchener Meisterschaft. Vizekusen und Ballack blieb nach 1997 und 1999 erneut nur der zweite Platz.



EM-Finale 1976: Gleich fliegt der Elfmeter von Uli Hoeneß über das Tor

Platz 2: Belgrad bei Nacht

Uli Hoeneß wurde als Spieler Welt- und Europameister, gewann die deutsche Meisterschaft und den Europapokal. Das Elfmeterschießen im EM-Finale 1976 gegen die damalige Tschechoslowakei würde der heutige FC Bayern-Präsident aber vermutlich lieber aus seinem sportlichen Gedächtnis streichen. Als Titelverteidiger und amtierender Weltmeister ging die DFB-Elf als Favorit in das Finale. Doch wie schon im Halbfinale gegen das frühere Jugoslawien, lag Deutschland auch im Endspiel wieder mit 0:2 zurück. Als Bernd Hölzenbein erst in der letzten Spielminute die Verlängerung erzwang, schien der Titelgewinn zum Greifen nah. Nachdem weitere Tore ausblieben, musste die Entscheidung per Elfmeter fallen – bis heute eine deutsche Domäne, nur eben nicht an diesem 20. Juni 1976.

Hoeneß trat als vierter deutscher Schütze an… und der damals 24-Jährige drosch den Ball mit all seiner Kraft in den Belgrader Nachthimmel. Als Antonin Pananka seinen folgenden Elfmeter lässig-gewitzt mit einem Lupfer (der berühmte „Panenka-Heber“) verwandelte und die Kugel in gemächlichem Tempo ins Tor hüpfte, war Deutschlands Niederlage perfekt. Der Ball von Hoeneß wird der Legende nach noch heute in Belgrad gesucht…



Zwiespältige Beziehung: Lothar Matthäus und der DFB-Pokal

Platz 1: „Judas“ Matthäus

Borussia Mönchengladbach war in den 1970er und 80er Jahren eine große Nummer nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. In der Bundesliga herrschte eine große Rivalität zu Bayern München, mit dem sich die „Fohlen“ regelmäßig um die Meisterschaft duellierten. Umso größer war der Frust der Borussia-Fans, als 1984 der Wechsel des aufstrebenden Lothar Matthäus ausgerechnet zum FC Bayern bekannt wurde. Die beiden Erzrivalen standen sich nun auch noch im Finale des DFB-Pokals am 31. Mai 1984 gegenüber.

1:1 stand es nach Verlängerung, das nervenzehrende Elfmeterschießen musste einmal mehr den Sieger ermitteln. Und dort verschoss gleich Gladbachs erster Schütze – Lothar Matthäus! Auch wenn Matthäus’ Fehlschuss nach der späteren Parade von Borussia-Keeper Uli Sude gegen Klaus Augenthaler nicht entscheidend war, so wurde doch der zukünftige Bayern-Spieler für die letztliche Niederlage seines Teams (Norbert Ringels traf nur Aluminium) von den Gladbacher Fans verantwortlich gemacht und als „Judas“ beschimpft. Fünfzehn Jahre später vergab Matthäus dann wieder einen Elfmeter im Pokalfinale, diesmal verlor er mit dem FC Bayern gegen Werder Bremen…

Doch Matthäus und der Pokal, sie hatten auch gute Zeiten: Denn 1986 und 1998 durfte er den Pott mit den Münchenern jeweils als strahlender Sieger in Empfang nehmen.


Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 11.11.2010 bis zum 15.11.2010
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Warum ist bei Werder der Wurm drin?
Mesut Özil fehlt an allen Ecken und Kanten
 
34.04%
Allofs Einkaufspolitik: Seit Jahren können die Probleme auf der Außenverteidigerposition nicht gelöst werden
 
25.55%
Nach dem Verletzungspech wird Werder sich wieder oben in der Tabelle melden
 
18%
Problemfall Arnautovic zeigt: Bei den Spielern stimmt die Einstellung nicht
 
13.92%
Thomas Schaaf erreicht nach all den vielen Jahren die Mannschaft nicht mehr
 
8.49%
 
 
 
 
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