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Auch im zweiten Auswärtsspiel der Rückrunde gelang den Bayern kein Sieg. Damit werden die Diskussionen wieder lauter, wie der Rekordmeister wieder erfolgreich sein kann.

Nach dem 1:1 gegen Finks Hamburger SV laufen die Diskussionen um den Rekordmeister auf Hochtouren. Brauchen die Bayern personelle und taktische Änderungen? Und kann Jupp Heynckes überhaupt Superstars wie Robben oder Thomas Müller auf die Bank setzen?

Hamburg. Der Rückrundenstart lief alles andere als optimal für den FC Bayern München. Besonders die Kreativabteilung lässt zu wünschen übrig. In den drei Partien nach der Winterpause erzielte der Rekordmeister noch keinen Treffer aus dem Spiel heraus. Auch gegen den Hamburger SV musste eine Standardsituation herhalten, um wenigstens einen Punkt aus dem Volksparkstadion zu entführen. Die Gründe für die schwache Offensivleistung waren dieselben, die an dieser Stelle auch schon in der Vorwoche moniert wurden: Zu starres Spiel auf den Flügeln, zu wenig Impulse aus dem Mittelfeldzentrum, kein Überladen der Räume (HIER die Analyse der Vorwoche).

Offensive Änderungen?

Viele Fans fragen sich, ob die aktuelle Formation der Bayern die richtige ist. Vor allem Robben steht in der Kritik, Mario Basler forderte im Doppelpass gar dessen Verbannung auf die Bank. In der Theorie mag diese Idee gut sein: In der Vorrunde waren die Bayern auch deshalb so erfolgreich, weil ihr Spielsystem auf Angriffe über Riberys linke Seite ausgelegt war. In den letzten Spielen war Ribery oft an der einen, Robben an der anderen Seitenlinie zu finden. Durch die großen Abstände im offensiven Mittelfeld war es den Gegnern ein leichtes, die Flügelflitzer durch geschicktes Doppeln von ihren Kollegen zu isolieren.

Aber auch Thomas Müller gerät zunehmend in die Kritik. Im offensiven Mittelfeld schafft er es im Moment nicht, die beiden Flügel miteinander zu verbinden. Toni Kroos, der in der Hinrunde oftmals diese Rolle übernahm, kann aus dem zentralen Mittelfeld für wenige Impulse sorgen. In der Theorie mögen die Überlegungen, einen der fünf Superstars aus dem Mittelfeld auf die Bank zu setzen, stimmig klingen. Heynckes muss allerdings mehr als nur taktische Überlegungen anstellen. Ein Grund für den Aufschwung in der Hinrunde war auch die gute Stimmung im Kader. Gerade im Vergleich zur knorrigen Art Louis van Gaals empfanden viele den diplomatischen Heynckes als Wohltat.

Eine Änderung im Offensivsystem würde allerdings auf jeden Fall Streit nach sich ziehen. Vor allem Robben dürfte sich nicht geräuschlos auf die Bank setzen lassen – zumal Manager Nerlinger gerade über eine Vertragsverlängerung mit ihm verhandelt. Heynckes sollte also versuchen, ein System zu finden, in dem alle Offensivstars unterkommen, ein schweres, aber nicht unmögliches Unterfangen.

Auch defensiv mit Personalsorgen

Während in der Offensive ein Luxusproblem herrscht, ist in der Defensive das Gegenteil das Fall. Gerade auf der Position des Rechtsverteidigers sind die Münchener unterbesetzt. Das Experiment Tymoshchuk aus dem Spiel gegen den Hamburger SV hat nicht sonderlich gut funktioniert: Ihm geht die Dynamik ab, um Robben auf der rechten Flanke zu unterstützen. Das gleiche Problem hatte auch Boateng bei seinen zahlreichen Einsätzen auf der Außenbahn.

Ohne das Hinterlaufen des Außenverteidigers fehlt aber ein wesentlicher Aspekt im Spiel von Arjen Robben. Seine Läufe in die Mitte sind für viele Gegner leicht durchschaubar. Ein an die Grundlinie durchlaufender Verteidiger schafft eine Anspielstation an der Seitenlinie, die ein Gegner zustellen müsste – ohne aufrückenden Verteidiger müssen sie einfach den Weg in die Mitte blockieren. Selbst der eigentlich offensiv ausgerichtete Neueinkauf Rafinha konnte dieses Problem nicht lösen, da auch er gerne in die Mitte zieht. Die Außenverteidigerpositionen sind und bleiben eine Baustelle.

Vorne mit Problemen, hinten auch – Jupp Heynckes stehen keine leichten Wochen bevor. Nicht nur, dass er sein Team mit einer modifizierten Taktik in die Erfolgsspur zurückführen muss, er muss dabei die empfindlichen Gemüter seiner Superstars und des lauten Münchener Boulevards beachten. Es kann gut passieren, dass die Wohlfühlstimmung aus der Hinrunde bald dem Erfolgsdenken weichen muss.

Spielverlagerung.de
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