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Die Themen „Sneijder“ und „Guardiola“ gehen ihren neuen Arbeitgebern auf die Nerven, Hannover kauft jetzt nur noch Spieler in Echtgröße und in Europa herrscht Zwergenaufstand.

Hannover. Größe – ein Begriff, der verschieden ausgelegt und nirgendwo unterschiedlicher interpretiert werden kann als im Fußballgeschäft. Vom großen Gehalt über große Hoffnungen bishin zu sportlicher Größe. Sie ist eben doch wichtig! Natürlich führt „Der Hobbit“ die Kino-Charts seit Wochen an, natürlich angelt sich 1,96-Riese Lionel Messi einen Rekord nach dem anderen – und dass die kleinen Vereine im Pokal auch immer wieder für Überraschungen sorgen ist auch Tradition. Aber es gibt eben Momente, da zählt die Größe.

Größe spielt im Fußball eine Rolle

Ein außergewöhnlich bizarres Beispiel dafür lieferte unter der Woche Bundesligist Hannover 96. Die Niedersachsen, die am vergangenen Wochenende fünf Treffer auf Schalke kassierten hatten sich vorgenommen, die Abwehr umzustrukturieren. Mirko Slomka gab dabei offen zu, auch auf die Größe zu achten. Aha. Leider ging das im Falle Franca schief. Franca habe mit 1,90 Meter und 88 Kilogramm körperliche Voraussetzungen, freute man sich noch bei der offiziellen Stellungnahme zum Wintertransfer. Leider deckte Bild auf, dass der Brasilianer ganze neun Zentimeter kleiner ist, als offiziell angegeben. „Was soll ich sagen? Ich war überrascht“, so Mirko Slomka, der in der Kabine verdutzt feststellte sechs Zentimeter größer zu sein als Franca. Ein großer Skandal wurde trotzdem nicht daraus, denn mit Johan Djourou (1,92m) und Andre Hoffmann (1,90m) wurden bereits zwei Defensivkünstler in Echtgröße verpflichtet.

Auch in Wolfsburg wird auf Größe geachtet. Die „Wölfe“ spielen das Problem mit ihrem XXL-Kader allerdings gerne runter. „Die Größe des Kaders stellt im Moment kein Problem dar“, kommentierte Keeper Diego Benaglio die personelle Situation. Auf der anderen Seite versuchen die Niedersachsen aber schon seit Tagen Emanuel Pogatetz loszuwerden. Felipe wurde bereits an den VfB Stuttgart ausgeliehen, Marco Russ an die Eintracht aus Frankfurt. Beim VfL ist Größe also wichtig, nur eben eine bestimmte Größe. Und Benaglio? Der könnte fast sogar selbst für Abhilfe sorgen. Sein eigentlich bis 2017 verlängerter Vertrag war ungültig, weil bis heute die zweite Unterschrift von VfL-Geschäftsführer Wolfgang Hotze fehlt. Mittlerweile hat der Schweizer bis 2016 unterschrieben.

Der eine will groß sein, der andere ist es

Dass es also hin und wieder doch auf die Größe ankommt, demonstrierte unter der Woche auch Manchester United. Sir Alex Ferguson möchte Wilfried Zaha ebenso von Chrystal Palace loseisen, wie Arsene Wenger. Nach ersten Angeboten in Höhe von knapp sieben Millionen Euro ließ eine feste Zusage noch auf sich warten, auch weil der Zweitligist Zaha auf jeden Fall für die Rückrunde behalten will – zur Not per Leihe. Andere behaupten der Klub weiß auch von Londons Interesse und will den Preis hochtreiben.

Ist das so, ist es definitiv gelungen. Manchester United hat das Angebot auf rund 20 Millionen Euro angehoben, um die „Gunners“ entgültig auszustechen und Chrystal Palace weichzukochen. Dabei hatte Arsenal noch gar kein eigenes Angebot abgegeben. United hat also finanziell die Muskeln spielen lassen und ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Message: Wir sind größer, unser Geldspeicher ist größer.

Wo Größe nicht wichig, aber ein Merkmal des gegenseitigen Respekts ist, ist die Beziehung der Fußballprofis untereinander. Steven Gerrard wurde am vergangenen Sonntag mit dem Tribute Award der Football Writers Association ausgezeichnet. Die Laudatio auf ihn hielt sein Kollege Jamie Carragher, der es sich nicht nehmen ließ Gerrard zu adeln: „Ich denke wir sind in Gegenwart des größten Spielers, der jemals für Liverpool gespielt hat“, so der 34-Jährige. Ein ähnliches Lob erhielt Robin van Persie von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, der den Niederländer als größten aktuellen Stürmer der Welt bezeichnete. Wer es sich bei all den Wettbewerbsgedanken und der großen Konkurrenz nicht nehmen lässt seine Kollegen und Konkurrenten trotzdem öffentlich zu loben, der hat auch das Lob der wahren Größe verdient.

Große Stars holen kann nerven

Groß war auch die Freude in München als feststand, dass Pep Guardiola im Sommer 2013 das Amt des Bayern-Trainers übernehmen würde. Was haben sie nicht alle gelobt und gehofft und gejubelt. Wenige Tage später bekommen sie nun die Quittung dafür. Der Hype bleibt bestehen, der Alltag wird fast ignoriert. Keine zehn Tage nach Peps Verpflichtung geht das Thema den Bayern schon auf die Nerven – und er selbst kann nicht mal etwas dafür. „Niemand sollte wegen Guardiola jetzt ein Fass aufmachen“, verkündete Mario Gomez. „Wir wissen jetzt, wer der Trainer ist. Das Ding ist gegessen“, ergänzte Toni Kroos.

Alle im Umfeld würden „durchdrehen“, kritisierte Uli Hoeneß den Pep-Hype und stempelte die dazugehörigen Gerüchte um dessen Assistenten als „lächerlich“ ab. Auch an Noch-Trainer Jupp Heynckes geht der Trubel nicht vorbei: „Es wäre glücklicher gewesen, das in der Winterpause zu machen. Vor Weihnachten, vor dem Urlaub.“ Ein bisschen weniger rumzicken, liebe Bayern. Wer den begehrtesten Trainer des Marktes verpflichtet, der hätte mit der Konsequenz rechnen müssen.

Fatih Terim würde die Bayern übrigens verstehen. Die letzten 16 Team News von Galatasaray befassten sich bei Goal.com ausschließlich mit der Verpflichtung Wesley Sneijder. „Nicht ich, nicht die Spieler im Kader, nicht der Präsident und nicht die Spieler, die zur Transferdiskussion stehen, sind bedeutender als der Klub selbst“, mahnte Istanbuls Trainer und ergänzte: „Leider haben Geschenisse außerhalb des Platzes überhand genommen.“

Auch in der Stadt der Liebe wird nicht jeder geliebt. „Wen interessiert Ibrahimovic? Ehrlich gesagt haben wir die ganze Saison nur über PSG und Ibrahimovic gesprochen. Er trifft, sie gewinnen – super“, ärgerte sich zuletzt der 30-jährige Mittelfeldspieler Bordeauxs, Ben Khalfallah, gegenüber Medienvertretern. Gegenliebe klingt tatsächlich anders. Es war nur eine Frage der Zeit bis die ersten Akteure der französischen Liga sich genervt vom neuen Start der Ligue Un zeigen. „Ob Ibra oder Lucas Moura - sie haben beide zwei Beine und zwei Arme, sie sind wie jeder andere auch“, so Khalfallah, der hinzufügte: „Es ist traurig, die ganze Zeit nur über PSG reden zu müssen.“

Der alte Sack kann's noch

Wo wir gerade schon bei großen Stars sind, so möchte ich mir die Zeit nehmen einen Spieler zu loben, der in der vergangenen Woche trotz seines Alters von 38 Jahren einmal mehr für Jubel sorgte. Alessandro Del Piero erzielte für seinen FC Sydney beim 7:1 gegen Wellington Phoenix vier Treffer und bereitete zwei weitere vor. Nicht wenige Australier sprechen seitdem von der besten Leistung eines Spielers in der Geschichte der Hyundai A-League. Del Piero erhielt dafür von den Zuschauern Standing Ovations. Ich freue mich deshalb so für den Italiener, weil er in meinen Augen eine Sportlegende ist und nie die eigenen Interessen über die seines Vereins gestellt hat. Nach seinem Engagement bei Juventus hat er es verdient sich bei den Socceroos feiern zu lassen. Selbst als es darum ging vor dem Karrierende noch einmal Geld zu kassieren entschied sich Del Piero für Australien statt für China oder die Emirate – klar, er wird nicht arm in Down Under, aber mir kann keiner sagen, dass die Gehaltsklasse dort mit denen Chinas, Russlands oder Arabiens vergleichbar ist. In meinen Augen ganz großer Sport und ein verdienter Goal.com World Player Of The Week!


Was wir am Wochenende lernen werden ...
Der FC Barcelona ist menschlich – aber nur kurz!

Die Katalanen wurden am vergangenen Spieltag nach 2:0-Führung noch 3:2 von Real San Sebastian geschlagen. Gotteslästerung! Dafür büßen werden die unschuldigen Jungs von Osasuna.

Auch Derbys können langweilig sein!

Am Wochenende werden der Hamburger SV und Werder Bremen ihr 98. Bundesliga-Duell bestreiten.

Passend zur aktuellen Form beider Teams und dem nordischen Temperament könnte die Partie ein echter Hänger werden.
Achtung, Zwergenaufstand!

Ich freue mich über den Zwergenaufstand im Afrika Cup und über Teams wie Vallecano oder Antalyaspor, die in ihrer Liga für Furore sorgen. Der Fußball hat eben seine eigenen Gesetze und der englische League Cup macht da keine Ausnahme. Deshalb springen wir von großen Sportlern und großen Kadern zu großem sportlichen Erfolg – und zwar von einem Fußballzwerg. 



Englands Viertligist Bradfort City hat das Kunststück fertig gebracht, im aktuellen League Cup die Premier-League-Klubs Wigan Athletic, Arsenal FC und Aston Villa aus dem Wettbewerb zu schmeißen. Nun stehen die Underdogs tatsächlich im Finale. Ich finde das hätte mehr Schlagzeilen verdient, als es letztendlich erhielt. Spieler wie der 22-jährige Nahki Wells, immerhin Nationalspieler Bermudas, haben es nach zwei Elfmeterschießen und einer Verlängerung bis ins Finale geschafft. Für mich ganz klar die größten der Woche und das ist nicht bildlich zu verstehen, denn Bradfort City besitzt nur vier Spieler, die größer als 1,90m sind.

Immer auf die kleinen

Weil es immer wieder auf Größe im Fußball ankommt – und nein, ich meine noch immer nicht die Torhüter – fühlen sich die „kleinen“ manchnal benachteiligt. Tobias Weis, 1,70m groß, beschwerte sich unter der Woche beispielsweise, dass alle gegen Hoffenheim wären und nicht objektiv seien. Marko Marin kommt überraschendweise nicht zum Zug beim Champions-League-Sieger und möchte offensichtlich schon wieder woanders hin. Doch, und das lehrt wirklich jede Mutter, nur weil die kleinen unzufrieden sind heißt das nicht, dass sie aufmucken dürfen – oder jemanden in den Bauch treten.

Chelseas Eden Hazard, 1,72m groß, kümmerte das wenig als ein Balljunge im Ligapokal gegen Swansea City den Ball nicht sofort hergab. Der Belgier trat zu und jeder konnte es sehen. Natürlich sah er die Rote Karte und entschuldigte sich anschließend bei dem noch kleineren. Sportliche Größe sieht trotzdem anders auch, auch wenn nicht viel passierte – und der Balljunge der Sohn von Swanseas Klubboss ist.

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