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Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien und das wird alles von den Medien hochsterilisiert - soweit Business as usual. Was wir in dieser Woche gelernt haben...

Los Angeles. Abschied nehmen bedeutet in den meisten Fällen, dass Tränen fließen und sich die Liebenden gestehen, dass sie sich ein Leben lang vermissen werden. So geschehen bei Unterwäsche-Model, Verzeihung, Fußball-Legende David Beckham.

Bye Bye Becks!

Im letzten Auftritt für Los Angeles Galaxy gab es den zweiten Meistertitel. Konfetti flog durch die Luft, ein Feuerwerk wurde ihm zu Ehren in den Himmel geschossen. Die Massen jubelten ihm zu während er neben seinen drei Söhnen die britische Flagge in die Höhe hielt. Ein Zufall, dass Hollywood um die Ecke liegt? Eher nicht. Der Typ ist aber auch cool, verdammt! Immerhin hat er es geschafft ein Spice Girl zu schwängern und Snoop Dogg Fußball beizubringen.

Hätte Michael Ballack dasselbe mit einem No Angel und Bushido versucht, wäre die ganze Sache sicherlich anders ausgegangen. Da hätten wir also das erste Beispiel dafür, dass ein Abschied nicht immer wie eine glamouröse Party abgefeiert wird. In Michas Fall bislang sogar noch gar nicht. Der „Capitano“ verkündete zuletzt, sein Abschiedsspiel, dass er diesen Sommer nicht bekam, alleine und für den kommenden Juni organsieren zu wollen. Mein Gott, ich dachte das Thema wäre endlich durch und der charmante Esprit-Bolzen schweigt. Aber mit einem Ballack-Abschied ist das offensichtlich wie mit Twilight-Filmen – jeder hofft vergeblich, dass es endlich vorbei ist.

Endlich weg!

Doch es kommt erstens anders und zweitens als man denkt. Während Stephanie Meyer die frohe Kunde verbreitet hat, speziell für's Kino weitere Vampir-Schnulzen im Kopf zu haben, will Ballack nun sein Abschiedsspiel. So irrt sich der allgemeine Fußballfreund und so wird Ballacks traurige Geschichte, die nebenbei mit 14 Titeln geradezu verflucht scheint, noch viele Monate für Gesprächsstoff sorgen. Wenigstens hat Rudi Völler diese Woche bekanntgegeben, Ballack bei seinem Vorhaben so gut es eben geht zu unterstützen. Das begrüße ich, Völler kann managen, Ballack wieder ab in den Urlaub. Je schneller, desto besser, danke Rudi!

Abschied kann also auch eine schöne Seite haben. Stephan El Shaarawy kann das bestätigen. Der treffsichere Ägypter mit der Irokesen-Frise erzählte unter der Woche, dass ihm die Abgänge von Zlatan Ibrahimovic und Antonio Cassano gut getan haben. Da er das nicht zum ersten Mal getan hat, darf angenommen werden, dass dem jungen Mailänder wohl viel daran liegt. Sportlich hat er Recht, denn mit 14 Torbeteiligungen in 15 Serie-A-Einsätzen ist er für die schwächelnden Mailänder unverzichtbar. Vielleicht bekommt er aber auch die Hostessen ab, die vorher bei „Ibra“ an die Tür klopften, wer weiß. Die Aufmerksamkeit der Medien - wie man hört auch bei Facebook - gehört in Mailand nun definitiv ihm. Fest steht, bei Ibrahimovics Abgang wird der Youngster eine Träne verdrückt haben. Vor Freude.

Verabschieden durften sich auch Manchester City und der FC Chelsea – und zwar aus der Champions League. Kann ich nachvollziehen, beide Klubs haben zusammen auch nur etwa den Wert von Juventus, Ajax, Dortmund und Donezk zusammen. Die sind übrigens alle weiter oder wenigstens in der Europa League. Da ich weder ein Freund von Scheich-Klubs bin, noch die zusammenkauften Haufen der Premier League schätze, kann ich dazu nur sagen: endlich weg!

Geiz ist geil - aber Balotelli?


Ich gebe zu, die Wunden vom 28. Juni diesen Jahres sind noch nicht vollständig verheilt. EM-Halbfinale, Deutschland gegen Italien, 26. Minute: Mats Hummels und ein Kollege bekommen an der Außenbahn Cassano nicht gestoppt. Dessen Flanke in den Strafraum landet exakt auf dem Kopf von Mario Balotelli. Hummels musste alles aus knapp zehn Metern Entfernung mit ansehen. Den Anfang vom Ende. Die anschließende King-Kong-Pose nach Balotellis 2:0 hat sich sowieso in jedes deutsche Fußballhirn gebrannt. Offenbar hat Mats Hummels davon einen größeren Schaden genommen, als andere. Am Dienstag traf er mit Dortmund auf Manchester City, ließ Balotelli alt aussehen und City flog aus dem Wettbewerb.

Gut, bis hierhin klingt’s nicht schlecht und die Rache am Italiener wäre perfekt gewesen – wäre da nicht dieser kurze Kommentar gewesen. Nach dem Spiel schnappte sich Hummels das Trikot von Balotelli und sagte anschließend den Reportern: „Er ist einfach ein geiler Typ.“ Okay, dass Balotelli Junioren mit Dartpfeilen bewirft, in Frauengefängnisse einbricht, Mafia-Bosse als Touristenführer missbraucht und hochschwangere Freundinnen im Stich lässt – darüber kann ich noch hinwegsehen. Is‘ halt 'n schwieriger Typ. Aber der Junge hat „Schland“ aus der EM gekickt! Sorry Mats, aber: Verräter!

Ehrlich währt am längsten

Ehrlich war er, der Herr Hummels, dass muss man ihm lassen. Ehrlichkeit wurde generell in den letzten Tagen großgeschrieben. Ob es daran liegt, dass wir uns in der besinnlichsten Zeit des Jahres befinden? Wollen alle artig sein, damit’s Geschenke gibt? Wurscht. Wie oft habe ich schon Interviews gesehen und gehört, in denen immer wieder dieselben Floskeln und Standardsprüche zu hören waren (Ja Sie, Herr Babbel!). Damit verglichen waren die ehrlichen Worte Christoph Metzelders einfach erfrischend. Nach dem Schalker 1:1 in Montpellier feierten die „Knappen“ ihren Gruppensieg. Auch „Metze“ grinste, aber aus einem anderen Grund. Er war froh, dass es bald vorbei ist. „Mal ehrlich, das Halbfinale werden wir dieses Mal nicht mehr erreichen“, sagte er lächelnd in die Kamera und wünschte sich für seinen wahrscheinlich letzten königsklassischen Auftritt Real Madrid als Gegner. Meine Meinung: Cooler Typ, aber für das Achtelfinale vielleicht doch auf andere Verteidiger setzen, Herr Stevens.

Noch mehr Pluspunkte für Ehrlichkeit sammelte Mike Büskens, Trainer der Tabellenletzten von Greuther Fürth. Wer in so einer Situation zugibt, Spieler wie Sercan Sararer nicht in die gleiche Verfassung bekommen zu haben, wie in der Vorsaison, der hat Eier in der Hose. Vor allem setzte er noch einen drauf indem er zugab, dass der abgewanderte Olivier Occean nicht adäquat ersetzt wurde und er seinen Ersatzkeeper Hesl beförderte, da Max Grün zuletzt nicht stabil genug war. Respekt, Mike.

Was wir am Wochenende lernen werden ...
Lionel Messi wird am Wochenende den Rekord von Gerd Müller brechen und im Jahr 2012 mehr als 85 Tore schießen. Zur Not auf Krücken. Barcas Gegner Betis Sevilla ist zwar vierter, hat aber mehr Gegentore als Tore auf dem Konto. Tipp an die Bayern: Den Gerd nochmal reanimieren und bei Elfmetern einwechseln. Obwohl: Gegen Augsburg schafft er auch die vollen 90 Minuten.

Der CFC Genua wird am Sonntag gegen Delfino Pescara wie der Phoenix aus der Asche emporsteigen und sich endlich von den Abstiegsrängen der Serie A verabschieden. Unser Legionär Alexander Merkel verriet im Exklusiv-Interview mit Claas Philipp, welche einzigartige Formel sein neuer Coach Luigi Del Neri anwenden will: „Er will Fußball spielen lassen.“ Könnte klappen.
Rauchen ist doof, Politik manchmal auch

Als ich gelesen habe, dass sich der FC Barcelona für rauchfreie Zonen einsetzt, dachte ich zuerst: „Nicht schon wieder diese Pyro-Diskussionen.“ Zum Glück wurde ich eines besseren belehrt. „Quit Smoking with Barcelona“, heißt die Kampagne, die zusammen mit der Europäischen Kommission entwickelt wurde. Registrierte User der App „FCB iCoach“ werden dabei unterstützt das Rauchen aufzugeben. Als Nichtraucher kann ich das nur befürworten und applaudiere den Katalanen zu dieser Aktion.



Würde übrigens auch Deutschland gut stehen, der App-Titel müsste nicht mal geändert werden. Weniger genial – und jetzt wären wir dann doch wieder beim Böser-Fan-Thema – finde ich den Einfall des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Laut diesem Experten soll jeder Bundesliga-Verein den Ticketpreis um einen Euro anheben. Dieser Betrag ginge dann in die Gewalt-Prävention oder soll „als Unterstützung von Maßnahmen der Polizei“ genutzt werden.

Na klar, noch mehr zahlen. Da werden die Fans sofort ruhiger. Und wenn Pyro in einem halben Jahr medial out ist, was dann? Angenommen, in Zukunft werden unsaubere Toiletten in Stadien diskutiert, oder die nächsten Bild-Schlagzeilen befassen sich mit ansteigendem Taubenschiss auf dem Spielfeld: Sollen die Fans dann auch zwei Euro extra zahlen „als Unterstützung von Maßnahmen“ der Klo-Putzer und Kammerjäger? Politik sollte sich nur dann in den Sport einmischen, wenn sie seriöse Ideen hervorbringt.



Arnautovic kann auch brav

Zum Schluss möchte ich noch eine Lanze für Marko Arnautovic brechen. Auch er musste sich am Wochenende verabschieden – und zwar von seinen Kritikern. Mit gleich drei Buden hat er Babbel in die Arbeitslosigkeit geknipst. Und so klingt der Dank seiner Kollegen: „Wir dürfen Marko nicht loben. Wenn wir zu viel über ihn reden, wird es nächste Woche wieder schwierig mit ihm“ (Lukas Schmitz), „Marko muss auf dem Boden bleiben“ (Ignjovski), „Marko darf bloß nicht abheben“ (Thomas Schaaf). Ehrlich ist immer am besten, dabei bleibe ich. Aber, liebe Bremer, dieser Junge hat schon zehn Torbeteiligungen in 15 Pflichtspielen auf dem Konto – etwas mehr Begeisterung bitte.

Marko war schon immer nur die Light-Version von Balotelli, immerhin hat er seine schwangere Freundin geheiratet und nicht den Schwanz eingekniffen. Wenn er jetzt noch Ideen entwickelt, wie sich Vereine und Fans sicherheitstechnisch näher kommen, schnappe ich mir sein Trikot, denn mal ehrlich: Er ist einfach ein „geiler Typ“.

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