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Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien und das wird alles von den Medien hochsterilisiert - soweit Business as usual. Was wir in dieser Woche gelernt haben...

Dortmund. Am Dienstag war es zwischen 20.00 und 20.12 Uhr mal so richtig still im Signal-Iduna-Park. 80000 Zuschauer protestierten in aller Ruhe gegen das Sicherheitskonzept der DFL. Kurios bei der ganzen Geschichte war nur, dass Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf gleichzeitig einen so müden Kick ablieferten, als wollten sie der Welt da draußen zeigen: „Wir machen mit!“

Der Fan gibt den Ton an

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden lang sollte es also ruhig bleiben in Dortmund. Ein Kritiker könnte jetzt fragen: Wie lautet nochmal das Sprichwort? Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal..., schön und gut, aber dieses Mal erzielte es tatsächlich eine großartige Wirkung. Jeder, der eines dieser stillgelegten Bundesliga-Spiele unter der Woche sah muss zugeben, dass die Stimmung fehlte, die Atmosphäre irgendwie befremdlich war. Speziell in Dortmund wurden die Fans auch nicht auf die Probe gestellt, Torschüsse gab es nicht bis zur 30. Minute.

Trotzdem wurde jedem im Stadion bewusst: Der Fan hat eine Stimme und wenn die verloren geht, bröckelt auch das, was unseren Nationalsport so einzigartig macht. Ob es ein Zufall war, dass während der zwölf stillen Minuten nur ein einziger Treffer in vier Stadien fiel? Fairerweise muss gesagt werden, dass Hannovers Torschütze Diouf bei seinem Abstauber auch gar nichts anderes mehr hätte tun können, als einzunetzen. Hätte er den noch versemmelt, wer weiß wie ruhig die Fans dann gewesen wären. Unterm Strich aber bleibt die Erkenntnis, dass in den zwölf Schweigeminuten fast nichts passierte und die Botschaft der Zuschauer erfolgreich vermittelt wurde. Chapeau!

Ich lobe die Aktion der Fans deshalb so hoch, weil sie zeigt, wie Anhänger eines Klubs ihren Stellenwert positiv untermauern können. Sie brauchten keine Pyrotechnik, keine Schmährufe und keinen Platzsturm. Im Gegenteil, sie haben sogar die Klappe gehalten. Daran kann sich „Best Gore“ ein Beispiel nehmen. Als User im Forum der Stuttgarter Zeitung bat er VfB-Keeper Sven Ulreich darum, ihm einen Gefallen zu tun und es „genauso zu machen, wie Robert Enke.“ Sogenannte „Fans“ wie dieser Holzkopf sind dafür verantwortlich, dass hin und wieder zwischen Spielern und Anhängern ein Keil geschlagen wird. Okay, ich geb's zu, ich habe vorher gegoogelt, was „Gore“ übersetzt für Bedeutungen hat. Who cares?

Zurück zum Thema: Auch wir als Journalisten haben die Aufgabe zu schweigen, nämlich dann wenn die kleinen von Mutter vernachlässigten Best Gores eine Plattform suchen ihren Schwachsinn zu verbreiten. Deshalb mache ich es jetzt so, wie unsere Freunde aus den Stadien unter der Woche. Ich schweige. Zwölf Zeilen lang schreibe ich nichts mehr, um zu zeigen, dass diese falschen „Fans“ nichts mehr als Leerzeilen verdienen.











Stindl'sches Fairplay und zwei weitere Helden


Wenn es nun aber doch dazu kommt, dass in den Stadien demnächst auf Big Brother gemacht wird, kann ich jeden Protest-Fan beruhigen (wenn er nicht eh schon ruhig ist): In dieser Woche habe ich nämlich gelernt, dass Kameras nicht nur schlechte Emotionen einfangen. Wer mir nicht glaubt, kann bei YouTube gerne die Worte „Shocking!“ eingeben. Ihr werdet ein Video von Jolion Pillai sehen, dass im Moment die Runde macht, und mir anschließend zustimmen. Freunde, es gibt noch gute Menschen! Nicht im Video dabei, aber einer von ihnen ist Lars Stindl. Der Junge hat doch tatsächlich bemerkt, dass seine fünfte Gelbe Karte aus dem Frankfurt-Spiel nicht vermerkt wurde und sich im Nachhinein freiwillig für das Fürth-Spiel sperren lassen. Verständlich, schließlich ist Dienstag Serientag im TV, wer will da schon abends zocken? Trotzdem eine sehr nette und sportliche Aktion vom Hannoveraner.

Auch Sercan Sararer ist ein guter Mensch. Im Frankenderby am Wochenende spuckte der Fürther Nürnbergs Torwart Rafael Schäfer an, kurz nachdem er die Gelbe Karte sah. Schiri Felix Brych gab nach der Partie zu die Lama-Attacke nicht mitbekommen zu haben. Es war also pure Fairness Sararers, als er Javier Pinola in der 61. Minute den Ellenbogen ins Gesichts montierte und sich so doch noch seinen Platzverweis abholte. Dass er mit dem Argentinier auch noch den erwischte, der vor zwei Jahren für eine Spuck-Attacke gegen unseren Bundes-„Schweini“ gesperrt wurde, ist für mich fast schon Kunst. Der Junge wollte ein Zeichen setzen. Pinolas Spuckerei wurde nämlich erst später nachgewiesen und brachten dem Hitzkopf vier Spiele Sperre ein. Was lernen wir daraus? Sararer möchte auch lange gesperrt werden und der DFB ermittelt schon eifrig. Ich stehe auf und verneige mich vor diesem Sportsmann.

Auf meiner Suche nach weiteren Helden des Alltags bin ich in der Ukraine fündig geworden. Dort stürmt Luiz Adriano für Schachtjor Donezk – nur nicht gegen Juventus Turin. Da darf er nicht. Warum? Der Brasilianer hatte im Spiel gegen Nordsjaelland einen für den gegnerischen Torhüter bestimmten Schiedsrichterball angenommen und zum zwischenzeitlichen 1:1 verwertet. Wegen Missachtung der „allgemeinen Verhaltensregeln“ muss er nun trotz Entschuldigung ein Spiel aussetzen und einen Tag lang Fußballdienst in einer Gemeinde ableisten. Was keiner versteht: Er hat dem Fußball bereits einen großen Dienst erwiesen, denn die Rechtler und Experten staunten nicht schlecht bei seiner Aktion. War sie überhaupt strafbar? Nach den Regeln hat er nur gegen die Moral und nicht gegen ein Gesetz verstoßen. Das Tor zählte auch. Er hat also nichts anderes getan, als dem Gesetzbuch des Fußballs eine juristische Lücke zu offenbaren. Wenn das nicht einen Einlass in die Liga der ausgewöhnlich sportlichen Gentlemen verdient, was dann?

Was wir am Wochenende lernen werden ...
Am Wochenende werde ich zusammen mit dem SV Werder Bremen lernen, dass Tim Wiese sich seit seinem Wechsel zu Hoffenheim gut „gehalten“ hat, wenn auch sonst sehr wenig. Beim Spiel gegen seinen Ex wird der TSG-Keeper feststellen müssen, dass ihn in Bremen angesichts der passablen Leistung von Sebastian Mielitz kaum einer vermisst. Und, sind wir mal ehrlich, wenn das so weitergeht mit den Hoffenheimern und den gefühlten drei Gegentoren pro Spiel – wie lange spielt die TSG dann noch Torwart und „hält“ am Stamm-Keeper fest?

Es geht auf Weihnachten zu. Die besinnlichste Zeit des Jahres ist auch die Zeit der Wünsche. In dieser Woche habe ich gelernt, was Zlatan Ibrahimovic auf seinen Wunschzettel schreiben wird. Der kleine „Ibra“ wünscht sich von seinem Scheich einen David Beckham und am besten den Champions-League-Titel gleich mit. Wer den Schweden kennt, weiß aber, dass die Sache mit dem artig sein nicht immer hingehauen hat. Der kleine Marko in London wünscht dagegen nichts mehr als einen Einsatz. Ob der neue Weihnachtsmann, sorry, Trainer Rafael Benitez seinen Wunsch erfüllt?
Hans Sarpei ist kein Atze

Wer in Gelsenkirchen lebt, hat meistens nicht viel zu lachen. Das liegt nicht unbedingt am FC Schalke 04, oder nicht allein, sondern eher an der fragwürdigen pott-romantischen Idylle dieses kleinen verträumten Örtchens. Genug gelästert, denn ausgerechnet aus Gelsenkirchen mutierte in den letzten Jahren eine Humor-Legende des Sozialen Netzwerkes. Die Rede ist von Chuck Norris' härtestem Gegner, Hans Sarpei. Täglich begeistert Hans tausende seiner Follower im Internet mit zynischen Witzen, lustigen Kommentaren und und und. Damit wurde er so erfolgreich, dass er zum Marketing-Hit aufstieg und es Klamotten bei Karstadt jetzt zum „Hans SarPreis“ gibt.



Doch seine Fans mussten, genau wie ich, lernen, dass auch ein Hans Sarpei nicht immer lustig gestimmt ist. „Was ist beim Afrikaner lang, hart und schwarz? Die Nachtschicht bei McDonald‘s!“ - dieser Witz von Ruhrpott-Komiker Atze Schröder kam beim Ex-Nationalspieler Ghanas gar nicht gut an. Seine Reaktion auf Facebook: „Meine Meinung: Niveau ist keine Handcreme.“

Ich verkneife mir an dieser Stelle Bemerkungen über schwarzen Humor und frage mich eher, warum Herr Sarpei so schnell das Lachen verlernt hat. Gut, Atze Schröder ist bekennender Anhänger von Borussia Dortmund. Und gut, der besagte Witz ist älter als die letzte Schalker Meisterschaft. Aber deshalb muss man doch nicht gleich schwarz sehen! Bleib locker Hans. Einfach grinsen, klatschen und gut ist. Macht das Publikum vom Atze doch auch, obwohl's nicht lustig war.



Piplica is back!

Zurück zum Sport. Gomez is back! Und wie! Mit gleich drei Toren hat er seine Krise überwunden! Bevor es jetzt Kritiken über schlechte Recherche hagelt – die Rede ist nicht vom „Super Mario“ aus Bayern, sondern von Jordi Gomez, der für Wigan Athletic kickt. Dieser Gomez hat nämlich seine ersten drei Saisontreffer in der Premier League erzielt, beim Dienstagsspiel gegen Reading. Warum ich das erwähne? Weil es in diesem Spiel noch ein weiteres Highlight gab.

Mit seinem letzten Tor, dem 3:2-Siegtreffer in der 92. Minute, rettete er seinen Vereinskollegen Ali Al Habsi vor Schuldgefühlen. Der Keeper von Wigan dachte in der 79. Minute nämlich „Ich Habsi“ als die Kugel von oben herabfiel. Aber sie flutschte ihm durch die Finger, auf den Kopp, gegen die Latte, hinter die Linie – 2:2. Ein gewisser ehemaliger Torhüter des FC Energie Cottbus würde sich jetzt mit Freudentränen in den Augen erheben und Beifall klatschen.

EURE MEINUNG: Gregor Becker und ich haben diskutiert - heißt es „ein“ oder „einen“ iPad?
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