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Was wir in dieser Woche gelernt haben: Dortmund kann doch Champions League, aber die deutschen Teams können keine Elfer mehr

Was wir in dieser Woche gelernt haben: Dortmund kann doch Champions League, aber die deutschen Teams können keine Elfer mehr

Bongarts

Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien und das wird alles von den Medien hochsterilisiert - soweit Business as usual. Was wir in dieser Woche gelernt haben...

Dortmund. Wie sagte es Mats Hummels so schön nach dem Spiel: „Wir stehen nicht so blöd da wie letztes Jahr.“ Damit ist es eigentlich auf den Punkt gebracht. Treffender geht es kaum noch. Noch im vergangenen Jahr in der Champions League hätte Borussia Dortmund dieses Spiel gegen Ajax Amsterdam wahrscheinlich durch ein „Gurkentor“ verloren. Nicht so aktuell. Es ist neues Selbstvertrauen da.

Kann man Champions League können?

Fußball, das lernen wir immer wieder, ist nicht nur eine Sache der Füße, sondern vor allen Dingen eine Sache des Kopfes. Stimmts im Kopf nicht, nutzen dir die Beine, die Kondition und viele gute Spieler herzlich wenig. Der Kopf bei Dortmund war da, das Herz war da und der Siegeswille. Man merkte Dortmund über weite Strecken des Spiels an, wie gehemmt sie waren und wie sehr die Entschlossenheit fehlte. Die letzte Runde in der Champions League hat ihre Spuren hinterlassen. Und doch, als fast schon niemand mehr damit rechnete, war er da – der Killerinstinkt. Dortmund steckt in einer brutalen Gruppe. In so einer Gruppe macht es einerseits die Tagesform und andererseits die mentale Verfassung. Der Sieg gegen Ajax sollte da ein gutes Werk getan haben.


Wie verwandelt man einen Elfer? - Die Basics sitzen nicht mehr!

Elfer sind etwas, was man von Kindesbeinen an trainiert. Als Keeper und als Schütze. Früher – also ganz, ganz früher – war es so, dass zum Trainingsabschluss das Elferkicken auf dem Trainingsplan stand. Versenkst du, darfst du unter die Dusche gehen. Je schneller der Fisch drin war, desto früher gings ins Wasser. Grund genug, sich etwas zu überlegen. Elfer gehörten mal zu den deutschen Tugenden. Englische Nationalteams können ein Lied davon singen. Dieser Unbezwingbarkeitsnimbus vom Punkt ist tot. Bayern gegen Chelsea, jetzt Hummels, Ibisevic und ganz bitter war es bei Wendt, denn der Elfer hätte ihn zum Helden machen können – wäre er drin gewesen. War er aber nicht. Und da stellt sich die Frage: Sind die Spieler mentale Flattermänner vom Punkt oder sind die Keeper einfach besser gedrillt, die Knaller vom Punkt zu halten? An der Entfernung zwischen Schützen und Torhüter hat sich nichts geändert. Der Anlauf ist gleich. Das Tor wurde nicht kleiner. Also woran liegt es? Und wieder ist es eine Kopfsache. Es hängt einfach irre viel – siehe Bayern im CL-Finale – an einem Elfmeter. Und da kehrt dich das vorher zum BVB Geschriebene ins Gegenteil: Elfer dürfen nicht zur Kopfsache werden! Denkst du endlos drüber nach, stellst gar schwerste mathematische Berechnungen an, wo du das Ei hinkickst, hast du schon verloren. Kugel nehmen, hinlegen, Kopf abschalten, hämmern, fertig – jubeln. Elfer können so einfach sein, wenn du nicht denkst. Cock and balls – no brains.


Was wir noch gelernt haben...
Und nochmals zu den Bremern: Thomas Schaaf sollte ein waches Auge auf Marko Arnautovic haben. Nicht, dass die Vorstellung beim Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Wirklichkeit eine Bewerbung für den FC Bayern München gewesen ist - denn er hat ja vor dem Tor einen astreinen Gomez hingelegt. Also, Herr Schaaf: Augen auf, wenn Arnautovic mal schnell nach München muss.

Facebook und der DFB - wenn man das nicht mal „auf Kriegsfuß stehen“ nennt. Zuerst offenbarte El Shaarawy, dass er über die sozialen Medien klasse Frauen kennenlernen kann und Özil sagte, jede Minute erhält er einen neuen „Freund“. Nationalspieler und Freunde? Nein, so geht das nicht. Man wolle die Spieler nicht einengen, ihnen aber zugleich Richtlinien vorgeben, salbaderte Oliver Bierhoff in dem Zusammenhang. Und Löw, also der Bundestrainer, sagte, dass er „diese Form des Austausches eher für gefährlich“ halte. Ja natürlich. Nicht genug damit, dass aus den Nationalspielern mediengeschulte Nullaussager gemacht wurden, jetzt müssen sie auch noch bei Facebook und Twitter die Pfeifen im Sack halten. Meine Güte, was wünscht man sich doch Typen wie Effenberg, Basler, Matthäus und Co. zurück, die auch mal Aussagen von sich gegeben haben.

And the Oscar goes to - Chelsea

Welch ein Debüt in der Champions League für Chelseas Brasilianer Oscar. Zwei wirklich blitzsaubere Tor und der Kracher in den Winkel ist jetzt schon für das CL-Tor der Kampagne vorgemerkt. Ein filmreifer Doppelpack, den er hinlegte. Oscarreif war dann sein Abgang eher nicht. Von Leonardo Bonucci böse weggerammt, war das Debüt in der 74. Minute beendet. Zeit genug für Juve, den Ausgleich und fast noch den Siegestreffer zu erzielen.





Und um den Film abzurunden – fertig für die Oscars – wurde das Spiel vom Unparteiischen Proenca gepfiffen, der Chelsea im CL-Finale gegen Bayern noch so endlos viel Glück brachte. Diesmal verwehrte er ihnen einen Elfer und ahndete das böse Foul nicht, was dazu führte, dass Chelsea seinen Kopf verloren hat. Und auch das ist eben oscarreif: Mit einer üblen Leistung Champion gegen wunderbar spielende Bayern geworden, aber mit einer oscarreifen Leistung mit Glück einen Punkt gegriffen. Ist Fußball nicht einfach wunderbar gerecht? Oscar wird weniger jucken, denn seine Treffer sind was für eine Trophäe gewesen.

Sommerloch im Fußball? Denken wir doch über die Grüne Karte nach!



Womit wir dann bei den Bayern sofort weitermachen können. Dünnhäutigkeit, dein Name ist FC Bayern München. So fand es Vorstandsboss Michael Rummenigge nicht wirklich erbaulich, dass die Ex-Spieler Oliver Kahn und Mehmet Scholl kritische Worte zu den Nationalspielern im Dress des FC Bayern fanden. Der Boss meinte nämlich, irgendwann müsse man sich entscheiden, wolle man nun Experte sein oder Trainer. Beide Dinge wären irgendwie nicht vereinbar. Falsch, lieber Herr Rummenigge. Klopp hat auch als TV Experte seine Zusatzbrötchen verdient. Und was hat er noch getan? Genau, Herr Rummenigge, er hat euch in den beiden letzten Jahren mit dem BVB als Trainer böse in den Kaffee gespuckt. Also bitte. Wir Fans wollen fachkompetente Experten im TV sehen. Und wenn das ehemalige Nationalkicker wie Kahn und Scholl sind, umso besser.

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