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Das Runde muss ins Eckige, Magath besteigt den Hügel der Leiden & am Ende gewinnen immer die Deutschen. Soweit nichts Neues – oder doch? Was wir in dieser Woche gelernt haben...

München. Es ist wirklich nicht leicht für Uli Hoeneß, auf die Tabellen dieser Saison zu blicken. Immerhin kann sich der Präsident des FC Bayern München, aus einer Saison ohne Titel zumindest finanziell erfolgreich herausgehen zu können. Aber ob das den Macher der Bayern besänftigen kann? Die Gemüter rund um die Relegation sind jedenfalls schon längst überhitzt.

60 Millionen für die Seele

Am Ende einer langen Saison steht der FC Bayern München ohne Titel da. Für die Verantwortlichen, Fans und die Spieler selbst ist diese Tatsache nur schwer auszuhalten, aber zumindest die Finanzen des deutschen Rekordmeisters freuen sich über einen neuen Rekord: Erstmalig überstiegen die Einnahmen aus der Champions-League-Saison die 60-Milllionen-Euro-Marke. Darin finden sich Antrittsgelder, TV-Gelder und natürlich auch die Ticketverkäufe. Die Summe erhöhte sich auch deswegen, weil ausgerechnet Dortmund und Leverkusen schon früh ausschieden und so den Anteil der Bayern am gesamten Pool der Gelder erhöhten. Die Mehreinnahmen sollen auch und vor allem in die Verstärkung der Mannschaft zukommen. Wieder einmal ist ein Umbruch geplant, nachdem im letzten Sommer eigentlich nicht wirklich viel passiert ist. Kommt ein neuer Ribery? Ein neuer Robben? Ein neuer Neuer? Die Bayern werden nicht knausern, wenn sie sich an der Ehre gepackt fühlen. Denn noch eine Saison ohne Titel wird sich Uli Hoeneß nicht gefallen lassen.

Eine Relegation, aber nur Verlierer

Inzwischen muss man nicht mehr ins Theater gehen, um ein Schauspiel aus erster Reihe verfolgen zu können. Rund um die Hertha in Berlin geht es nämlich genauso her wie auf der Bühne. Als wäre der Prozess um die Vorgänge während des Relegationsspiels gegen Düsseldorf nicht genug, entwickelt sich nebenher auch noch ein Machtkampf ohne Visier. Manager Michael Preetz steht dabei heftig in der Kritik und hat augenscheinlich die Rückendeckung vieler Verantwortlichen beim Hauptstadtklub verloren. Auch wenn Präsident Werner Gegenbauer „ein Schlachtfest“ vermeiden will, weht Preetz ein starker Gegenwind entgegen. Die Hertha ist nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts in Berufung gegangen und hofft weiterhin auf eine Wende zum Guten, auch wenn es inzwischen praktisch nur noch Verlierer gibt. Darüber hinaus soll am Dienstag auf der Mitgliederversammlung der Prozess ebenfalls ein Thema sein. Was dann im Saal los sein wird, kann man sich nur ausmalen.


Was wir am Wochenende lernen werden...
Das Testspiel gegen die Schweiz ist nicht entscheidend, aber für die Spieler im vorläufigen EM-Kader kann es richtungsweisend sein. Wer überzeugt, kann sich berechtigte Hoffnungen machen, wer enttäuscht, der muss auf das gute Gemüt von Löw hoffen. Immerhin: Das Spiel gewinnt Deutschland klar mit 3:0.

Der FC Barcelona kann Schadensbegrenzung betreiben, muss sich aber im Finale der Copa del Rey gegen Athletic Bilbao durchsetzen. Die Mannschaft verabschiedet sich mit Würde von ihrem Trainer Pep Guardiola und schießt Bilbao aus dem Stadion.

Am Wochenende findet der Eurovision Song Contest in Baku statt, aber am Ende wird sich das Länderspiel der Deutschen wohl doch durchsetzen. Ob Aserbaidschans Nationaltrainer Berti Vogts auch in der Arena sein wird, ist nicht bekannt, aber vielleicht wird man den Bundes-Berti auch in Zukunft mal auf der Bühne der Barden sehen, wenn es nichts wird mit dem Erfolg auf der Trainerbank.

Zwei Bender für alle Fälle

Doppelt hält besser, dachte sich wohl auch Bundestrainer Joachim Löw. Lars und Sven Bender sind die ersten Zwillinge im Trikot des DFB seit rund 40 Jahren. Damals waren es die Schalker Kremers-Brüder. Alle Beteiligten müssen sich an diesen Anblick erst einmal gewöhnen und kommen nicht umher, sich bei der Namensfindung zu verirren. „Der eine hat eine etwas längere Haartolle“, beschrieb Co-Trainer Hans-Dieter Flick seinen Geheimtipp, um die Zwillinge auseinander zu halten.

Dabei ist gar nicht klar, ob auch wirklich beide Benders den Weg in den finalen EM-Kader finden, denn beide konkurrieren sie um die Position im defensiven Mittelfeld. Auch sonst ist nicht nur ihr Aussehen ähnlich, sondern auch ihr Spielstil, sodass Löw sich wohl nur für einen von beiden entscheiden könnte. Da Lars (Leverkusen) und Sven (Dortmund) räumlich getrennt voneinander leben „müssen“, freuen sie sich über die gemeinsame Zeit beim DFB. „Wir haben die Nähe zueinander, die wir jetzt hier wieder haben, schon sehr vermisst“, sagte Lars. „Wir brauchen einfach den gegenseitigen Kontakt“.

Drogba will in Würde altern

Didier Drogba hat alles richtig gemacht. In seiner Heimat ist der Mann von der Elfenbeinküste schon seit vielen Jahren ein Nationalheld. Auch in London bei den Fans vom FC Chelsea dürfte der 34-Jährige nunmehr den Status des Heroen besitzen, dem Champions-League-Finale sei Dank. Dort rettete er die „Blues“ zuerst in die Verlängerung, bevor er im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß verwandelte. Der Angreifer kann auf acht tolle Jahre in der Premier League zurückblicken, nun aber trennen sich die Wege. Drogba hat seinen Abschied vom FC Chelsea verkündet und macht damit alles richtig. Die Meisterschaft hatte er schon dreimal erreicht, zuletzt 2010. Die Champions League fehlte noch in seinem Titelschrank, nun ist auch das vollbracht. Da der Vertrag des Ivorers zum Ende dieser Saison ausläuft, sucht er eine neue, letzte Herausforderung. In London droht auf lange Sicht die Ersatzbank, doch dieser Drogba, der so viele Fans und Bewunderer hat, möchte in Würde altern. Dies sei ihm gegönnt.

Alle gegen Robben

Arjen Robben hat es derzeit nicht leicht. 2010/11 war er noch der Superstar des FC Bayern, der den Münchenern beinahe das Triple im Alleingang bescherte, heute ist er nach den Fehlschüssen gegen Dortmund und vor allem Chelsea der Buhmann. Beim Freundschaftsspiel gegen die Niederlande (3:2) wurde Robben von den Fans rigoros ausgepfiffen. Eine peinliche Aktion, wie auch Karl-Heinz Rummenigge und viele andere Fans befanden und eine öffentliche Entschuldigung herausgaben. Aber Robben ist verärgert und bekommt Rückendeckung von seinen Landsleuten in der Serie A. Mark van Bommel, der nach Jahren beim AC Mailand zum PSV Eindhoven zurückkehren wird, rät Robben ebenso zu einem Wechsel nach Italien wie Wesley Sneijder (Inter Mailand). „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas bei Bayern passiert“, sagte van Bommel nach dem Spiel zu den Pfiffen. „Es ist eine Schande. Ich würde darüber nachdenken, ob ich hier nächstes Jahr noch spielen würde“. Und so beginnt wohl wenige Tage nach seiner Vertragsverlängerung bis 2015 erneut eine Debatte um den Dribbelkönig.

Was habt ihr in dieser Woche gelernt?


Manchmal brechen im Fußball auch die letzten Instanzen. Der SC Freiburg versuchte monatelang seinen Topstürmer in den eigenen Reihen zu halten. Lange Zeit erfolgreich. Doch nun war die Verlockung des Geldes für beide Seiten einfach zu groß: Papiss Demba Cissé ging für rund zwölf Millionen Euro zu Newcastle United in die Premier League. Dort darf er sich unter anderem auf Demba Ba freuen, der seinen Abschied aus der Bundesliga jedoch gänzlich anders gestaltete als der 26-jährige Senegalese. Während Ba rebellierte, zog es Cissé vor, bis zum letzten Moment Leistung zu bringen für die sympathischen Breisgauer. 2009 holte Sportdirektor Dirk Duffner den Stürmer aus der zweiten französischen Liga und erntete damit viel Kritik. Denn Cissé kostete 1,5 Millionen Euro. Etwas mehr als Marco Reus, der ebenfalls in diesem Winter seinen Wechsel bekanntgab. Beide sind sie zu Rekordverkäufen ihrer Klubs geworden. „Wir sind nun mal keine Milliardäre und müssen damit leben, dass wir ab und zu eine Spieler verkaufen müssen“, zog Trainer Christian Streich ein nüchternes Fazit.

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