Was wir in dieser Woche gelernt haben: Zu Hause geht gar nix, aber dafür ohne Robben

Das Runde muss ins Eckige, Magath besteigt den Hügel der Leiden & am Ende gewinnen immer die Deutschen. Soweit nichts Neues – oder doch? Was wir in dieser Woche gelernt haben...

Von Christoph Vogel

Mario Gomez im Spiel gegen den VfB Stuttgart
Getty Images

Stuttgart. Diesmal war es nicht die Bundesliga, die für die Geschichten der Woche sorgten. Es war der DFB-Pokal mit seinen eigenen Gesetzen, der seinen Wirbel durch die Gazetten trieb. Was haben wir also in dieser Woche gelernt? Auf jeden Fall, dass sich der Meister nicht einmal durch einen Betonplatz aufhalten lässt, und dass Arjen Robben irgendwie doch ersetzbar ist.

Ohne Robben läuft es rund

Der FC Bayern München steht im Halbfinale des DFB-Pokals und wahrt damit seine Chance auf das Triple. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass die Rothosen einzig und allein den Ansprüchen des deutschen Rekordmeisters Genüge tun, dabei aber ganz nebenbei auf Arjen Robben verzichtet haben! Der Niederländer saß nach zuletzt schwachen Auftritten nur noch auf der Bank und schmorrte dort die vollen 90 Minuten gegen Stuttgart. Wieso? Weil Thomas Müller – zuletzt nur ein Schatten seiner selbst – mit zwei Vorlagen auftrumpfte und auch Toni Kroos auf der Spielmacherposition glänzte. Das 1:0 beim schwächelnden VfB war unter anderem das erste Tor der Bayern im Jahre 2012, das aus dem Spiel heraus fiel! Wie gesagt, ohne den Erfinder des „nach-innen-ziehen-und-abziehen“. Ab nächster Saison darf sich Robben sogar über einen Ziehsohn freuen, denn mit Shaquiri schnappt sich der FCB wohl ein heißbegehrtes Talent vom FC Basel.

Dortmund gewinnt gegen das Grün

Auch Borussia Dortmund hatte im Viertelfinale des DFB-Pokals relativ leichtes Spiel. Dabei war nicht Holstein Kiel der eigentliche Gegner, sondern vielmehr der „Rasen“ im Stadion. Lange wurde das Grün im Vorfeld beheizt, aber erst wenige Stunden vor Anpfiff wurde die Heizung abgeschaltet. Das Ergebnis war ein knochenhartes Geläuf, dass beim Springen, Laufen und jeglicher anderer körperlichen Betätigung arschhart war. Vor allem Jürgen Klopp lieferte sich vor und nach Anpfiff ein Verbalduell mit den Kieler Verantwortlichen, die den Pokalcharakter hervorhoben. Der BVB-Trainer sorgte sich dagegen um die Gesundheit seiner Männer. Verteidiger Mats Hummels streifte zum ersten Mal seit Kindertagen seine Kunstrasenschuhe über. All das, nur um am Ende doch locker mit 4:0 zu gewinnen.


Was wir am Wochenende lernen werden...
Bastian Schweinsteiger fällt wieder einmal aus! Der FC Bayern München muss also in den nächsten Wochen ohne seinen Mittelfeldstar auskommen. Aber das mussten sie ja auch schon die meiste Zeit dieser Saison. Toni Kroos rückt dafür immer mehr in die Rolle des Spielgestalters. Eine Win-Win-Situation für den FCB.

Holger Stanislawski musste das Projekt Hoffenheim verlassen. Der aus Berlin geschiedene Markus Babbel soll dafür im Kraichgau übernehmen. Eine geglückte Wahl? Immerhin kennte Babbel bisher nur die Medienwelten aus München und Berlin. Nun also nach Sinsheim.

Der VfB Stuttgart empfängt am Samstag Hertha BSC. Die beiden Krisenteams der Liga befinden sich nicht einmal auf einem Abstiegsplatz, sind aber kurz davor. Wie passend, dass es in diesem Vergleich erneut ein Remis gibt.

Skibbe jagd Neururer

Des einen Freud, ist des anderen Leid. Während Lucien Favre mit den Fohlen weiter auf Wolke sieben schwebt, zieht über Michael Skibbe bereits ein Sturm auf. Anders als sein Vorgänger Markus Babbel hat der „Neue“ in Berlin sogar schon eine Wohnung angemietet. Ein längerfristiger Verbleib ist angedacht, aber noch ist er in der Hauptstadt so gar nicht angekommen.

An die Heimniederlage gegen Hannover reihte sich nun die überaus unglückliche Heimpleite im Pokal gegen Gladbach. Skibbe zürnte nach dem Spiel über die Schauspieleinlage von Igor de Camargo bei dessen Aufeinandertreffen mit Hubnik, aber auch die größte Aufregung bringt die Hertha nicht zurück auf die Spur. Der 46-Jährige ist auf dem besten Wege, einen alten Rekord von Peter Neururer einzustellen: Der bekannteste Schnauzer der Liga hatte 1991 alle seine ersten fünf Partien mit Hertha in der Bundesliga verloren.

Am Samstag geht es nach Stuttgart zu einem weiteren Pokalverlierer. Gegen den VfB, gegen die Serie und gegen den Rekord von Peter Neururer.

Schauspieler im DFB-Pokal

Igor „Norbert“ de Camargo könnte er heißen. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach sorgte für den Aufreger der Woche, als er nach einer Kontaktaufnahme mit Herthas Verteidiger Hubnik wie ein sterbender Schwan zu Boden ging. Sicherlich, Hubnik hätte nicht das Treffen mit dem Brasilianer suchen müssen, aber dennoch war es eine Episode sondergleichen, die De Camargo ablieferte.

Der Brasilianer ist ohnehin für eine gewisse Leichtigkeit auf den Beinen bekannt. Damit erinnerte er stark an den ehemaligen Duisburger Trainer Norbert Meier (heute bei Fortuna Düsseldorf), der einst am Seitenrand mit Albert Streit aneinanderprallte. Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Elfmeter für Gladbach und somit im Endeffekt auf fatale Weise auf das Aus der Hertha. Sowas wollen wir in der Bundesliga eigentlich nicht sehen.

Zu Hause ist es doch am Besten - oder doch nicht?

Die Heimteams bleiben schwach! Nach einem historischen Bundesligaspieltag ohne Heimsieg setzte das Viertelfinale des DFB-Pokal noch eine Sahnehaube drauf. Nicht nur, dass alle gastgebenden Mannschaften ausschieden, in vier Partien gelang ihnen nicht einmal ein Tor. Da kann man sich fragen, was die Heimteams falsch gemacht haben. Eine zu kurze Anreise? Zu viel Unterstützung der Fans? Das Stadion war zu bekannt? Natürlich nicht. Das nächste Mal einfach mehr anstrengen, liebe Teams, dann klappt es auch wieder mit einem Heimsieg.

Was habt ihr in dieser Woche gelernt?


Manchmal brechen im Fußball auch die letzten Instanzen. Der SC Freiburg versuchte monatelang seinen Topstürmer in den eigenen Reihen zu halten. Lange Zeit erfolgreich. Doch nun war die Verlockung des Geldes für beide Seiten einfach zu groß: Papiss Demba Cissé ging für rund zwölf Millionen Euro zu Newcastle United in die Premier League. Dort darf er sich unter anderem auf Demba Ba freuen, der seinen Abschied aus der Bundesliga jedoch gänzlich anders gestaltete als der 26-jährige Senegalese. Während Ba rebellierte, zog es Cissé vor, bis zum letzten Moment Leistung zu bringen für die sympathischen Breisgauer. 2009 holte Sportdirektor Dirk Duffner den Stürmer aus der zweiten französischen Liga und erntete damit viel Kritik. Denn Cissé kostete 1,5 Millionen Euro. Etwas mehr als Marco Reus, der ebenfalls in diesem Winter seinen Wechsel bekanntgab. Beide sind sie zu Rekordverkäufen ihrer Klubs geworden. „Wir sind nun mal keine Milliardäre und müssen damit leben, dass wir ab und zu eine Spieler verkaufen müssen“, zog Trainer Christian Streich ein nüchternes Fazit.


 
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