thumbnail Hallo,

Hoffenheim ist ganz unten, scheint kaum mehr Zugriff zu haben und dürfte zu den diesjährigen Absteigern gehören. Wie schön begann die junge Beziehung zwischen Bundesliga und TSG.

Berlin. Sonntag huschte ich schnell durch die Reichenberger Straße in Kreuzberg nach Hause, als ich an der Ecke Liegnitzer einen jungen Mann sah, der durch das große Fenster der „Uschi Nation“ auf die Fußball-Leinwand starrte und beim Erkennen der Führung des FC Bayern München gegen die TSG 1899 Hoffenheimvoll Trauer „Oh, nein!“ seufzte. So sehr der Herr, der sich äußerlich gar nicht als Hoffenheim-Fan verraten hatte, auch in diesem Moment trauerte, die TSG macht gerade mit der ersten Liga Schluss. Ohne Schmerz und tiefe Seufzer geht so etwas leider nur selten über die Bühne.

Die Beziehung hat einige Jahre gehalten, begann euphorisch, bezauberte die Fußball-Fans. Diese Hoffenheimer, die sich die Jugendarbeit auf die Fahnen geschrieben hatten, enterten die erste Bundesliga nach Aufstieg damals im Sturm. Die Tage habe ich noch mit einem von mir sehr geschätzten Bayern-Fan abends beim Bier gesessen, als er an das erste Spiel damals zwischen Hoffe und seinen Bayern erinnerte und alle dachten, dass diese Mannschaft wirklich ernsthaft den Bayern die Stirn bieten könnte. Wie man es dann so tut, schauten wir noch einen Moment versonnen in unsere Gläser.

Spitzenreiter! Spitzenreiter!

2008/09 startete die TSG 1899 Hoffenheim mit einem kräftigen Rumms in die Bundesliga, als auch der KSC, Arminia und der VfL noch erstklassig spielten, und fegten alles weg, was da kam. Gut, das taten sie nicht. Als Aufsteiger mussten sie hin und wieder herbe Niederlagen hinnehmen, konnten sich aber auf bewundernswerte Art und Weise vom 14. bis zum 19. Spieltag den Aufkleber „Spitzenreiter“ auf die Brust kleben. Elf Spieltage später waren sie auf den neunten Tabellenplatz durchgereicht worden. Ralf Rangnicks Truppe hatte den ersten großen Knatsch mit der ersten Bundesliga. Es brauchte also bis zum 2. Mai 2009, schon damals war die erste Verliebtheit weg.

Aus den letzten vier Spielen holte die TSG dann noch einmal drei Siege gegen Köln, Bielefeld und Schalke, am vorletzten Spieltag gelang ein Unentschieden gegen den FC Bayern. Auf einem noch immer bemerkenswerten siebten Tabellenplatz beendete der Aufsteiger das erste stürmische Jahr mit dem neuen Partner. Das wirkt wahnsinnig weit weg, oder? All die Sympathien, die dem Verein damals 2008/09 zuflogen, scheinen weg zu sein. Ralf Rangnick ist schon seit langer Zeit weg, sogar Marvin Compper (!) hat inzwischen seine Koffer gepackt. Heute steht die TSG 1899 auf einem Abstiegsplatz und sportlich vor dem Abgrund.

Ein grotesker Scherz

Anstatt bei den ersten Nackenschlägen Durchhalteparolen zu schmettern, sprach Dietmar Hopp – eine der wenigen personellen Konstanten – frei von seinem fortlaufenden Engagement, falls der Verein absteigt. Und dann, Herr Hopp? Durch finanzielle Potenz in der zweiten Liga die Muss-Siege einfahren, in einem oder zwei Jahren wieder aufsteigen und etwaig erneut scheitern? Das „System Hopp“ scheint dauerhaft nicht zu funktionieren. Tim Wiese dürfte das alles wenig angehen. Seine Beschäftigung bei den Sinsheimern, vielleicht der groteskeste Scherz seit langer Zeit, wird mit Abstieg beendet sein. Der Rest der Mannschaft wird mit Trainer Marco Kurz die Scherben des vergangenen Glückes aufsammeln und Zeit brauchen, um die Beziehung zu verarbeiten. Die erste Liga wird mit Hertha und Braunschweig schnell neue Wonne finden und sich nicht mehr lange mit den Verflossenen beschäftigen.

Auch die Tage beim Bier ging das Thema schnell über zu den aktuellen Themen, zu den Mannschaften, die europäisch spielen, etwas erreichen. Auch wenn der inzwischen eingetrudelte Stuttgarter aufgebaut werden musste, dass sie im Pokal schon gegen Bochum gewinnen würden (siehste?) und der Hannoveraner noch nicht lange wach war nach dem 5:1-Sieg gegen den HSV. Die TSG war schon aus dem Sinn, bald sind sie auch aus den Augen der ersten Liga. Vielleicht kommen sie irgendwann zurück. Peinlich berührt wird man zunächst den Blicken ausweichen und sich fragen müssen, ob das gemeinsame Glück noch eine Chance hat.


Folge Laura Reinkens auf

EURE MEINUNG: Wie könnte die TSG nach einem möglichen Abstieg weitermachen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig