thumbnail Hallo,

Eine Nacht mit schonungslos ehrlichen, selbstkritischen VfB-Fans machte am Wochenende mehr Mut als das Auftreten ihrer Mannschaft. Willkommen zum Golden Goal!

Berlin. Samstagnacht traf man sich in gewohnter Runde am ungewohnten Ort: Ein befreundeter Stuttgart-Fan lud zum Geburtstag in seine VfB-Kneipe in Neukölln. Schon am Morgen hatte ich meinen Fortuna-Schal herausgeholt, um am Abend trotz mutmaßlicher Heimniederlage mit Stolz das Etablissement zu betreten. Und dann kam alles anders. Fortuna Düsseldorf siegte 3:1, der VfB Stuttgart bot die Kehle an, die Kritik war schreiend laut. Direkt nach der Verlängerung mit Bruno Labbadia, auf die jeder Stuttgart-Fan im Dunstkreis äußerst gereizt oder wahnsinnig entsetzt reagierte, ließen sich die Männer mit dem Brustring in Düsseldorf abfudeln.

Natürlich ließ ich meinen F95-Schal daheim. Salz, Wunde, Geburtstag – das passte nicht. Die traurig gefassten Schwaben tranken ihr Bier und wollten vergessen, was sie da auf dem Platz angeboten hatten. Nach vorne funktionierte bei Stuttgart nichts. Die Verteidigung hatte alle Hände voll zu tun, Robbie Kruse zu bändigen, und im Mittelfeld drehte Lumpinho Lambertz mit der Brechstange und dem erschreckend feinen Füßchen seine Kreise. Kein Mittel, Stuttgart fand absolut kein Mittel gegen Düsseldorf. Selbst als ihnen in der für Düsseldorf typischen schmutzigen Viertelstunde der Lustlosigkeit der Anschluss gelang - Fortuna hatte den Brustring an die Kette gelegt.

Seit dem 17. Spieltag ging es für die Stuttgarter nun durch Niederlagen gegen Mainz, Wolfsburg, Bayern und Düsseldorf bergab. Von Platz sechs segelte man auf den zwölften Rang, nur ein Pünktchen trennen sie jetzt noch von Düsseldorf und Wolfsburg, zwei Zähler dahinter lauert Nürnberg. Keine dieser Mannschaften ist akut gefährdet, auf den Relegationsplatz abzurutschen, aber derart in Reichweite des 15. Platzes zu stehen, kann ja nicht das Saisonziel des Euro-League-Teilnehmers sein. Das verrieten am Samstag auch die bisweilen leeren Blicke der Rückkehrer der Auswärtsfahrt, die spät dazustießen und sich erst einmal in die Sofas fallen ließen. Was passiert jetzt? Was hat Bruno in petto?

Am heutigen Montag bemängelte er, dass seine Mannschaft zu viele Fehler gemacht habe und andere Mitspieler die Fehler ihrer Kollegen nicht ausmerzten. Ja. Zustimmung, aber keine Aussagekraft. Weiter sagte er: „Uns fehlen gerade drei, vier Spieler, die das ganze hoch halten.“ (Bild) Das sind doch mal Neuigkeiten! Führungsspieler, Stuttgart braucht Führungsspieler. Eine schlichte und einfache Erklärung des Schlamassels, oder? Falsch ist es sicherlich nicht. Man muss allerdings fragen, warum diese Spieler, die auf dem Platz standen, kaum einen wirklich effektiven Angriff zu Ende spielten, keinen Pfiff in die Schema-X-Spielzüge bekamen gegen den Aufsteiger, der beherzt auftrat, aber spielerisch doch immer leicht limitiert agiert. Da können ein paar Hau-drauf-Kicker doch nicht die Lösung des Problems sein. Niemand reißt sich mehr den Allerwertesten auf, das steckt doch hinter der Aussage von Labbadia.

Die nächsten drei Spieltage werden gegen die direkte Konkurrenz auf die unteren Plätzen ausgefochten: Werder, punktgleich auf Platz elf, TSG 1899 und Nürnberg. Hier können die Spieler minus Führung zeigen, dass sie noch immer motiviert und professionell in die Paarungen gehen und tatsächlich in Windeseile wieder Boden gutmachen können. Aber wer glaubt aktuell daran? Als der Gastgeber spät in der Nacht mit mir an der Theke im Rössle saß, gab er zu, im Vorhinein mit nichts anderem als einer Blamage bei der Fortuna gerechnet zu haben. Das muss man sich mal rein tun! Der Brustring zieht sich offenbar enger und enger zusammen. Jetzt müssen Labbadia und seine Mannschaft einen Weg finden, die Spannung zu lockern, sonst könnte es zu noch herberen Quetschungen kommen.

 

EURE MEINUNG: Push the button - Welche Knöpfchen kann Labbadia jetzt drücken?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig