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Vom "German Bankdrücker" zum Lichtblick: Nach einem enttäuschenden Jahr in England hat Marko Marin beim FC Sevilla einen vielversprechenden Start hingelegt.

KOLUMNE
Von Martin Ernst

Unay Emery erinnert sich in diesen Tagen vermutlich gerne an den 18.3.2010. Werder Bremen und der FC Valencia trennten sich spektakulär mit 4:4 im Achtelfinale der Europa League, die Spanier zogen eine Runde weiter. Wie der aktuelle Trainer des FC Sevilla vor einigen Tagen der Sportzeitung AS gestand, blieb ihm jener kleine 10er aber in Erinnerung, der damals nach Vorarbeit von Mesut Özil das zwischenzeitliche 3:3 erzielte.

Drei Jahre und zwei Vereinswechsel später trifft Marko Marin nun für Sevilla - und gilt im Süden Spaniens als neuer Hoffnungsträger.

"Eine der wenigen sportlichen Freuden"

Bisher hat der frühere Gladbacher einen vielversprechenden Neustart hingelegt und sein Team vor allem im Kampf um die Europa League vorangebracht. Letzte Woche schoss er Sevilla gegen Slask Breslau mit zwei Treffern fast im Alleingang vorzeitig in die Gruppenphase und verzückte den Anhang. Für die von vielen Abgängen gebeutelten Andalusier ist der 24-Jährige ein Lichtblick - auch weil der gelernte Außenstürmer die neue Rolle zentral hinter der Spitze bisher mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit angenommen hat. „Eine der wenigen sportlichen Freuden seit Saisonbeginn“, nannte ihn die Marca.

Dass das eher technisch geprägte iberische Spiel dem 1,70-Meter-Dribbler mehr liegen dürfte als die rauhe englische Gangart, ist kaum verblüffend. Helfen dürfte ebenfalls, dass er auf alte Bekannte aus der Bundesliga trifft. Der Ex-Schalker Ivan Raktitic, mittlerweile mit wehender Langhaarfrisur unterwegs, erzielte im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Breslau per Fernschuss das 1:0 (Endstand 5:0), während Marin auf der Bank geschont wurde. Piotr Trochowski, einst in Diensten des HSV, befindet sich nach schwerer Verletzung noch im Aufbautraining.



Beim UEFA Cup-Sieger von 2006 und 2007 hegt man die Hoffnung, dass das Trio den Verein mit zu alter Stärke führt. In der Primera Division hinkt man den EL-Eindrücken allerdings noch hinterher. Bei der Auftaktpleite gegen Atletico (1:3) konnte Marin immerhin einen Assist beisteuern. Ob er das Bild vom „German Bankdrücker“, mit dem ihn die englische Presse nicht ganz ohne Häme verabschiedete, bald abschütteln kann, werden die kommenden Wochen wohl zeigen. Zu wünschen wäre es. Schon in Bremen, dann bei Chelsea war die Karriere des früheren Nationalspielers ins Stocken geraten.

Kein Wiedersehen mit Lell, dafür mit Ivanschitz

Gegen Levante blieb das Aufeinandertreffen mit einem weiteren Bundesliga-Legionär aus, denn Christian Lell startet nach einem guten ersten Jahr in Valencia eher misslich in sein zweites, befand sich nicht im Kader. Schon im Frühjahr äußerte der Ex-Bayer den Wunsch, Spanien zu verlassen. Dass er sich wegen einer Verletzung länger in Deutschland behandeln ließ, kam bei Levantes Klubführung scheinbar gar nicht gut an. Dafür kam der Ex-Mainzer Andreas Ivanschitz zum Einsatz.

Schon eine Woche vorher kam der Österreicher im Spiel gegen Barcelona zu seinem Debüt in "La Liga". Im Camp Nou brandete ihm bei seiner Einwechslung sogar unbändiger Jubel entgegen: Ivanschitz kam gleichzeitig mit Neymar auf das Feld. In Barcelona muss in zwei Wochen dann auch Marko Marin ran. Und das wird ganz bestimmt ein anderes Kaliber als Slask Breslau. Aber auch eine gute Gelegenheit zu zeigen, warum ihn der britische Boulevard einst anders nannte: "The German Messi".

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