thumbnail Hallo,

Das 1:3 gegen die Bayern war ganz und gar nicht das, was sich die beiden Gastarbeiter des FC Arsenal beim Treffen mit den Münchner Nationalmannschaftskollegen vorgestellt hatten.

London. Ein Blick in die Gesichter nach Abpfiff reichte: Lukas Podolski war nach der klaren 1:3-Niederlage des FC Arsenal gegen den FC Bayern München restlos bedient. Wen wundert's, war man doch eine Halbzeit lang im eigenen Stadion vorgeführt worden vom astronomisch effizienten deutschen Rekordmeister, der seiner Favoritenrolle vollauf gerecht wurde.

Geschenkte Hoffnung, die nur kurz währte

Als die Gastgeber im Emirates sich dann endlich ansatzweise fanden und im zweiten Abschnitt drückten, war es ausgerechnet Podolski, dem der Ball in Abwesenheit der anscheinend kurzzeitig komatösen Bayern-Abwehr auf den Kopf fiel – Anschluss, 1:2 und etwas Hoffnung bei den deprimiert-verzweifelten Gunners-Anhängern.

Doch die war spätestens nach der vergebenen Giroud-Chance und Mandzukics 3:1 ein Häufchen Asche: Der FC Arsenal musste sich vorgestern eingestehen, dass man in derzeitiger Verfassung von Europas Spitze schlicht ein gutes Stück weit entfernt ist, woran auch Podolski, der, einer seltsamen Wenger-Regel folgend, wie eigentlich immer in der 70. Minute weichen musste, nichts mehr ändern konnte.


Die Hoffnung flackerte nur kurz auf nach Poldis Kopfballtor...

Merte, der Sündenbock

Sein Kollege Mertesacker war zu dem Zeitpunkt bereits zum Sündenbock abgestempelt worden; sämtliche Gazetten waren sich einig: Beide frühen Bayerntore waren seine Schuld, und tatsächlich war die Geschwindigkeit und Reaktionsschnelligkeit des langen Innenverteidigers gestern nicht gerade auf Bruce Lee-Niveau. So lautete das Urteil des Guardian: „Er reagierte bei Kroos' Führungstreffer zu langsam und war ebenfalls zu behäbig, als ihm van Buyten beim Eckball vor dem zweiten Tor entwischte – ein desaströses Spiel.“

Ihm deshalb als „Buhman of the Match“ quasi die alleinige Verantwortung aufzuhalsen, wäre hingegen etwas ungerecht – zu viele weitere krasse Baustellen wies das Gunners-Spiel auf, und es wäre auch mit dem Teufel zugegangen, wenn das seit Wochen lahmende Aktionspotenzial der Londoner gegen entfesselte Bayern in Topform plötzlich explodiert wäre.

Es ist leicht, einem die Alleinschuld zu geben...

Wenn, wie ganz zu Beginn, gute Aktionen der Hausherren daran scheiterten, dass sich kein Stürmer im Sechzehner befand oder es ewig dauerte, bis auch mal ein Schuss in Richtung Neuer abgegeben wurde, dann ist es unfair, einen einzelnen Spieler allein für eine in jedweder Form klare Niederlage niederzumachen. Es ist auch die einfachste Variante, wenn die Probleme überhand nehmen und man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

Natürlich war das ein schwaches Spiel von „Merte“, wie er sicher selbst wusste und es vorzog, nach Abpfiff kommentarlos zu verschwinden. Doch Arsenal hat in der Defensive tiefer gehende Probleme. Um hier anzusetzen, war die Arsenal-Legende Steve Bould unter allgemeinem Applaus zum Saisonstart als Abwehr-Spezialist ins Trainerteam aufgenommen worden, doch Stewart Robson, Insider, Ex-Gunner und danach lange Mitarbeiter bei Arsenal TV, behauptete in der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag, Bould dürfe laut Anordnung von Wenger derzeit gar nicht mit der Mannschaft arbeiten und legte den Finger mitten in die Wunde: „Man sollte besser analysieren, warum seine Elf seit Jahren miserabel verteidigt und ohne jede Balance spielt.“

Meldungen über Zerwürfnisse zwischen Wenger und Bould waren zuletzt meist von letzterem selbst dementiert worden, aber wie es um ihre derzeitige Chemie steht, darüber darf gerätselt werden.

Abgründe, wohin das Auge blickt

Wohin man schaut, tun sich im Augenblick Abgründe rund um das Emirates auf. Ob es in dieser Phase hilft, dass Gerüchte in den Medien lanciert werden, man wolle Arsene Wengers Vertrag demnächst um zwei Jahre bis 2016 verlängern, wirkt in dem Zusammenhang nicht wie das richtige Signal.

EURE MEINUNG: Wie seht Ihr die Arsenal-Krise?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig