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Belo Horizonte: Schöner Horizont - aber auch viele Probleme

Deutschland spielt in Belo Horizonte um den Einzug ins WM-Finale. Die Stadt steht nach einer Tragödie noch unter Schock.

Belo Horizonte. Jede Menge Bars, große Fußball-Geschichte und viel Kultur: Belo Horizonte ist eine junge und aufstrebende Stadt - auch ohne Strand vor den Toren der Metropole. Doch seit Donnerstag steht Belo Horizonte mit seinen knapp 2,5 Millionen Einwohnern nach einem Brückeneinsturz unter Schock. Zwei Menschen starben bei dem Unglück, 23 weitere Personen wurden verletzt. Bürgermeister Marcio Lacerda ordnete drei Tage offizielle Trauer an.

Die zuvor so ausgelassene Stimmung in der Stadt hat sich seitdem geändert. Die Menschen fragen sich: Wie konnte das passieren? Lacerda versprach schnelle und gründliche Ermittlungen. "Wir wissen noch nicht, ob es sich um einen Konstruktionsfehler handelt. Die Brücke war noch im Bau", sagte er und versprach die Aufklärung werde mit "aller Sorgfalt" durchgeführt.

Der Abriss der eingestürzten Brücke war bis Sonntag per Gerichtsbeschluss untersagt. Somit bleibt auch die wichtigste Verbindung zwischen Flughafen und WM-Stadion unpassierbar. "Wir werden wegen der WM nichts schneller machen. Unsere Priorität ist die Sicherheit der Bauarbeiter und der Anwohner, damit kein zweites Desaster geschieht", erklärte Alexandre Lucas Alves vom Zivilschutzamt in Belo Horizonte.

Bürgermeister Lacerda, selbst Ingenieur, sprach den Familien der Opfer "alle erdenkliche Unterstützung" zu. Auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, die in Belo Horizonte geboren ist,bekundete den Angehörigen ihre Anteilnahme. "In diesem Moment des Schmerzes gilt meine Solidarität den Familien der Opfer", schrieb Rousseff bei Twitter.

Halbfinale ist nicht gefährdet

Die offiziellen Fanfeste waren wegen des Unglücks für die Viertelfinalpartien geschlossen worden. Das Halbfinale am Dienstag (22.00 Uhr im Liveticker) zwischen Deutschland und Brasilien ist aber nicht gefährdet. Die deutschen Fans können sich auf jede Menge Kneipen und eine lebendige Stadt freuen.

"Wir haben keinen Strand, aber dafür haben wir Bars", sagen die Menschen in Belo Horizonte, die eigentlich nur von "BH" sprechen, voller Stolz. 1906 bekam die Stadt, die zuvor Curral del Rei hieß, ihren neuen Namen Belo Horizonte - "Schöner Horizont".

Aber auch abseits des Fußballs gibt es in der auf knapp 900 Metern Höhe gelegenen Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais viel zusehen. "BH" ist mit der hier angesiedelten Metall- und Textilindustrie nicht nur ein Wirtschaftszentrum, sondern hat sich mit seinen Parks, Museen und Theatern zur heimlichen Kulturhauptstadt Brasiliens gemausert. Oscar Niemeyer, der herausragende Architekt des Landes, hat hier zahlreiche Gebäude, Parks und Plätze entworfen.

Eine Stadt der Probleme

Doch natürlich gibt es in Belo Horizonte auch viele Probleme. Die Armut des Landes zeigt sich auch hier an vielen Ecken. Die Favelas türmen sich am Rande des Zentrums, Obdachlose müssen auf der Straße schlafen. Nach Einbruch der Dunkelheit muss man aufpassen, nicht ausgeraubt zu werden. Gewaltsame Übergriffe sind an der Tagesordnung, auch wenn die Polizei während der WM verstärkt Präsenz zeigt.

Im Fußball kann Belo Horizonte auf eine große Tradition zurückblicken. Tostão, der Weltmeister von 1970 wurde hier geboren und lebt als Arzt immer noch in der Stadt. Zudem sind Dede (früher Borussia Dortmund) und Lincoln (Schalke, 1. FC Kaiserslautern) berühmte Söhne der Stadt, in der man entweder Anhänger von Atlético Mineiro oder Cruzeiro Belo Horizonte ist.

Beide Klubs verbindet eine innige Rivalität, beide Klubs sind für ihre Talente bekannt. Bei Cruzeiro startete zum Beispiel Ronaldo, Weltmeister von 2002, seine Weltkarriere.

Gespielt wird am Dienstag im Estadio Mineirão. Die Arena gehört neben dem Maracana in Rio zu den traditionsreichsten Stadien des Landes und bietet bei der WM nach einer ausgiebigen Renovierung 58.170 Fans Platz.

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