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Diego Costa, Gerrard & Co.: Die fünf größten Flops der WM

Mit schwachen Leistungen konnten sie ihren Mannschaften in Brasilien nicht helfen. An Ansehen in der Fußball-Welt haben diese Flops damit eingebüßt.

KOMMENTAR
Von Greg Stobart in Brasilien

Es war bislang die vielleicht beste WM-Endrunde aller Zeiten, gespickt mit zahlreichen Toren, viel Drama und Qualität. Doch bei all der Unterhaltung: nicht jeder konnte überzeugen. Mit Spanien, England und Italien strichen drei absolute Schwergewichte bereits nach der Gruppenphase die Segel.

Da blieben Anschuldigungen gegenüber einigen Spielern nicht aus. Jene verließen die WM mit geringerem Ansehen als zuvor. So etwa Steven Gerrard, englischer Kapitän. Oder Diego Costa, den sich Chelsea gerade 44 Millionen Euro hat kosten lassen. Und Iker Casillas, trotz geballter Erfahrung von 156 Länderspielen. Sie sind unter den Stars, die am Zuckerhut mächtig enttäuscht haben.

DIEGO COSTA
 



Seit sich Diego Costa gegen sein Geburtsland Brasilien und für Spanien entschieden hatte, dominierte sein Name die WM-Vorbereitung der Iberer. Auch wegen seines unklaren Gesundheitszustandes, nachdem er im Champions-League-Finale bereits nach wenigen Minuten ausgewechselt werden musste.

Im Nachhinein wäre Costa besser beraten gewesen, die WM abzusagen. Sein Eintritt in den Kreis der Furia Roja fiel unglücklicherweise genau in jene Zeit, in der die Vormachtstellung dieser spanischen Elf nach zuvor drei Titelgewinnen in Folge jäh endete.

Der 25-Jährige fand nie eine Bindung zu seinen Teamkollegen, ging beim desaströsen 1:5 zum Auftakt gegen Holland unter. Im zweiten Gruppenspiel gegen Chile vergab Costa zu Beginn der zweiten Halbzeit die große Chance, Spanien wiederzubeleben - der Anfang vom Ende.

STEVEN GERRARD



Steven Gerrard hat die Fähigkeit, ein Team mit seiner Willensstärke durch schwierige Phasen zu führen, es wieder aufzurichten. Doch zuletzt entwickelte er ebenso die Fähgkeit, schwerwiegende Fehler zu produzieren.

Letzteres widerfuhr ihm bei der enttäuschenden Endrunde Englands, die nach der Vorrunde beendet war und womöglich das letzte Kapitel der Länderspiel-Karriere der Liverpool-Legende darstellt.

Er schien immer noch mitgenommen von seinem Blackout gegen Chelsea im Mai, der den Reds mutmaßlich den Meistertitel kostete. Nun leistete sich Gerrard auch im zweiten Gruppenspiel gegen Uruguay zwei Aussetzer, England fuhr erstmals seit 1958 wieder nach einer WM-Vorrunde nach Hause.

Schon zuvor, beim Auftakt gegen Italien, war der 34-Jährige ebenfalls nicht auf der Höhe des Geschehens, wurde mehrfach schlicht überlaufen. Es folgte besagter schwarzer Nachmittag gegen die Urus: Gerrards lascher Einsatz an der Mittellinie leitete Luis Suarez' Führungstreffer ein. Kurz vor Spielende leitete er per Kopf unfreiwillig weiter auf seinen Liverpool-Kollegen, der den Three-Lions den endgültigen Todesstoß versetzen konnte.

IKER CASILLAS



Vicente Del Bosques Rücksicht auf Erbhöfe hat Spanien bei dieser WM erheblichen Schaden zugefügt. Der Trainer der Furia Roja setzte im Tor auf Iker Casillas, obwohl jener bei Real Madrid nur in der Champions League ran durfte, ansonsten hinter Diego Lopez weiterhin zur Nummer zwei degradiert war.

Vier Jahre nach dem Triumph von Südafrika wurde Casillas dabei zur Symbolfigur für ein beschämendes Turnier des Titelverteidigers.

Kurz nachdem sein Fehler im Finale Real Madrid beinahe die Champions-League-Krone gekostet hätte, fiel der Keeper mit einer katastrophalen Leistung zum Auftakt gegen Holland auf. Vor dem 1:3 durch Stefan de Vrij sah Casillas nicht gut aus, wenig später schenkte er Robin van Persie das vierte Tor für Oranje.

Klar, Casillas bleibt trotz allem der Kapitän einer Weltmeistermannschaft und kann auf beeindruckende 156 Länderspiele zurückblicken. Doch nach diesem Turnier sollte seine Nationalmannschaftskarriere zu den Akten gelegt werden.

EDEN HAZARD



Er war angedacht als einer der Topstars dieser WM, umringt von hoch veranlagten Mitspielern im Kader von Geheimfavorit Belgien. Insgesamt war die Endrunde der Roten Teufel zufriedenstellend. Denn immerhin erreichte die Wilmots-Elf das Viertelfinale, wo man gegen Argentinien dann aber über weite Strecken zu zurückhaltend agierte, um im Turnier zu bleiben.

Wer jedoch auf ganzer Linie enttäuschte, war Eden Hazard. Konstant blieb der Flügelflitzer unter seinen Möglichkeiten, konnte keinen eigenen Treffer beisteuern und hatte nur ganz wenige Szenen, die im Gedächtnis blieben. So etwa seine beiden Assists gegen Algerien und Russland.

Doch dann, als es wirklich drauf ankam, tauchte Hazard unter. Schon das Achtelfinale gegen die USA lief weitgehend an ihm vorbei. Und im Viertelfinale, als gegen Messi & Co. seine große Stunde schlagen sollte, fand der 23-Jährige zu keinem Zeitpunkt ins Spiel. Die Erwartungen in der Heimat hat er nicht erfüllen können.

MARIO BALOTELLI



Es war ein guter Start für Balotelli, als er in Manaus zu Italiens 2:1-Sieg im ersten Gruppenspiel gegen England einköpfte. Doch es sollte das letzte Tor sein, das Italien bei dieser WM gelang.

Und Balotelli? Der Mann vom AC Mailand wurde beim Vorrunden-Finale gegen Uruguay zur Halbzeit ausgewechselt, sah hilflos zu wie die Azzurri nach der 0:1-Niederlage ihre Koffer packen mussten. In den ersten 45 Minuten hatte der so talentierte Stürmer keinerlei Akzente setzen können, fiel lediglich durch eine Gelbe Karte und starke Platzverweisgefährdung auf.

Ebenso spielerisch blass blieb Balotelli beim blamablen 0:1 gegen Costa Rica. Für den zurück getretenen Coach Cesare Prandelli im Nachgang vielleicht ein Grund zur Einsicht, dass er statt des indisponierten Enfant terrible lieber von Beginn an auf Ciro Immobile gesetzt hätte.

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