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Maradona schimpft: "Dürfen nicht nur der FC Messi sein" - Dank an "Pfosten Gottes"

Dank Lionel Messi und Glück steht Argentinien im Viertelfinale. Überzeugt hat die Albiceleste bei dieser WM aber noch nicht.

Sao Paolo. Nachdem auch das vierte Spiel "eine einzige Leidensgeschichte" war, platzte Argentiniens Fußball-Ikone Diego Maradona der Kragen. "Wir dürfen nicht nur der FC Messi sein", schimpfte der Weltmeister-Kapitän von 1986 nach dem mühsamen 1:0 (0:0) der Albiceleste im Achtelfinale gegen die Schweiz.

Es waren in der Tat nur der viermalige Weltfußballer Lionel Messi und "der Pfosten Gottes", die Argentinien nach der Verlängerung gegen die Schweiz Hoffnung auf den ersten WM-Titel seit Maradonas Gala-Turnier vor 28 Jahren machen. Sogar Messi selbst ist bisher gar nicht zufrieden. Dabei ist die WM für ihn auf dem Papier ein voller Erfolg. Vier Siege, vier Tore und vier Auszeichnungen als Man of the Match stehen für ihn darauf notiert. Doch von Euphorie war der Ausnahme-Fußballer des FC Barcelona weit entfernt. "Das ganze Spiel war eine einzige Leidensgeschichte", sagte der 27-Jährige und fand nur einen positiven Aspekt: "Jetzt wissen wir, dass wir auch durch solche Momente durchkommen."

"Diese Mannschaft quält sich in jedem Spiel"

Doch durchkommen reicht den leidenschaftlichen argentinischen Fans nicht. Und auch Oberfan Maradona nicht. "Diese Mannschaft quält sich in jedem Spiel. Meine würde nicht leiden", betonte der 53-Jährige, der als Nationaltrainer bei der WM 2010 allerdings krachend durch ein 0:4 im Viertelfinale an Deutschland gescheitert war: "Ich bin verbittert, wütend, zornig. Argentinien hat eine Mannschaft, die viel besser spielen kann, aber wir müssen alle leiden. Es gibt Spieler, die nur mitlaufen. Aber bei einer WM schont man sich nicht, da spielt man mit Herz und gibt den letzten Tropfen Schweiß. Und das muss der Trainer auch einfordern."

Damit übte Maradona auch unverhohlen Kritik an Trainer Alejandro Sabella, den er auch taktisch angriff. Es gebe "keinen Rhythmuswechsel", das Spiel nach vorne sei "müde und vorhersehbar, und das mit diesen Spielen, es ist ein Jammer". Die Gruppenspiele, so Maradona weiter, "waren nichts. Und gegen die Schweiz haben wir gesehen, dass wir keinen Schritt nach vorne gemacht haben." Alles in allem sei die Albiceleste erst bei "40 Prozent angekommen. Nur Ángel Di María und Messi halten das Boot über Wasser."

Messi und Di Maria retten gegen die Eidgenossen

Di Maria, der das erlösende Tor erzielt hatte, gab das Lob komplett an den Vorbereiter weiter. "Messi ist mein Maradona!" 117 Minuten war Messi ein Spieler wie die meisten anderen gewesen, von ein oder zwei kurzen Geistesblitzen abgesehen. Er und seine Mitspieler seien "nervös gewesen. Wir haben kein Tor geschossen, die Zeit verrann, und wir wollten auf gar keinen Fall ins Elfmeterschießen." Also nahm Messi die Sache in die Hand, dribbelte über das halbe Spielfeld, bediente Di María - und Argentinien stand im Viertelfinale.

"Eigentlich wollte ich es ganz alleine machen", sagte der Offensivstar, der den Glauben an seine Kollegen wohl schon verloren hatte: "Dann habe ich Ángel gesehen, er hat getroffen, und wir haben gefeiert." Hätte er nicht abgespielt, wäre Di María ihm nach eigener Auskunft auch nicht böse gewesen: "Leo entscheidet, wem er den Ball zuspielt."

Dzemaili köpft an den "Pfosten Gottes"

So einfach kann Fußball manchmal sein, selbst am Ende von 120 Minuten absoluter Schwerstarbeit. "Das war eines der stressigsten Spiele in meiner Karriere", sagte Alejandro Sabella, immerhin schon 59 Jahre alt und seit 25 Jahren Fußballlehrer.

Und er hätte auch noch ein Elfmeterschießen zu überstehen gehabt, wenn der Schweizer Blerim Dzemaili in der Nachspielzeit der Verlängerung aus etwa vier Metern nicht den Pfosten getroffen hätte. Das sei "el Palo de Dios" gewesen, schrieb die Zeitung Olé, der "Pfosten Gottes". Seit der "Hand Gottes" von Maradona 1986 beschwört das Geburtsland von Papst Franziskus auch im Fußball gerne das Überirdische.

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