thumbnail Hallo,

Hannover trotz verpasstem Sieg auf dem "richtigen Weg"

Die 96er bleiben zum fünften Mal in Folge ohne Sieg, können auf die Leistung gegen eine schwache Werkself aber aufbauen. Daher hält sich die Abstiegsangst in Grenzen.

Aus Hannover berichtet Claas Philipp

19:9 Torschüsse, 4:1 Großchancen, 9:2 Ecken - die Statistik sprach klar für Hannover 96, am Ende mussten sich die Niedersachsen im Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen jedoch mit einem 1:1-Unentschieden begnügen, obwohl man vor allem in der zweiten Halbzeit deutlich überlegen war. Dass es letztlich nicht zum Dreier reichte, sorgte bei den "Roten" für Enttäuschung, die gezeigte Leistung aber macht Mut für die kommenden Aufgaben.

"Das 0:1 fiel aus dem Nichts", ärgerte sich Andre Hoffmann nach der Partie über den Gegentreffer nach 28 Minuten. Ein Abwurf von 96-Keeper Ron-Robert Zieler landete vor den Füßen von Sebastian Boenisch, dessen Hereingabe schließlich von Gonzalo Castro veredelt wurde.

Drei frühe Rückschläge

Es war für die Hannoveraner bereits der dritte Rückschlag des Spiels. Das Team von Tayfun Korkut kam gut in die Partie und wurde dafür schon nach fünf Minuten mit einem berechtigten Elfmeter belohnt, Szabolcs Huszti scheiterte aber am stark reagierenden Bernd Leno. In der Folge war der anfängliche Schwung raus, wenig später musste 96 zudem noch den Ausfall von Top-Torjäger Mame Diouf hinnehmen, der sich in einem Zweikampf die Schulter ausgekugelt hatte.

ANDRE HOFFMANN | Bilanz gegen Bayer
Gew. Zweikämpfe 100 %
Passquote 95,56 %
Ballkontakte
54
  Quelle: Opta

Edgar Prib vertrat den Senegalesen, kurz darauf fiel das 0:1. "Die Leverkusener hatten eine Großchance, die haben sie genutzt", machte auch der Aushilfsstürmer nach Spielschluss seinem Ärger Luft. Das Heimteam zeigte sich aber nur kurz geschockt. Lediglich fünf Minuten nach dem Rückstand erkämpfte sich Leon Andreasen im Mittelfeld den Ball, der schließlich bei Artjoms Rudnevs landete - der Lette markierte mit einem Traumtor aus 26 Metern seinen dritten Treffer im 96-Dress.

Hoffmanns Kunstschuss

Auf diesen Wert wäre um ein Haar auch Hoffmann gekommen, der für Marcelo in die Innenverteidigung gerückt ist und ein starkes Spiel zeigte. Kurz vor der Pause nahm der 21-Jährige eine Huszti-Hereingabe mit vollem Risiko und beförderte den Ball technisch stark auf das Tor - scheiterte aber am Innenpfosten.

Über die dennoch gelungene Aktion wunderte sich Hoffmann, der nicht gerade als Torjäger und Kunstschütze bekannt ist, selbst offenbar am meisten: "Es gibt Momente auf dem Platz, da weiß man selbst nicht, was man macht. Ich habe noch kurz in die Sonne geguckt, den Ball in der Luft gesehen und dann draufgehalten." Dass der Ball am Aluminium landete, "war natürlich schade".

So gingen die Teams mit einem Unentschieden in die Kabine, für die 96er gab es Applaus von den Rängen. Nach dem Seitenwechsel zog Korkut Prib vom Sturm auf den linken Flügel zurück, Leonardo Bittencourt rückte dafür in die Spitze. In veränderter Konstellation drängte die Offensive der Hausherren auf den Führungstreffer, im zweiten Durchgang sorgte gegen erschreckend schwache Leverkusener im Grunde nur noch Hannover für Torgefahr.

Gänsehaut-Moment für Ya Konan

Das gilt vor allem für die Schlussphase, in der die heimischen Fans ihre Mannschaft nach vorne peitschten und sich eine Reihe guter Möglichkeiten für 96 ergaben. Das Happy End jedoch blieb aus, obwohl alles bereitet war: Publikumsliebling Didier Ya Konan betrat nach langer Verletzungspause in der 87. Minute den Platz, seine Einwechslung wurde vom Anhang gefeiert wie der Führungstreffer - den der Ivorer dann fast auch noch selbst vorbereitet hätte.

"Die Fans waren bei seiner Einwechslung unglaublich", zeigte sich Hannovers Präsident Martin Kind begeistert vom warmen Empfang für Ya Konan. "Ich freue mich riesig für ihn." Der Rückkehrer fügte sich gleich bestens ein und eroberte kurz nach Beginn seines nicht allzu langen Arbeitstages den Ball gegen Philipp Wollscheid, um den frei vor dem Tor lauernden Rudnevs zu bedienen. Die Leihgabe des Hamburger SV ließ den Matchball jedoch ungenutzt und scheiterte am bärenstarken Leno - so eine Chance sollte man normalerweise nutzen.

Es hat nicht sollen sein: Frust bei Leonardo Bittencourt

"Wir müssen in der zweiten Halbzeit das 2:1 machen", beschwerte Prib sich auch über sich selbst, der 24-Jährige hatte die letzte Möglichkeit des Spiels, setzte einen Distanzschuss aber knapp neben das Tor. Leno, der Pfosten und teilweise nicht gut ausgespielte Angriffe waren unter dem Strich verantwortlich dafür, dass sich 96 mit einem Punkt begnügen musste und im fünften Spiel in Folge sieglos blieb.

"Ein Spiel, auf das wir aufbauen können"

Dennoch konnten die Hannoveraner der Partie auch etwas Positives abgewinnen. Hoffmann drückte es so aus: "Wir hatten die Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen - das ärgert mich schon. Aber im Endeffekt bleibt ein gutes Spiel von uns, auf das wir aufbauen können."

Neben der Torgefahr ist auch die äußerst stabile Defensive positiv hervorzuheben - nicht zuletzt Hoffmann selbst. Der wollte aber weniger sich selbst, sondern vor allem die Mannschaftsleistung hervorheben: "Alle elf Mann haben verteidigt. Wir haben sehr gut gegen den Ball gearbeitet und waren die überlegene Mannschaft."

Dennoch konnte man sich nicht entscheidend von der unteren Tabellenregion absetzen, sechs Punkte Vorsprung hat 96 aktuell auf Platz 16. Für Hoffmann aber kein Grund zur Beunruhigung: "Wenn man sich die Tabelle anschaut, besteht schon die Gefahr, dass wir unten reinrutschen. Aber nach so einem Spiel mache ich mir da keine Sorgen." Oder um es mit den Worten von Edgar Prib zu sagen: "Das war der richtige Weg."

Folge Claas Philipp auf

EURE MEINUNG: Muss 96 sich mit dem Thema Abstieg beschäftigen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig