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Klaas-Jan Huntelaar und der Schatten der Vergangenheit

Der Stürmer trifft auf seinen Ex-Klub Real Madrid, wo er nach einem halben Jahr und ein paar Toren vom Hof gejagt wurde. Nun kann er zeigen, dass dies ein großer Fehler war.

Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Das halbe Jahr in Madrid war Klaas-Jan Huntelaar zu wenig, auch wenn er es vielleicht nicht zugeben mag. Nun kommt es zum Wiedersehen auf der ganz großen Bühne – der Champions League. Dem jetzigen Chefstürmer des FC Schalke 04 ist in seiner Karriere viel Gutes passiert, aber nicht ausschließlich.

Der 30-Jährige trifft mit den Königsblauen auf Real Madrid, wo man ihm nur ein halbes Jahr vertraute und ihn danach wegschickte. Gegen die Königlichen (ab 20.45 Uhr im GOAL-Liveticker) könnte sich dieses Achtelfinale der Königsklasse auch zu einem persönlichen Feldzug des Niederländers entwickeln, indem er Real für diesen Fehler bestraft.

Alberto Piñero | Goal Spanien
Zur falschen Zeit am falschen Ort

Huntelaars Zeit bei Real Madrid war eine sehr kurzweilige und vielleicht war es auch nicht allein seine Schuld. Ohne zu den absoluten Superstars im Santiago Bernabeu zu zählen, hat er unter Beweis gestellt, dass er ein guter Stürmer ist, der Real zu der Zeit hätte helfen können. Huntelaar hatte das Pech, dass die Madrilenen zwei Spieler im Januar 2009 verpflichteten, aber nur einen für die Champions League nachnominieren konnten. Man entschied sich für Lass Diarra anstatt für ihn.

Huntelaar schoss acht Tore in 20 Ligapartien, kein allzu schlechter Wert. Aber Reals magere Performance in allen Bereichen überschattete auch seinen Beitrag. Im Sommer 2009 wurde Florentino Perez erneut als Präsident gewählt und dieser wollte das gesamte Team umkrempeln. Er holte die ganz große Namen wie Kaka, Cristiano Ronaldo und Karim Benzema.

Perez verkaufte dadurch aber auch die halbe Mannschaft. Einer von ihnen, Huntelaar, verließ die Blancos in Richtung Milan, das in etwa so viel auf den Tisch legte, wie es zuvor Real getan hatte.

Fazit: Huntelaar ist ein fähiger Spieler, der im falschen Moment zu Real Madrid kam.
Holländische Schule

Huntelaar wurde in Voor-Drempt nahe der deutsch-holländischen Grenze geboren. VV Hummelo en Keppel und De Graafschap hießen seine ersten Stationen als kleiner Kicker. Dort hinterließ der Knipser einen solch guten Eindruck, dass die PSV Eindhoven auf den damals 17-Jährigen aufmerksam wurde. Zwei Jahre später schaffte er 2002 den Sprung ins Profiteam, wurde aufgrund mangelnder Perspektive dann aber verliehen. Fortan schnürte er seine Stiefel wieder für De Graafschap, wo er jedoch wegen schlechter Leistungen nach nur einem halben Jahr wieder abgegeben wurde.

AGOVV Apeldoorn aus der zweiten niederländischen Liga schnappte sich den Angreifer – ein Glücksfall für Huntelaar. In Apeldoorn wurde er auf Anhieb Torschützenkönig. Der damals 21-Jährige hatte sich damit einen Namen gemacht. Er löste sich von PSV und wechselte im Anschluss zum SC Heerenveen und später dann zum großen Ajax Amsterdam.

Dort folgte der absolute Durchbruch: Huntelaar wurde zweimal hintereinander Torschützenkönig der Eredivisie. Er schoss in beiden Spielzeiten in 66 Ligapartien insgesamt satte 54 Tore. Diese Bilanz machte den Rechtsfuß auch über die Landesgrenzen der Niederlande hinaus bekannt.

Das große Missverständnis

Nach zweieinhalb Jahren in Amsterdam wechselte Huntelaar im Januar 2009 als Ersatz für den damals schwer am Knie verletzten Ruud van Nistelrooy zu Real Madrid und blieb dort nach acht geschossen Toren nur ein halbes Jahr. Die Königlichen trennten sich kurz vor seiner Verpflichtung bereits von Trainer Bernd Schuster und nahmen Juande Ramos unter Vertrag. Der flog wiederum im darauffolgenden Sommer und es heuerte Manuel Pellegrini an.

Dieser setzte nicht auf Huntelaar und gab ihm das auch zu verstehen. Horst Heldt, jetziger Manager von Schalke 04, versuchte damals, ihn zum VfB Stuttgart zu lotsen, doch der Deal platzte. Der 25-Jährige entschied sich im Sommer 2009 für den AC Mailand.

Auch dort wurde Huntelaar Opfer großer Visionen der Vereinsführung. Silvio Berlusconi holte Superstars wie Zlatan Ibrahimovic und Robinho. Für den niederländischen Nationalspieler blieb nach einem Jahr in der Serie A erneut nichts anderes übrig, als den Verein zu wechseln. Schalke 04, damals noch unter Felix Magath, startete eine große Transferoffensive und holte neben Raul Gonzalez Blanco, Jose Manuel Jurado, Christoph Metzelder, Kyriakos Papadopoulos, Atsuto Uchida auch Klaas-Jan Huntelaar. Für den Niederländer sollte sich fortan vieles verbessern.

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In Gelsenkirchen war und ist er absolut gesetzt. Er genießt das ihm entgegengebrachte Vertrauen und erlebt eine glückliche Zeit, die aber leider auch von einigen Verletzungen geprägt war. Huntelaar unterschrieb 2010 auf Schalke für drei Jahre, doch nur in einer Saison konnte er ohne große Verletzungen spielen. Er knüpfte in der Spielzeit 2011/2012 wieder an die Leistungen aus seiner Zeit in Holland an. Mit 29 Treffern in der Bundesliga wurde er Torschützenkönig, schoss insgesamt 48 Tore in 48 Pflichtspielen - eine Wahnsinnsquote. Sein Vertrag wurde, erstmals in seiner Karriere, verlängert - bis 2015.

Huntelaar ist eine echte Waffe und es ist auf Schalke spürbar, wenn er nicht auf dem Platz stehen kann. Im Strafraum zählt er zu den gefährlichsten Angreifern der Welt. Auch seine Art, den Ball zu behaupten und abzuschirmen, passt hervorragend in das Schalker Spiel. Am Mittwochabend kommt es dann zu einem Wiedersehen mit seinen Ex-Kollegen von Real Madrid. Huntelaar hat "richtig Bock auf das Spiel." So schlecht wie manch anderer sieht er die Chancen für Königsblau nicht: "Wir sind im Moment als Truppe sehr gut und können zeigen, was wir draufhaben. Besonders mit unseren Fans im Rücken ist alles möglich. Ich will Real mit Schalke ärgern."

Und so kann der Knipser nun zeigen, dass es vielleicht keine gute Idee war, ihn damals vom Hof gejagt zu haben.

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