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FC Bayern: Pep Guardiolas Sechser-Roulette

Pep Guardiola kann seine Mannschaft beim FC Bayern aufstellen, wie er will. Sie stürmt von Sieg zu Sieg Der Erfolg gibt ihm wieder und wieder recht.

ANALYSE
Von Patrick Reichardt

Seine Chancen auf die Triple-Verteidigung hat der FC Bayern München beim 2:0 (1:0)-Erfolg gegen den FC Augsburg intakt gehalten. Mehr Angst als die beeindruckende Siegesserie sollte der Konkurrenz jedoch die Variabilität des deutschen Rekordmeisters machen. Es scheint nahezu egal, wie Trainer Pep Guardiola seine Mannschaft aufstellt, am Ende springt Zählbares heraus. Paradebeispiel dafür ist das defensive Mittelfeld.

Als auf dem Aufstellungsbogen, der etwa 45 Minuten vor der Partie bei den Schwaben ausgehändigt wurde, "8 Thiago" und "6 Martinez, Javier" zu lesen war, rechnete die Mehrheit der Journalisten mit Martinez in der zurückgezogeneren Rolle und Thiago eine Position weiter vorne.

Doch weit gefehlt: Guardiola stellte seinen ehemaligen Barca-Schützling in die Defensivzentrale und machte damit einiges richtig. Der Filigrantechniker dirigierte, wies die Viererkette zurecht und bot sich immer wieder als Ballverschlepper an.

Umstellung zur zweiten Halbzeit

Der Übungsleiter dürfte damit durchaus ein Zeichen für das künftige Vorgehen gegen defensiv eingestellte Teams gesetzt haben: Ein Gestalter wie Thiago soll das Spiel aus der Abwehr organisieren und ein Kämpfer wie Martinez bereits weit vor der Mittellinie attackieren, um bei Ballverlusten die schnelle Rückeroberung zu garantieren. Thiago hat das Geschehen so vor sich, kann seine offensiven Attacken dosieren und steuern, in welcher Ausrichtung die Münchner die Partie angehen.

Beim Pokalspiel in Augsburg machten Bayern dabei zwei Faktoren zu schaffen. Zum einen der kämpferisch wie spielerisch mehr als solide Gegner, der sich auch nach dem Rückstand nicht verunsichern ließ, sondern munter und mutig nach vorne spielte. Zum anderen die leichte Verunsicherung der Münchner, gepaart mit etwas zu wenig Laufaufwand. So tat sich Thiago aus der Tiefe schwer, Martinez fehlten nach Balleroberung die Anspielstationen.

Die Konsequenz: Trainer Guardiola tauschte in der Halbzeit die Rollen, beorderte Martinez zurück auf die Sechs, stellte Toni Kroos dafür Thiago zur Seite. Er wollte damit offensiv mehr Bewegung ins Spiel bringen und defensiv die Stabilität, die bei einer knappen Führung dringend benötigt wird, fördern.

Die drei Spielertypen als Ein-Mann-Sechs

An seinem Grundsystem nahm der Spanier allerdings keine Veränderungen vor. Viererkette, davor Sechser und eine offensive Viererreihe, falsche oder richtige Neun. Eine Doppelsechs, wie sie Martinez sowie Bastian Schweinsteiger in der Triple-Saison bildeten, ist daher in naher und ferner Zukunft nicht absehbar. Für das Ein-Mann-Bollwerk auf der defensiven Mittelfeldposition hat Pep so drei veritable Optionen.

Einerseits Thiago, der mit enormer Übersicht, spielerischer Eleganz und dosierten Vorstößen die offensivste Variante bietet. Zudem Martinez, der als "Staubsauger" schon im Vorjahr bestens funktionierte. Der Spanier stopft Löcher, gewinnt wichtige Zweikämpfe und verfügt über ein grundsolides Stellungsspiel.

Als dritte Variante bietet sich Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger an, der bislang hauptsächlich auf der "Acht" agierte. Sein Problem ist, dass Martinez und Thiago die jeweiligen Extreme abdecken und Schweinsteiger in dem Part eine Reihe weiter vorne genauso gut funktioniert.

Über Philipp Lahm auf der Sechs dürfte, sobald das gesamte Mittelfeld in der Rückrunde wieder fit ist, nur noch während des Spiels geredet werden, um ein Ergebnis zu verwalten. Was angesichts der vorhandenen Möglichkeiten durch gelernte Akteure mehr als nur verständlich ist.

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