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Saisoncheck: Werder Bremen

Die Nervosität steigt, die Fingernägel werden kürzer: Die Bundesliga startet in ihre neue Saison und wir machen den Check! Wie gut ist Werder Bremen gerüstet?

Bremen. Neuanfang: Mehr denn je gilt diese Parole bei Werder Bremen vor dem Start der Bundesliga in die Saison 2013/14: Mit Robin Dutt ist ein neuer Coach nach der Ära Schaaf da und baut das Team nach seinen Vorstellungen um, Sportdirektor Thomas Eichin konnte nach seinem Kaltstart in der letzten Spielzeit ebenfalls in Ruhe Akzente setzen und Transfers tätigen. Wohin das führen kann? Es geht nach dem Fast-GAU vergangene Saison in erster Linie um Konsolidierung, die internationalen Plätze sind aus verschiedenen Gründen außer Sichtweite geraten und nicht das erste Ziel.

FORM & VORBEREITUNG

Der Start der Grün-Weißen in die Vorbereitung gab Anlass zur Sorge: Nach den üblichen deutlichen Siegen gegen unterklassige Gegner folgte eine Serie von schwachen Spielen ohne Sieg: Zuerst brach sich der etatmäßige Linksverteidiger Lukas Schmitz beim 1:1 gegen 1860 München die Fußwurzel, dann hagelte es gegen Osnabrück (0:1), Zwolle (2:3), Ajax (2:3) und RB Leipzig (1:2) eine Niederlagenserie, die erst gegen Erfurt mit einem 6:0 durchbrochen wurde, der bereits im Pflichtspielbetrieb befindliche Drittligist schonte dabei jedoch etliche Stammspieler.

Die Generalprobe gegen den FC Fulham gelang: Am Tag der Fans siegte man durch einen Petersen-Treffer 1:0. Insgesamt hatte Coach Dutt sich von Anfang an Zeit ausbedungen, sein Team müsse das neuen System verinnerlichen. Die vielen teils katastrophalen Abwehrfehler zu Beginn weckten bei den Anhängern indes unliebsame Erinnerungen an die Vorsaison, ebenso wie die erneute Blamage im DFB-Pokal, wo man in der Verlängerung Drittligist Saarbrücken unterlag - zum dritten Mal in Folge in Runde eins raus.

TRANSFERS

Auch hier ein Umbruch: Abwehrchef und Konstante Sokratis zog es zu Borussia Dortmund, während mit Leihspieler Kevin de Bruyne ein weiterer Leistungsträger der schwachen Vorsaison ersetzt werden musste. Luca Caldirola (hier im Porträt) kam als Sokratis-Ersatz aus Italien und soll in der Innenverteidigung starten. Der Linksfuß und Kapitän der Azzurri-U21 wies seine technischen Voraussetzungen nach, zeigte jedoch ebenfalls, dass er mitunter noch anfällig für Fehler ist.

Dazu kam Cedrick Makiadi aus Freiburg, wird im Mittelfeld gesetzt sein und als Defensivpart neben dem in der Vorbereitung starken Ekici die Fäden ziehen. Vorn soll Aaron Hunt Kevin de Bruynes zentrale Rolle übernehmen und hat dabei vom Coach alle Freiheiten bekommen. Nils Petersen wurde fest vom FC Bayern verpflichtet und ist Stürmer Nummer eins.

Bis Ende der Transferphase kann durchaus noch etwas passieren, wie Eichin ankündigte: Ein Linksverteidiger und ein offensiver Mittelfeldmann könnten noch kommen, Interesse an Bayerns Reservist Diego Contento wurde nicht dementiert.

Hoffnungsträger Goalgetter Fragezeichen


GEWINNER & VERLIERER DER VORBEREITUNG

+ Mehmet Ekici: Spielt nun den offensiven Part im defensiven Mittelfeld, eine Position, die er auch in der Jugend bekleidete. Zeigte dort gute Spiele, scheint hungrig und könnte sich nun endlich in den Vordergrund spielen, nachdem er zwei Jahre nach seinem Wechsel den Erwartungen hinterherhinkte.

+ Eljero Elia: Ebenfalls vergangene Spielzeit eine Enttäuschung, scheint der Niederländer unter Dutt nun aufgetaut und könnte in der zweiten Saison bei Werder endlich zur Konstante werden.

- Marko Arnautovic: Der Österreicher ist anscheinend nicht richtig fit und derzeit nur Ersatz, auf seiner zuletzt angestammtem rechten Außenbahn ist Junuzovic vor ihm gesetzt, er würde wechseln, soll aber nur zu einem Topklub wollen. Interessenten gibt es, allerdings nicht aus Manchester, Madrid oder Mailand. Es könnte eine zähe Saison für ihn werden, nach der er ablösefrei wäre.

- Assani Lukimya: Zwischenzeitlich leicht verletzt, schaffte er es nach fehlerbehafteter erster Saison wieder nicht, sich für einen der zwei Plätze in der Innenverteidigung nachhaltig zu empfehlen. Die Fähigkeiten sind da, doch die Konzentration scheint ein Problem, derzeit ist der Kongolese nur erster Ersatz.




DAS TALENT


Niclas Füllkrug absolvierte bereits vor der vergangenen Saison eine starke Vorbereitung und traf regelmäßig, dann warf ihn eine schwere Knieverletzung zurück. Heuer gelangen dem 20-jährigen Mittelstürmer wieder neun Treffer im Vorfeld, er ist fit und sollte von allen Nachwuchsspielern an der Weser am weitesten sein. Unter Schaaf hatte er es schwer, auf Einsatzzeit zu kommen, wie Dutt es damit hält, wird sich weisen, doch die Voraussetzungen bringt Füllkrug mit, er bekam im Pokal gleich den Vorzug vor Arnautovic nach Elias Ausfall und wird weiterhin auf seine Chance lauern.



ZIELSETZUNG


Nach der letzten Saison und den Umbrüchen plus Abgänge von Leistungsträgern kann das Ziel nur sein, nicht früh in den Abstiegsstrudel zu geraten. Vieles wirkt noch ungewiss in Bremen: Wie wird sich das Team unter Dutt finden, kann man Rückschläge wegstecken, wenn es zu Beginn nicht läuft, oder droht dann die berüchtigte Negativspirale? Zuviel sollte man nicht erwarten, ein einstelliger Tabellenplatz am Ende wäre wohl ein Erfolg.

GOAL-PROGNOSE

Es wird eine schwere Saison: Die Suche nach defensiver Konstanz wird sich über die ersten Monate erstrecken, und sollte sie keine Früchte tragen, wird auch im beschaulichen Bremen der Druck auf Dutt schnell massiv steigen. Dieses Szenario würde dann fatal an die Phase nach Rehagels Abgang gemahnen und schlimme Erinnerungen an Dixie Dörner, Aad de Mos und Felix Magath heraufbeschwören, die allesamt erfolglos blieben und schnell geschasst wurden. Das gilt es für Team und Entscheidungsträger zu verhindern, besonders, nachdem der Start im Pokal wieder mal misslang - findet man nicht schnell in die Spur, heißt die Realität wohl Tabellenkeller.

EURE MEINUNG: Was erwartet Ihr von Werder in dieser Saison?

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