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Werder Bremen und Hamburger SV: Nur keine Pokal-Blamage

In der ersten Runde des DFB-Pokals heißt es auch am Sonntag vielerorts: David gegen Bundesliga-Goliath. Besonders die Nordclubs stehen im Fokus.

Am Sonntag greifen neun Bundesligisten in die erste Runde des DFB-Pokals ein. Im Norden zittert man: Werder Bremen droht das dritte Erstrunden-Aus in Folge, beim Hamburger SV liegen nach der 0:4-Klatsche bei Dynamo Dresden die Nerven blank.

1. FC Saarbrücken - Werder Bremen (Sonntag, 14.30 Uhr)

Heidenheim, Münster und jetzt Saarbrücken? Werder Bremen hat am Sonntag die unrühmliche Chance, den Erstrundenaus-Hattrick gegen einen Drittligisten perfekt zu machen. Die Hanseaten fingen sich aber in der Endphase der Vorbereitung und so mag an ein Scheitern so recht niemand beim Bundesligisten denken.

"Anders als zu meiner Zeit sind Drittligisten heute taktisch sehr viel besser geschult. Dennoch muss man am Sonntag sehen, wer Erst- und wer Drittligist ist", so die klare Forderung von Manager Thomas Eichin. Für Trainer Robin Dutt ist es die Pflichtspielpremiere an der Seitenlinie der Werderaner.

Saarbrücken, mit zwei Pleiten samt 1:5-Klatsche in Kiel denkbar schlecht in die 3. Liga gestartet, übt sich derweil in Realismus. "Wir gehen natürlich auch in so ein Spiel rein, um weiterzukommen, auch wenn wir wissen, dass die Chancen relativ gering sind", so Trainer Jürgen Luginger.

SV Darmstadt 98 - Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 14.30 Uhr)

Pokalatmosphäre pur erwartet Gladbach in Darmstadt: Das Stadion am Böllenfalltor ist seit Wochen restlos ausverkauft - und der Underdog ist bissig. "Wir sind bereit, einen Beitrag zu leisten, damit sich alle noch lange an dieses Spiel erinnern werden", so Lilien-Trainer Dirk Schuster.

Auf die leichte Schulter nimmt in Mönchengladbach die vermeintliche Pflichtaufgabe aber niemand. "Es wird für Darmstadt vermutlich das Spiel des Jahres sein. Das heißt, wir müssen kontrolliert das Spiel angehen und dem Gegner nach Möglichkeit keine Chance geben", fordert Keeper Marc-Andre ter Stegen.

Fraglich ist bei den Fohlen allerdings ein Einsatz des Schlussmanns, der sich am Donnerstag im Training eine Überdehnung des Handgelenks zugezogen hat. Nicht dabei sein werden Amin Younes (Kniebeschwerden) und Juan Arango (Muskelfaserriss im Oberschenkel).

Arminia Bielefeld - Eintracht Braunschweig (Sonntag, 14.30 Uhr)

Eintracht Braunschweig startet erstmals seit 29 Jahren wieder als Bundesligist in eine erste Runde des DFB-Pokals. Die ernüchternden Pleiten gegen Bilbao (0:4) und West Ham (0:3) schüren nicht nur die Angst vor dem direkten Wiederabstieg, sondern auch vor dem Pokal-Aus.

"Wir werden seit vier Jahren vor jeder Saison damit konfrontiert, dass wir eigentlich zu nichts fähig sind. Das ist keine neue Situation, und in der besten Liga der Welt gibt es sicher Schlimmeres", versucht Trainer Torsten Lieberknecht Gelassenheit auszustrahlen.

Braunschweig nimmt Bielefeld sehr ernst. Der Aufstiegscoach ließ drei Mal geheim trainieren, um mögliche Taktikspäher auszuschließen. So oder so weiß man beim Drittligisten aber, wie die Rollen verteilt sind. "Wir sind gegen den Bundesligaaufsteiger krasser Außenseiter", so das Fazit von Bielefeld-Trainer Stefan Krämer.

TSG Pfeddersheim - SpVgg Greuther Fürth (Sonntag, 14.30 Uhr)

Victoria Hamburg - Hannover 96 (Sonntag, 14.30 Uhr)

SV Schott Jena - Hamburger SV (Sonntag, 16 Uhr)

Nach der 0:4-Klatsche bei Dynamo Dresden im abschließenden Vorbereitungsspiel wirken die Hamburger Träume von Europa, wie zuletzt von Carl Edgar Jarchow geäußert, wie blanker Hohn. "Eine deutliche Klatsche gehört in der Vorbereitung auch mal dazu", sagte Marcell Jansen kürzlich. Das 0:4 war aber selbst für den Hamburger Optimismus zu viel.

"So etwas wie in Dresden darf nicht wieder passieren", fordert Trainer Thorsten Fink vor dem Gastspiel in Jena. An einen Sensations-Erfolg des Sechstligisten glauben aber selbst die Amateure nicht wirklich. "Selbst von einer Außenseiterchance zu sprechen, wäre gegen den HSV vermessen. Wir wollen dieses Highlight einfach mitnehmen und genießen", so Abwehrchef Paul Schletzke.

Nur Schott-Keeper Brian Georghiu hat Hoffnung: "Wir sind nicht dafür da, den HSV Fußball zelebrieren zu lassen. Wenn wir Druck nach vorn machen können, haben wir vielleicht eine Chance." Ein Faktor könnte auch das Publikum werden: Das Ernst-Abbe-Sportfeld wird mit 12.000 Zuschauern ausverkauft sein.

Zudem plagen die Hamburger Verletzungssorgen. Jaroslav Drobny ersetzt Rene Adler im Tor. Zudem fällt Heiko Westermann mit einer Knieprellung aus. Für ihn spielt der 17-jährige Youngster Jonathan Tah.

BFC Dynamo - VfB Stuttgart (Sonntag, 16 Uhr)

Als einziger Bundesligist hatte der VfB Stuttgart bereits am Donnerstag seinen Pflichtspielauftakt - ein Vorteil muss das allerdings nicht sein. Nicht nur die Reise nach Bulgarien, auch das Ergebnis könnte hemmend sein für den Pokalauftritt in Berlin: Das magere 1:1 gegen Botew Plowdiw war nicht nur auf dem Papier, sondern auch spielerisch ernüchternd.

Trotzdem führt nichts an der Favoritenrolle der Schwaben im Sportforum Hohenschönhausen vorbei. Das weiß auch BFC-Trainer Volkan Uluc nur zu gut: "Stuttgart hat einen Formel-1-Wagen, beim BFC haben wir ein gut getuntes Go-Kart. Wenn wir dieses Rennen gewinnen wollen, müsste der VfB schon einen Getriebeschaden erleiden."

Ohnehin hofft der Fünftligist nur, das Spiel glatt über die Bühne zu bekommen: Alles, nur keine Wiederholung der Geschehnisse der Erstrundenbegegnung gegen Kaiserslautern 2011/12. BFC-Anhänger stürmten damals den Gästeblock und prügelten auf FCK-Fans sein. "Ich wünsche mir, dass der 4. August ein Tag wird, auf den wir mit Stolz und Freude zurückblicken und sagen können, dass wir Teil eines ausgelassenen, fröhlichen und friedlichen Fußballfests waren", so Uluc.

SC Wiedenbrück 2000 - Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 16 Uhr)

Optik Rathenow - FSV Frankfurt (Sonntag, 16 Uhr)

VfR Neumünster - Hertha BSC (Sonntag, 16 Uhr)

FV Illertissen - Eintracht Frankfurt (Sonntag, 18.30 Uhr)

Spiel des Jahres für den FV Illertissen: Der Regionalligist aus Bayern begrüßt den Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt. Die erste Niederlage für Illertissen gab es aber schon vor dem Spiel: Das heimische Vöhlin-Stadion kam aus Sicherheitsgründen nicht in Frage, deshalb findet das Spiel im 70 Kilometer entfernten Augsburg in der SGL-Arena statt.

Dass auch sportlich eine Niederlage zu erwarten ist, dessen ist man sich auch beim Underdog bewusst. "Träumen darf man ja, aber wir sind Realisten. Wir werden uns nicht blamieren", so die Zielvorgabe des Vorsitzenden Toni Endler.

Die Hessen gehen auch nicht davon aus, gegen den Viertligisten zu stolpern. "Wir wollen gegen Illertissen weiter kommen. So selbstbewusst müssen wir sein, dass wir sie schlagen müssen", sagte Sebastian Rode. Allerdings: Im letzten Jahr scheiterte die Veh-Elf in der ersten Runde mit 0:3 in Aue. In jenem Spiel sah Kevin Trapp zudem Rot, weshalb Aykut Özer in Augsburg das Tor hüten muss.

Preußen Münster - FC St. Pauli (Sonntag, 18.30 Uhr)

SV Sandhausen - 1. FC Nürnberg (Sonntag, 20.30 Uhr)

Den Pokal-Sonntag schließen der SV Sandhausen und der 1. FC Nürnberg ab. "Sandhausen ist kein leichtes Los, aber was ist im DFB-Pokal schon leicht?", meinte Club-Manager Martin Bader vor der Partie gegen den Zweitligisten. Seine Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr: Im letzten Jahr scheiterte der FCN in Runde eins in Havelse.

Sandhausen ist jedenfalls zuversichtlich. In der Liga sprang in zwei Spielen zwar nur ein Punkt heraus, der jüngste Test gegen Olympiakos Piräus stimmt Trainer Alois Schwartz aber optimistisch: "Für uns scheint der 1.FC Nürnberg ein übermächtiger Gegner zu sein. Wir haben beim 2:2 gegen den griechischen Meister Piräus aber gezeigt, dass wir uns nicht verstecken müssen."

Im Sandhausener Hardtwaldstadion muss Club-Trainer Michael Wiesinger womöglich auf Timo Gebhart verzichten. Der 24-Jährige klagt über Leistenprobleme.

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