thumbnail Hallo,

Bielsas Schüler und Messis Liebling: Das ist Barcelonas neuer Trainer Gerardo Martino

Der Argentinier hatte in seiner Heimat und in Paraguay bemerkenswerten Erfolg. Er vertraut auf dasselbe Erfolgsrezept wie Pep Guardiola.

KOMMENTAR                                                                                                                                                                                        
Von Daniel Edwards in Buenos Aires

Eine von Pep Guardiolas Lieblings-Anekdoten aus dem Fußball dreht sich um den herrlich exzentrischen argentinischen Coach Marcelo Bielsa. Gemäß dem früheren Barca-Coach und heutigen Trainer des FC Bayern war er vor seiner Trainerlaufbahn zu einem Besuch in "El Locos" Haus in Rosario eingeladen. Es sollte ein Gespräch über Fußball werden.

11 Stunden später, nach einem Barbecue mit bestem argentinischen Rindfleisch, war Guardiola ein anderer Mann. Pep nannte Bielsa später "den besten Trainer des Planeten" und der Einfluss von "El Loco" war später beim FC Barcelona unverkennbar. Das Spiel mit hoher Geschwindigkeit, das hohe Pressing und der andauernde Ballbesitz - all das sind die Merkmale von Bielsas Philosophie.

Liebe Barca-Anhänger, macht Euch bereit: Euer neuer Trainer ist ein weiterer glühender Bielsa-Anhänger!

Gerardo Martino war eine Schlüsselfigur im Team der Newell's Old Boys, das unter Bielsa die erfolgreichste Zeit seiner Geschichte erlebte. Anfang der 1990er Jahre gewann der Mittelfeldspieler unter Leitung seines Mentors zwei argentinische Meisterschaften und erlitt eine Finalpleite im Elfmeterschießen in der Copa Libertadores. Diese Erfahrungen prägten "El Tata" merklich, auch nachdem er seine Stiefel an den Nagel gehängt hatte.

Es wäre ziemlich unfair, Martino anhand der Spielweise von Paraguays Nationalelf bei der WM 2010 und der Copa America im folgenden Jahr zu beurteilen. Diese Mannschaft war zwar schwierig zu besiegen, aber sie agierte defensiv und ging nur wenige Risiken ein. Das lag daran, dass ihre gefährlichste Offensivwaffe Salvador Cabanas nach einer Schießerei nicht mehr Teil des Teams sein konnte.

Der Ex-America-Stürmer hatte zuvor in der Qualifikation sechs Tore erzielt und Paraguay den dritten Platz beschert, nur die Tordifferenz hielt die "Guarani" damals hinter Bielsas Chile. Martinos Mannschaft holte einige denkwürdige Siege, unter anderem gegen Argentinien und Brasilien. Der Trainer wurde zum Helden in der Bevölkerung.

Schaut man sich die "Albirroja" mit Cabanas in Bestform und die Newell's Old Boys der letzten eineinhalb Jahre an, bekommt man eine Idee vom Wesen dieses bescheidenen, zurückhaltenden Trainers. Martino ist einer von der alten Schule, die daran glauben, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Er predigt Ballbesitz bis zum Gehtnichtmehr und lässt seine Spieler weit in der gegnerischen Hälfte attackieren, um das Leder früh zu erobern.

Super Nacho | Der künftige Internacional-Star Scocco blühte in Newell's barcaesquem 4-3-3 auf.

Newell's praktiziertes 4-3-3 könnte direkt von Bielsas - oder Guardiolas - Reißbrett kopiert worden sein. Ignacio Scocco, ein schneller, dynamischer Angreifer, der von überall Tore erzielen kann, war in der Sturmspitze die Entdeckung 2012/13. An seiner Seite lieferte Maxi Rodriguez genau den richtigen Mix aus Physis und Kreativität, um die gegnernischen Abwehrreihen zu entblößen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Martino taktisch die Barca-Tradition und damit eine offensive Marschroute nach Bielsa fortsetzen wird. Außerdem wird er mit seinem Landsmann Lionel Messi einen wertvollen Verbündeten haben.

Lio gelangte ein paar Jahre nach der erfolgreichen Zeit von Bielsa und Martino in Newell's Jugendabteilung. Dort absolvierte er für die "Lepra" seine ersten fußballerischen Schritte. Für Messis Vater Jorge war Martino der Lieblingsspieler im rot-weißen Dress und es besteht kein Zweifel daran, dass seine Empfehlung dafür ausschlaggebend war, dass Martino den Vorzug gegenüber Luis Enrique und Guus Hiddink erhielt.

Im Grunde ist es so: Wenn Messi aus allen Rohren feuert, dann ist Barcelona nahezu unschlagbar. Und nur wenige Menschen werden den 26 Jahre alten Superstar so motivieren können wie der Mann, der ebenfalls in Rosario verwurzelt und ein Familienidol ist.

Nun muss sich Martino beweisen. Nur wenige Trainer hatten in der letzten Dekade einen ähnlichen Erfolg in Südamerika. Er gewann drei Meisterschaften in Paraguay mit Libertad und eine mit Cerro Porteno. Mit den "Guarani" schaffte er es ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft und der Copa America und nun triumphierte er mit Newell's. Der Erfolg ist für ihn ebenso selbstverständlich geworden wie das Aufstehen am Morgen.

"Ich trainierte ihn. Aber ich lernte von ihm durch seine Spielweise, seine Arbeit als Kapitän und Anführer... ein kompletter, bewundernswerter Mensch."


Bielsa lobt seinen Ex-Schützling Martino

Für einen Großteil der europäischen Öffentlichkeit werden diese Leistungen jedoch kaum etwas bedeuten. Nun wird er erstmals auf der anderen Seite des Atlantiks anheuern, und wie viele andere südamerikanische Trainer vor ihm muss er bei Null beginnen. Größere Budgets, größere Titel, größerer Druck: Martino muss sich eingewöhnen, und zwar schnell.

Die chaotische Amtszeit seines Landsmanns Cesar Luis Menotti, der als Weltmeister mit Argentinien bei Barcelona anfing, sollte ihm eine Lehre sein. Erfolg in Barcelona hat rein gar nichts mit früheren Resultaten auf anderen Stationen zu tun.

"El Tata" ist allerdings auch kein extrovertierter Kettenraucher wie Menotti. Vielmehr steht er, wie vor ihm Vilanova und Guardiola, fest auf dem Boden und ist zu 100 Prozent auf seinen Job fixiert. In die Schlagzeilen schafft er es in der Regel nur dank der Leistungen seiner Mannschaften.

Dieser Schüler Bielsas hat mit einem zufriedenen Messi auf dem Feld alle Werkzeuge zur Verfügung, ein würdiger Erbe Pep Guardiolas zu sein und Barcelona in der Elite Europas zu halten.

Folge Daniel Edwards auf

Dazugehörig