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Benfica weint: Chelseas fantastisches Ende verstärkt den Guttmann-Fluch

Der FC Chelsea führt durch den Triumph in der Europa League eine verkorkste Saison doch noch zu einem guten Ende. Benfica trauert, schuldig am Unglück scheint ein bereits 1981 verstorbener Ungar zu sein.

Amsterdam. Fußball kann so brutal sein. Während bei Benfica die Tränen in Strömen flossen, verwandelte Chelsea die Amsterdam-Arena in ein blau-weißes Jubelmeer. Die Londoner hatten soeben das Finale der Europa League gegen den Klub aus Lissabon mit 2:1 gewonnen.

Ausgerechnet Branislav Ivanovic traf in der dritten Minute der Nachspielzeit per Kopf. Der Serbe hatte im vergangenen Jahr das Champions-League-Finale in München gelbgesperrt verpasst, nun war er der gefeierte Held. "Dies ist einer der besten Momente in meiner Karriere", sagte Ivanovic: "Nach dem vergangenen Jahr umso mehr."

Auch für seinen Verein war es ein besonderer Augenblick. Der Pokal für den Sieg in der Europa League fehlte den Blues noch im Trophäenschrank. Nun hat der englische Klub auch den letzten großen Titel gewonnen - und das nach einer eigentlich verkorksten Spielzeit.

Lampard vor Vertragsverlängerung

"Es war eine schwierige und anstrengende Saison - aber wir haben sie fantastisch beendet", jubelte Keeper Petr Cech. Chelsea war in der Champions League in der Vorrunde gescheitert, in der Premier League hatte das Team von Trainer Rafael Benitez mit der Titelvergabe nichts zu tun. Im Gegenteil: Vor dem letzten Spieltag muss der Königsklassen-Champion von 2012 angesichts von nur zwei Punkten Vorsprung auf den FC Arsenal sogar noch um den dritten Platz bangen.

So war der Sieg in der sonst eher als minderwertig angesehenen Europa League selbst für einen großen Klub wie Chelsea richtig viel wert. "Die Enttäuschung nach dem Champions-League-Aus war natürlich riesig, aber diese Enttäuschung hat uns dann in der Europa League weit getragen", erklärte Cech.

Ein positives Ende scheint die Saison zudem für Frank Lampard zu nehmen. Das Chelsea-Urgestein erhält offenbar in Kürze doch noch einen neuen Vertrag bis 2014. "Mit diesem Spiel vor der Brust haben wir uns noch nicht zusammengesetzt, um etwas zu unterschreiben. Ich hoffe allerdings, dass es klappt und es sieht gut aus", sagte der Mittelfeldspieler dem TV-Sender ITV.

"Jetzt wird erst mal gefeiert"

Auch Benitez, der Chelsea im Sommer mit noch unbekanntem Ziel verlassen wird, darf die eher unrühmliche Zeit an der Stamford Bridge mit einem Triumph beenden. Der von Beginn an als "ewiger Liverpooler" gehasste Spanier kann doch noch etwas Zählbares vorweisen. Nach dem UEFA-Cup-Triumph 2004 mit dem FC Valencia und dem Champions-League-Sieg mit dem FC Liverpool 2005 war es für Benitez der dritte große internationale Titel.

"Wir haben im zweiten Durchgang eine starke Leistung gezeigt. In der ersten Halbzeit hatten wir allerdings Probleme gegen die stark kombinierenden Portugiesen", meinte Benitez. Dabei lief auch in den zweiten 45 Minuten nicht alles rund. Die Führung für Chelsea durch Fernando Torres (60.) hatte Oscar Cardozo (68.) per Handelfmeter für die vor dem Tor unter dem Strich viel zu harmlosen Portugiesen ausgeglichen. Dann dauerte es bis zur 93. Minute, ehe Ivanovic Chelsea erlöste. "Ich bin sehr stolz auf die Jungs - jetzt wird erst mal gefeiert", kündigte Benitez an.

Benfica und der Guttmann-Fluch

Zum Feiern war bei Benfica niemandem zumute. "Wir konnten die ganze Zeit gut mit Chelsea mithalten und hatten auch noch gute Chancen auf das zweite Tor. Leider haben wir diese nicht genutzt und am Ende dann einen Treffer nach einer Ecke bekommen", sagte Coach Jorge Jesus, der nach dem Abpfiff einige Sekunden wie in Schockstarre verfallen ins Leere blickte.

Jesus kam zu dem Schluss: "Uns fehlte leider das nötige Glück." Und das seit mittlerweile 51 Jahren. Seit 1962 wartet der zweimalige Champion im Europapokal der Landesmeister auf einen internationalen Titel. Die Pleite gegen Chelsea war bereits die siebte Niederlage in einem europäischen Endspiel in Serie.

In Lissabon dürfte sich somit eine These weiter festsetzen. Es heißt nämlich, dass ein Ungar namens Bela Guttmann an Benficas Unglück schuld sei. Der hatte sich als Trainer mit den Klub-Bossen völlig zerstritten und musste Benfica 1962 mit Wut im Bauch verlassen. Zum Abschied soll der bereits 1981 gestorbene Guttmann einen Fluch ausgesprochen haben: "Benfica wird in den nächsten 100 Jahren in Europa nichts mehr gewinnen."

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