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Goal sprach mit Aalens WM-Fahrer Jasmin Fejzic über Bosnien-Herzegowinas Abschneiden und den Paradigmenwechsel auf der schwäbischen Alb.

Aalen. Auch auf der schwäbischen Alb findet man WM-Fahrer: Mit Keeper Jasmin Fejzic stellte der VfR Aalen im Sommer einen Brasilien-Reisenden. Der 28-Jährige war als zweiter Torwart hinter Asmir Begovic von Stoke City bei der WM, wo er allerdings nicht zum Einsatz kam. Seine Leistungen zeigt Fejzic stattdessen wieder in der 2. Bundesliga, wo Aalen in den letzten beiden Spielzeiten überraschte. Trotz des Trainerwechsels von Ralph Hasenhüttl zu Stefan Ruthenbeck, der einen Paradigmenwechsel bedeutete.

Auch diese Saison knüpfen die Schwaben wieder an die Leistungen des Vorjahrs an: Außer RB Leipzig blieb bisher nur der VfR ohne Gegentor, hat mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen eine ordentliche Ausbeute. Auch ein Verdienst von Fejzic, der gegen Leipzig und St. Pauli jeweils starke Partie machte und eine weiße Weste behielt. Goal sprach mit dem Torwart über das Erlebnis WM mit Bosnien-Herzegowina und den Trainerwechsel in Aalen.

Herr Fejzic, wie wurden Sie als WM-Fahrer im beschaulichen Aalen ampfangen?

Fejzic: "Sehr herzlich und natürlich auch neugierig. Als erster WM-Fahrer der Vereinsgeschichte war die Aufmerksamkeit sehr groß. Natürlich wollten alle wissen, wie es in Brasilien war. Davon träumt schließlich jeder Fußballer, bei einer WM dabei zu sein."

Bosnien ist eine sehr junge Nation und hatte sich erstmals qualifiziert: Wir war die Resonanz aus der Heimat?

Fejzic: "Es war unglaublich, aber ja auch schon während der Qualifikation, als unsere Fans meist in der Mehrzal waren, auch bei Auswärtsspielen. Als wir dann nach der Quali in Sarajevo ankamen, warteten 250 000 Menschen, unglaublich. Der Fußball gibt den Menschen in Bosnien Kraft und begeistert, er hält am Leben. Wir haben aber auch versucht unserem Volk bei der Flutkatastrophe direkt zu helfen. Bei der Spendenaktion ging es vorwiegend um Essen und Kleider, aber es kam auch eine schöne Summe zusammen..."

Wie war die Stimmung in der Mannschaft? War es ein Vorteil, dass soviele Bundesliga-Spieler im Kader waren?

Fejzic: "Durchgehend gut. Wir waren natürlich alle top motiviert. Dass soviele Deutschland-Legionäre dabei waren zeigt, glaub ich, auch unser Niveau. Deutschland ist Weltmeister und die Bundesliga eine der besten Ligen der Welt. Fast alle unsere Stammspieler stehen bei deutschen Vereinen unter Vertrag. Und ich sags mal so: Die 'deutsche Disziplin' schadet natürlich auf keinen Fall."

Wie haben Sie die unglückliche Auftaktniederlage gegen Argentinien erlebt?

Fejzic: "Ich denke, wir hatten viel Pech, haben gut mitgespielt, uns aber nicht belohnt. Das 0:1 gegen uns durch Kolsinac war ja kein Fehler, ihn trifft bei dem Gegentreffer keine Schuld, der Ball kam so schnell, da konnte er nicht mehr reagieren. Aufbauen mussten wir ihn gar nicht, denn das war allen klar."

Für einen Torwart sind solche Bälle vermutlich erst Recht unangenehm...

Fejzic: "Allerdings, weil der Ball mit so einer Geschwindigkeit kommt und bei der kleinsten Berührung eine andere Flugbahn nimmt, ein paar Grad Abweichung reichen ja schon. Ich nenne solche Dinger 'Billard'-Tore. Man kann daran sehen, wie groß der Faktor Glück bei diesem Sport noch immer ist."

Gegen Nigeria kam das Aus. Für viel Ärger sorgte der nicht gegebene Treffer von Edin Dzeko...

Fejzic: "Dzeko war niemals in einer Abseitsposition, das Tor hätte zählen müssen, denke ich. Wir hatten wirklich kein Glück, aber die Schiedsrichterentscheidungen bei der WM waren ja durchgehend schlecht. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich mich mit einigen Unparteiischen unterhalten, die das ebenso gesehen haben. Wir waren nach der Niederlage natürlich alle niedergeschlagen, weil das Aus ja schon feststand und du daran dann auch nichts mehr ändern kannst. Gegen den Iran haben wir uns aber wenigstens anständig verabschiedet."

Es gab aus der Heimat aber auch Kritik wegen angeblich schlechter Fitness. Wie haben Sie die gesehen?

Fejzic: "Ich konnte die Kritik so nicht verstehen. Wir haben uns gut vorbereitet und hart gearbeitet. Es kann natürlich sein, dass der ein oder andere wegen der langen Saison und mit vielen Spielen in den Beinen einfach müde war. Aber jeder hat sich maximal reingehängt, daran besteht für mich kein Zweifel. Trainer Safet Susic hat seinen Vertrag ja verlängert und ich denke, wir können die EM 2016 trotz der schwierigen Quali-Gruppe anpeilen."

In die zweite Liga: Das 'kleine' Aalen überraschte in den letzten beiden Spielzeiten, dabei gab es einen einschneidenden Trainerwechsel. Unter Stefan Ruthenbeck geht es wieder mehr um Ballkontrolle?

Fejzic: "Das stimmt, unter Hasenhüttl haben wir vorletzte Saison noch sehr viel mehr auf Konter gespielt und waren vor allem auf die zweiten Bälle aus. Das erkennt man auch an den rund 30 % Ballbesitz. Seit letztem Jahr wollen wir wieder mehr selbst das Spiel machen und aufbauen. Das war letzte Saison schon anders, da lag unser Ballbesitz bei rund 50-60% und wir haben sehr viel weniger Tore nach Kontern geschossen. Was uns trotz beider Stile aber so stark gemacht hat, war die Einheit auf dem Platz. Ich denke, wir sind eine sehr geschlossene Truppe, die jedem das Leben schwer machen kann."

Was hat sich unter Ruthenbeck verändert?

Fejzic: "Vor allem natürlich die Spielweise. Auch ansonsten sehr viel, ohne dabei bewerten oder vergleichen zu wollen. Beide Trainer haben ihre Qualitäten. Ruthenbeck brennt total, man merkt, dass das sein erster Job bei einem größeren Klub ist. Er ist vielleicht mehr der Kumpeltyp, der bei der Mannschaft den richtigen Ton trifft und viel kommuniziert."

Kapitän Leandro beeindruckt noch immer und bringt ein bisschen Exotik auf die schwäbische Alb. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?

Fejzic: "Er ich nach wie vor ein sehr wichtiger Spieler bei uns, gibt uns mit seiner Ballkontrolle Sicherheit im Mittelfeld. Man merkt natürlich manchmal, dass er 33 ist, aber das ist unser Glück, denn wenn er jünger wäre, würde er sicherlich in der Bundesliga spielen."

Was will Aalen diese Saison erreichen?

Fejzic: "Wir wollen auf jeden Fall soviele Punkte wie möglich sammeln und die Klasse halten. Es kam uns bisher immer entgegen, dass uns die anderen Mannschaften nicht so auf dem Schirm hatten..."

Herr Fejzic, wir danken für das Gespräch!

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