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Thomas Dooley stärkt USA-Trainer Klinsmann: "Die Kritik kann ich nicht verstehen"

Klinsmann ist in den USA trotz der guten Leistungen bei dieser WM nicht unumstritten. Sein Kompagnon aus vergangenen Tagen stärkt ihm nun den Rücken.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Berlin/Manila. Es sind heiße Tage. Nicht nur in Brasilien, wo gerade die Weltmeisterschaft auf Hochtouren läuft. Auch in Deutschland, denn nun kommt es zum großen Duell zwischen den USA und Deutschland. Es geht um den Sieg in der Gruppe G. Jürgen Klinsmann gegen Joachim Löw. Die einstigen Gefährten sind zu Gegnern geworden. 

Mit Pech ist es durchaus möglich, dass noch eine der beiden Mannschaften ausscheidet. Goal sprach mit Thomas Dooley, der Klinsmann sehr gut kennt, sein Co-Trainer war und in Deutschland viele Jahre in der Bundesliga verbrachte.

Herr Dooley, Sie sind Trainer der philippinischen Nationalmannschaft und haben im Mai am Challenge Cup teilgenommen. Wie lief es dort für Sie und Ihr Team?

Dooley: Der Challenge Cup war fast perfekt. Wir haben das Finale leider durch ein Freistoßtor 0:1 gegen Palästina verloren. Im Großen und Ganzen war das Turnier aber erfolgreich für uns. Die Fans, der Verband und auch die Medien waren sehr zufrieden, weil wir zum ersten Mal ein Finale erreicht hatten. Natürlich sind wir als Mannschaft etwas enttäuscht, denn wenn du im Endspiel stehst, dann möchtest du das auch gewinnen.

Sie haben selbst für die USA 1994 und 1998 an der Weltmeisterschaft teilgenommen. '94 sogar im eigenen Land. Sie wissen also, wie elektrisierend eine WM sein kann. Sehen Sie das auch in Brasilien?

Dooley: Brasilien ist ein fußballbegeistertes Land, das kann die eigene Mannschaft dann vielleicht auch ein wenig lähmen. Vielleicht ist man durch die große Erwartung etwas nervöser als sonst. Aber die Stimmung dort ist toll, die WM wird von den Menschen akzeptiert und gelebt.

Die USA sind gut ins Turnier gestartet. Gegen Ghana gelang ein Last-Minute-Sieg und beim Duell mit Portugal holte man einen Punkt.

Dooley: Am besten ist es natürlich, wenn man gut startet. Das ist den USA gegen Ghana gelungen. Das Selbstvertrauen ist dann da und tut den einzelnen Spielern gut. Nun hat man trotz des im Nachhinein unglücklichen Remis gegen Portugal gute Chancen auf das Achtelfinale. Das Schöne im Fußball ist, dass immer alles möglich ist. Bei solch einer hohen Qualität entscheiden Kleinigkeiten die Duelle.

In den USA wurde Klinsmann hart dafür kritisiert, weil er sagte, dass seine Mannschaft kein Titelanwärter ist. Können Sie die Kritik an ihm verstehen?

Dooley: Ich kann diese Kritik nicht verstehen, weil das die Realität ist. Wie ich gerade eben schon gesagt habe: Natürlich ist alles möglich. Dass wir aber mit den USA ins Finale einziehen und das auch gewinnen, ist meiner Meinung nach unwahrscheinlich. Selbst wenn ich davon überzeugt wäre, würde ich das niemals sagen.

Fans und Medien sehen das aber anders, dort träumt man offenbar vom großen Wurf.

Dooley: Es ist sicher richtig, dass die USA in vielen Sportarten zur absoluten Spitze zählen. Es ist auch richtig, intern mit der Einstellung zur WM zu fahren, ins Endspiel kommen zu wollen. Man kann träumen, aber sollte auch die Realität nicht vergessen. Im US-Fußball muss man anerkennen, dass man nicht so weit ist. Viele Länder sind da den USA noch voraus.

Wie ist das Image von Klinsmann in Amerika, wie sehen die Leute ihn allgemein?

Dooley: So wie ich es sehe und höre, sind die Menschen mit Jürgen Klinsmann sehr zufrieden. Die Mannschaft ist durch ihn noch gefestigter und tritt als echte Einheit auf. Sie haben jetzt nicht diese absoluten Top-Einzelspieler, wie andere Länder. Keiner aus den Vereinigten Staaten spielt beim FC Barcelona, das nur als Beispiel. Das beeinflusst natürlich die Arbeit. Das, was Klinsmann macht, ist richtig. Er hat ein Team zusammengeschweißt, das durchaus attraktiven Fußball spielen kann. Klinsmann ist mit Sicherheit der richtige Mann für die USA.

Könnte Portugal mit Cristiano Ronaldo am Ende der große Verlierer sein und hinter den USA ausscheiden? Jedenfalls sieht es aktuell schwer danach aus.

Dooley: Ich hoffe es! (lacht) Ich wünsche ihnen nix Schlechtes oder Böses, aber ich hoffe, dass die USA mit Deutschland ins Achtelfinale einziehen. Portugal muss erstmal schauen, wie man mit der Drucksituation umgeht. So eine Schlappe wie gegen Deutschland, die muss man erst verkraften können. Gegen uns haben sie auch nicht gewinnen können. Dass sie nun an letzter Stelle stehen, nur einen Punkt haben, ist natürlich bitter für Portugal und Cristiano Ronaldo.

Hätten Sie gedacht, dass das DFB-Team die Portugiesen so überrollen würde?

Dooley: Nein, das hätte ich so nicht gedacht, weil Portugal erfahren ist. Genauso wenig habe ich aber auch gedacht, dass die Niederlande so klar und deutlich gegen Spanien gewinnen. Ich habe immer gesagt, dass die beste Mannschaft auf der Welt das deutsche Team ist. Es ist in der längeren Vergangenheit doch so gewesen, dass die Brasilianer stets die besten Einzelspieler hatten, die Spanier hatten das beste System, Deutschland aber das beste Team. Das heißt: die Organisation, die Disziplin gespickt mit sehr starken Spielern.

Welche Chancen haben die USA dann gegen Deutschland?

Dooley: Wir haben Deutschland ja schon mal geärgert. (lacht) Letztes Jahr in Washington haben wir 4:3 gewonnen. Aber wenn man realistisch ist, dann stellt man fest: Deutschland spielt überragenden Fußball und es wird für die USA ganz schwer. Trotzdem ist alles drin, das ist das Schöne am Fußball. Chancenlos sind wir nicht.

Für Joachim Löw ist es das fünfte große Turnier. Bislang konnte er keinen Titel gewinnen.

Dooley: Ich bin da ja ein Außenstehender und kann nur das bewerten, was ich am TV-Gerät sehe. Meiner Meinung nach ist Deutschland immer reif für einen großen Titel. Von Platz eins bis Platz vier ist kein großer Unterschied. Diese Nuancen und ein bisschen Glück braucht man auch, das ist dem DFB-Team in den vergangenen Jahren verwehrt geblieben. Auf der einen Seite kann man sagen, dass nur Erfolge und Titel zählen. Auf der anderen Seite aber auch, dass Löw hervorragende Arbeit leistet und einfach kein Glück gehabt hat. Das ist schwierig zu bewerten. Die Kritik an Löw kommt automatisch. In diesem Geschäft ist es so, dass nur Erfolge zählen.  

Sie haben lange Jahre in Deutschland gespielt. Ohne einen Tipp lassen wir Sie nicht gehen.

Dooley: Ich hoffe, dass die beiden Teams ein super Spiel machen und es hin und her geht und am Ende ein 2:2 oder 3:3 herauskommt - alle Leute zufrieden sind, weil sie alles gegeben haben. Dann kommen beide weiter und wir sehen nicht ein Spiel wie in Gijon gegen Österreich damals. Ich hoffe also auf ein 2:2. Damit können wir beide leben. Alle in Deutschland und den USA sind dann glücklich.

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