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Die WM ist gerade mal ein Spiel alt und schon diskutiert die Welt über einen fragwürdigen Pfiff. Ex-Schiedsrichter Merk übt bei Goal harsche Kritik an der FIFA.

EXKLUSIV
Von Hassan Talib Haji

Berlin. Die Fußball-Welt schaut dieser Tage nach Brasilien. Ins Land der feinen Techniker und Dribbler, doch am Zuckerhut hatte diese Weltmeisterschaft einen unglücklichen, diskussionswürdigen Auftakt genommen. Die Selecao gewann vor elektrisierender Kulisse in Sao Paulo zwar mit 3:1 gegen Kroatien, die Neymar-Show hatte aber einen faden Beigeschmack.

In der 69. Minute ging Fred im Duell mit Kroatiens Dejan Lovren nach einem hauchzarten Zupfer beim Stande von 1:1 im Strafraum zu Boden und schindete einen Elfmeter, der wohl niemals einer hätte sein dürfen. Der japanische Unparteiische Yuichi Nishimura fiel darauf rein, zeigte auf den Punkt. Die junge WM hatte ihren ersten Aufreger.

Goal sprach exklusiv mit dem ehemaligen FIFA-Schiedsrichter und derzeitigen Sky-Experten Dr. Markus Merk, der zu diesem Pfiff eine klare Meinung hat. Er hat für diesen "Schiedsrichter-Fehlstart" kaum entschuldigende Worte, sondern ist darüber in gewissem Maße entsetzt; wie die Millionen Zuschauer und Fans, die diese Szene beobachteten.

Merk: "Das geht nicht"

"Das tut mir leid, als Fußballer sogar weh. Ich gönne den Brasilianern jeden Erfolg. Aber dieser Elfmeter, in einem so wichtigen, in einem Eröffnungsspiel - das geht nicht", erklärt Merk. Die Entscheidung beeinflusste das Spiel nachhaltig: Kroatien ließ in der zweiten Halbzeit wenig zu, ehe beim Stand von 1:1 schließlich der verhängnisvolle Pfiff ertönte.

"Den japanischen Schiedsrichter trifft die geringste Schuld", nimmt er Nishimura in Schutz: "Er ist wirklich ein Guter, durchaus mit WM-Berechtigung. Aber nicht um Maßstäbe zu setzen, eine WM anzupfeifen. Und mit mangelnder Erfahrung, schlimmer noch: ohne Anleitung! Ich kann mich nicht erinnern, einen Schiedsrichter nach seinem Pfiff jemals auf der Flucht gesehen zu haben. Das war peinlich!"

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Einen Appell an die vielen Fans hat Merk ebenfalls und visiert den Weltverband an: "Kritisiert nicht Nishimura, hinterfragt die FIFA und ihre Kommissionen." Nishimura selbst gilt zwar als "bester Schiedsrichter in Japan, womöglich gar in Asien", so Chefredakteur Cesare Polenghi von Goal Japan, aber: "Er hat ab und an solche Schocker dabei wie gegen Brasilien, deshalb ist er umstritten."

Umstritten ist ebenso das Eröffnungsspiel. Es bleibt in Erinnerung, eben weil es der Startschuss in eine WM war, aber auch, weil dieser Fragen hinterlässt. Im Grunde ist es nicht mehr als eine Fehlentscheidung, in solch einer engen Partie aber mit großer Tragweite.

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