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Asamoah glaubt an DFB-Elf: "Wir werden es schaffen, ins Finale zu kommen"

Dass die DFB-Elf das Finale in Brasilien erreicht, ist für Gerald Asamoah eine klare Sache. Zudem erinnert er sich an das Sommermärchen und die WM in Japan und Südkorea.

INTERVIEW

Von Gregor U. Becker

Gelsenkirchen . Gerald Asamoahs Vorfreude auf die Weltmeisterschaft ist ungebrochen. Der ehemalige deutsche Nationalspieler wird zwar nicht vor Ort sein, das Turnier als TV-Experte aber eng begleiten. Gegenüber Goal erinnert er sich an seine beiden WM-Teilnahmen 2002 und 2006 und gibt einen Ausblick auf die Chancen der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien.

Welche WM war das schönere Erlebnis für Sie - 2002 mit dem Finale gegen Brasilien oder das Sommermärchen 2006?

Gerald Asamoah : Beides war schön, (lacht) aber ob ich noch einmal eine WM im eigenen Land erleben werde, weiß ich jetzt nicht. Es war sehr schön die WM 2006 zu erleben, allein was da los war. Keiner hat ja vorher gedacht, dass wir so weit kommen. Alle haben geglaubt, dass wir sehr früh ausscheiden. Wir dachten ja selbst nicht, dass wir so eine starke Mannschaft haben. Deswegen hat die WM 2006 bewegt. Es bleibt hängen, egal, wo du bist, alle reden darüber.

Wann habt Ihr gemerkt, dass es ein Sommermärchen wird?

Asamoah : Das war schon das Spiel gegen Polen. Allen war ja klar, dass wir zum Auftakt gegen Costa Rica gewinnen. Gegen Polen, die ja damals auch nicht schlecht gestartet sind, mussten wir unbedingt gewinnen. So überragend haben wir trotzdem nicht gegen sie gespielt.

Und dann hat Jürgen Klinsmann ein geschicktes Händchen beim Wechseln gehabt.

Asamoah: Genau, dann gab es da diesen Moment als Odonkor und Neuville reinkamen und Neuville dann später das Tor machte. Das hat zusammengeschweißt und wir haben gesehen, dass das ganze Land hinter uns steht. Da haben wir gemerkt, wir können hier sehr viel bewegen und haben das dann auch auf dem Platz gezeigt.

Was war bei der WM 2002 der prägendste Moment für Sie?

Asamoah : Es war so ähnlich wie bei der WM 2006, weil wir auch da keine wirklich gute Mannschaft hatten. Der Knackpunkt war das Spiel gegen Kamerun, die eine starke Mannschaft hatten und wir dachten, okay wir könnten auch verlieren. Dann kriegen wir noch eine Rote Karte, weil Carsten Ramelow vom Feld geflogen ist und wir dachten, jetzt ist es vorbei. Dann ist aber so ein Team Spirit entstanden und wir haben mit zehn Mann gegen Kamerun gewonnen.

Das hat Euch dann Auftrieb gegeben?

Asamoah : Ja, von da an haben wir gedacht, wir können es schaffen. Im Finale hatten wir dann leider alle einen schlechten Tag, vor allem Oli Kahn. Aber man muss natürlich sagen, dass er eine super WM gespielt hat und auch zurecht zum besten Spieler des Turnieres gewählt wurde. Michael Ballack hat natürlich auch gefehlt, der zu der Zeit alles getroffen hatte, aber im Finale ja gesperrt war.

Gerald Asamoah hat vom Fußball noch lange nicht genug, auch wenn er von der großen Bundesliga-Bühne abgetreten ist. In der abgelaufenen Saison absolvierte der 35-Jährige 27 Spiele für Schalke 04 II in der Regionalliga West und wird auch in der kommenden Saison noch einmal für die Amateure der Knappen auf Torejagd gehen. Zudem hat Asamoah bereits alle notwendigen Trainerscheine gemacht und strebt nun die Lizenz für die Bundesliga an.

Der gebürtige Ghanaer bleibt ein Kind der deutschen Nationalmannschaft, für die er 51 Länderspiele absolviert hat. Wenn er über die DFB-Elf redet, leuchten noch immer seine Augen und er spricht stets von "Wir".

Wie wirst du die WM in Brasilien erleben?

Asamoah : Vor Ort bin ich leider nicht, aber ich werde ja als TV-Experte tätig sein und natürlich alle Spiele ganz genau verfolgen.

Und wie schneidet die DFB-Elf ab?

Asamoah : Ich glaube, dass wir sehr weitkommen. Aber es gibt viele Nationen, die sehr, sehr gut sind und vor allem die südamerikanischen Mannschaften, die den Kontinent kennen und das Wetter gewohnt sind. Dazu gibt es zum Beispiel auch Ghana, die ein gutes Team haben. Aber wenn man sieht, was wir für eine Mannschaft haben, dann bin ich guter Dinge, dass wir ins Finale kommen. Aber es gehört natürlich auch viel Glück dazu. Das ist im Fußball nun einmal so.

Wie beurteilen Sie die DFB-Elf? Ist es nicht so, dass es trotz der vielen Weltstars im offensiven Mittelfeld sonst noch einige Baustellen gibt?

Asamoah : Da kann man genauso auf die anderen Mannschaften schauen, die haben alle ihre Baustellen. Außer vielleicht Brasilien, das zudem den Vorteil hat, im eigenen Land vor eigenem Publikum anzutreten.

Deutschland erreicht also das Endspiel?

Asamoah : Ich war selbst bei der deutschen Nationalmannschaft dabei. Und ich weiß, wir sind fokussiert, wir werden alles dafür tun, dass wir ins Finale kommen, deswegen glaube ich, dass wir das auch schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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