thumbnail Hallo,

Horst Eckel zu deutschen WM-Chancen: "Glück gehört immer dazu"

Horst Eckel, Weltmeister von 1954, erinnert sich an das damalige WM-Viertelfinale gegen Jugoslawien und sieht Brasilien sowie Deutschland als WM-Favoriten.

Berlin. Es lief zwar schon die 85. Minute, dennoch schlug Helmut Rahn zu. Nach einem langen Ball von Werner Liebrich sprang dieser einige Male auf, bis Rahn das Spielgerät an Schlussmann Vladimir Beara vorbei ins lange Eck jagte. Kurz darauf pfiff der ungarische Schiedsrichter Istvan Zolt ab, die deutsche Nationalmannschaft lag sich glücklich in den Armen, hatte man doch soeben das favorisierte Jugoslawien mit 2:0 geschlagen.

"Ein sehr schweres Spiel", erinnert sich Horst Eckel, einer der noch lebenden Weltmeister von 1954. Eine Partie, die heute im Schatten des 6:1-Halbfinals gegen Österreich und des Sensations-Triumphs gegen die Ungarn im Finale steht. Die Deutschen hatten sich nach dem 3:8 gegen Ungarn in der Vorrunde kontinuierlich gesteigert. "Wir haben mit vielen Ersatzspielern gespielt, weil Herberger sagte: Wenn wir das verlieren, können wir im Entscheidungsspiel gegen die Türken trotzdem weiterkommen. Da haben wir dann alles gegeben", erzählt Eckel gegenüber Goal.

Nach dem klaren 7:2 gegen die Türkei wartete im Viertelfinale von Genf Jugoslawien, das technisch weit stärker eingeschätzt wurde als die Deutschen. In den Reihen der Ballkünstler vom Balkan standen unter anderem der spätere Bayern-Trainer Branko Zebec oder Ivica Horvath, der zwischen 1971 und 1975 Schalke trainieren sollte. Star und Kapitän des Teams war Rajko Mitic von Roter Stern Belgrad.

"Hier die Kämpfer, da die Künstler"

"Zwei Mannschaften mit verschiedenen Anlagen, hier die Kämpfer, da die Künstler", beschrieb ein französischer Kommentator damals das Duell. Außenseiter Deutschland ging durch ein Kopfball-Eigentor von Horvath glücklich in Führung und musste gegen einen über weite Strecken überlegenen Gegner lange zäh verteidigen. Neben Torhüter Toni Turek kratzte einmal auch Werner Kohlmeyer den Ball von der Linie, ehe der "Boss", Rahn, nach einem Konter in der 85. Minute das 2:0 erzielte.

"Danach haben wir noch nicht daran geglaubt, dass wir Weltmeister werden können. Aber uns wurde klar, dass das Endspiel machbar ist." Im Halbfinale schaltete die Herberger-Elf dann das einstige "Wunderteam" aus Österreich aus. "Danach ist der Glaube weiter gewachsen", so Eckel. Im Finale lag man gegen Ungarn, den turmhohen Favoriten, früh zurück, schaffte aber noch vor der Halbzeit den Ausgleich zum 2:2.

Es blieb Rahn schließlich vorbehalten, das "Wunder von Bern" endgültig zu begründen. Wieder schlug er spät zu, wie schon gegen Jugoslawien, diesmal in der 84. Minute.

Die Prognose für die WM 2014:

Horst Eckel über ...

... seine Favoriten: "Brasilien und Deutschland, das sind die zwei Mannschaften, bei denen ich sage: Einer von denen wird Weltmeister."

... das entscheidende Element: "Bei solchen Turnieren gehört immer auch etwas Glück dazu. Vielleicht ist das Klima ein kleiner Vorteil für die Gastgeber. Im Voraus lässt sich sowas kaum sagen. Wenn die WM läuft, sieht man erst, was geht, und was nicht."

Dazugehörig