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Günter Kutowski vor Pokalfinale: Bayern und Dortmund "auf Augenhöhe"

Vor dem DFB-Pokalfinale zwischen Dortmund und dem FC Bayern sprachen wir mit Günter Kutowski über das System Guardiola, die Feier nach einem Pokalsieg und die Chancen des BVB.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Stefan Döring

Am Samstag trifft Borussia Dortmund bereits zum dritten großen Finale in drei Jahren auf den FC Bayern München. Ab 20 Uhr (LIVE-TICKER bei Goal) geht es im Berliner Olympiastadion um den DFB-Pokal. Wir sprachen mit dem ehemaligen Borussen Günter Kutowski, der die Trophäe im Jahr 1989 in die Luft recken durfte. Bei den Fans des BVB ist er auch als "Kutte" bekannt. In unserem Interview erklärt er, warum es gut für den BVB war, Robert Lewandowski zu halten, weshalb auch der FC Bayern einmal eine schwächere Phase hat und warum Kevin Großkreutz mit zur WM muss.

Herr Kutowski, was erwarten Sie am Samstag für ein Spiel?

Kutowski: Es wird ein Spiel auf hohem Niveau. Der FC Bayern hat eine super Saison gespielt und der BVB ist aktuell in einer guten Verfassung. Ich glaube, es wird ein spannendes, packendes und sehr gutes Pokalendspiel.

Sie haben es angesprochen: Der BVB kommt mit Schwung, der FC Bayern mit der Deutschen Meisterschaft im Rücken. Ist eine Mannschaft im Vorteil?

Kutowski: Nein, überhaupt nicht. Ich sehe beide Mannschaften auf Augenhöhe, deshalb erwarte ich ein sehr spannendes Spiel.

Der BVB sieht in den letzten Jahren meistens ganz gut in den direkten Duellen aus. Wie kann man das erklären?

Kutowski: Man hat in den letzten Jahren einiges an Schwung aufgenommen. Ganz Deutschland ist glaube ich froh, dass es eine Mannschaft gibt, die dem FC Bayern Paroli bieten und ein bisschen ärgern kann. Das ist eine Position, mit der Dortmund ganz gut leben kann. Das machen sie auch gut.

Wie sehen Sie die Saison des FC Bayern auf die gesamte Distanz, nachdem sich in den letzten Wochen ein paar Unstimmigkeiten eingeschlichen haben?

Kutowski: Ich denke, es ist vollkommen normal, dass eine Mannschaft, die einen Titel auf ganz souveräne Weise geholt hat, versucht mit minimalem Aufwand sich auf die wichtigen Spiele vorzubereiten. Das ist einigermaßen verständlich. Sie haben den Fokus einfach auf andere Dinge gelegt. Das hat jetzt nicht ganz funktioniert. Trotzdem kann man Ihnen keinen Vorwurf machen.

Günter "Kutte" Kutowski - Legende beim BVB
In der Bundesliga: Von 1984 bis 1996

Vereine in Deutschland: Borussia Dortmund, Rot-Weiss Essen, SC Paderborn

Einsätze: 416

Tore: 8

Erfolge: DFB-Pokal 1989, Deutscher Meister 1995 und 1996

Günter Kutowski

Der gebürtige Paderborner verbrachte die meisten Jahre seiner Karriere bei Borussia Dortmund. Dort feierte er auch seine größten Erfolge. Im Jahr 1989 holte er in Berlin völlig überraschend mit den Schwarz-Gelben den Titel im DFB-Pokal. Bei den beiden deutschen Meisterschaften 1995 und 1996 wurde er nur noch sporadisch eingesetzt. Nach dem zweiten Titel 1996 verließ er Borussia Dortmund und kehrte in seine Heimatstadt Paderborn zum SC zurück.

Hat Sie die Saison von Robert Lewandowski überrascht, der Borussia Dortmund eigentlich schon vergangenen Sommer verlassen wollte?

Kutowski: Ich kann den Verantwortlichen beim BVB nur gratulieren, dass sie ihn nicht hergegeben haben und ihn noch ein Jahr weiter in Dortmund halten konnten. Er ist für mich ein überragender Fußballspieler und im Moment der kompletteste Stürmer. Von daher hat es mich nicht überrascht, dass er eine gute Saison spielt.

Am Wochenende sind einige Spieler auf beiden Seiten angeschlagen beziehungsweise sogar verletzt. Wie werden die Mannschaften sich präsentieren?

Kutowski: Ich glaube, dass es der FC Bayern mit dem System Guardiola - also mit viel Ballbesitz - auch im Pokal-Endspiel versuchen wird. Der Schlüssel liegt darin, dass der BVB im Abwehrbereich des FC Bayern schnell zum Ballgewinn kommen und dann fix umschalten kann. Da liegen die Chancen für den BVB, so können sie den Gegner unter Druck setzen.

Sie persönlich durften den DFB-Pokal 1989 in den Berliner Himmel recken. Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Tag?

Kutowski: Wir waren krasser Außenseiter, man hat uns nicht viel zugetraut. Wir haben an dem Tag einfach gut funktioniert und uns nicht aufgegeben. Wir haben alles rein geworfen in das Spiel, die Stimmung war fantastisch. Es hat die Massen elektrisiert. Auch was nachher passiert ist, war überragend. Die Feierlichkeiten in Berlin oder die Rückkehr nach Dortmund waren schön. Vor allem aber, dass wir endlich wieder etwas in der Hand hatten - endlich wieder einen Pokal nach Dortmund geholt.

Sie haben die Feierlichkeiten angesprochen. Wie dürfen wir uns eine feiernde Pokalsieger-Mannschaft vorstellen?

Kutowski: Es herrscht eine riesen Begeisterung. Man genießt das Bad in der Menge, egal ob im Stadion oder in Dortmund. Die Saison ist abgeschlossen, man realisiert es aber sicherlich erst ein paar Tage später, was wirklich passiert ist. Man genießt die Zeit einfach.

Auch wenn Sie mit dem BVB noch zwei Deutsche Meisterschaften feiern durften, war der Pokalsieg der größte Triumph Ihrer Karriere?

Kutowski: Ja, für mich auf jeden Fall. Aber sicherlich auch für den einen oder anderen Spieler in der Mannschaft, weil es einfach unerwartet kam. Viele von uns hatten vorher noch nie etwas in der Hand gehabt. Ich war damals ein junger Spieler und man weiß nicht, was noch alles kommt. Außerdem stand ich über 90 Minuten auf dem Platz. Bei den Meisterschaften kam ich leider nur noch als Kurzarbeiter zum Einsatz.

Mal ein wenig Abseits vom Pokal-Endspiel. Überrascht Sie die erneut gute Saison von Kevin Großkreutz, der nun auch Chancen hat, zur WM zu fahren? Reicht es vielleicht sogar zum Stammspieler?

Kutowski: Das glaube ich nicht, aber für ihn ist es eine große Auszeichnung dabei zu sein. Man weiß, er gibt sein letztes Hemd für den Verein, ist durch und durch Schwarz-Gelb. Er hat sich auf allen Positionen, auf denen er gespielt hat, bewiesen. Vielleicht ist er nicht auf allen Positionen der Beste, aber er kann alle Positionen spielen. So einen Spieler brauchst du als Trainer und ich denke, Jürgen Klopp genießt es, ihn im Kader zu haben. Vor allem auch mit der Mentalität und seiner Power. Deshalb kann er auch bei der WM durchaus eine wichtige Rolle spielen.

Wir sprachen gerade über Lewandowski. Er wechselt und der BVB hat angeblich Ciro Immobile an der Angel. Wie bewerten Sie diesen Spieler?

Kutowski: Ich habe ihn leider nie über längere Zeit spielen sehen, kenne aber ein paar Ausschnitte. Ich kann ihn nicht zu 100 Prozent beurteilen, aber er ist ein interessanter Spieler, wenn er so eine Torquote aufweisen kann. Die Frage ist aber immer, ob so ein Spieler ins System passt. Lewandowski ist zurzeit nicht zu ersetzen, das muss die Mannschaft machen. Im Fußball sind aber letztendlich die Tore entscheidend, und wenn da jemand kommt, der sie macht, könnte er ein wertvoller Spieler werden.

Kommen wir zum Ende noch einmal zum Endspiel am Samstag. Wie geht es aus?

Kutowski: 5:0 würde mich freuen (lacht). Aber ich sagte ja, dass es zwei Mannschaften auf Augenhöhe sind. Deshalb wird es ein sehr enges Ergebnis. Ich tippe deshalb auf ein 2:1 für Dortmund.

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