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Wegen Formtief: Jens Keller fordert von Julian Draxler mehr Mut

In einem langen Einzelgespräch hat der Übungsleiter auf Julian Draxler einwirken können. Keller will, dass der 20-Jährige sein Spiel besser ausgleicht und wieder kreativ wird.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Noch zwei Spiele. Noch zwei Samstagnachmittage! Dann fallen die Entscheidungen um die internationalen Plätze und der geneigte Fußballfan erfährt, welche Mannschaft begleitet von den Tränen der eigenen Anhängerschaft aus der Bundesliga absteigt. Mittendrin ist dabei der FC Schalke 04, der versessen darum kämpft, den dritten Tabellenplatz zu halten. Noch haben die Königsblauen drei Punkte Vorsprung auf den Viertplatzierten Bayer Leverkusen. Hält Schalke die derzeitige Position, dann ist der direkte Einzug in die Gruppenphase der Champions League perfekt.

Doch dafür müssen die Hausaufgaben gemacht werden. Zuletzt setzte es zwei herbe Niederlagen für Königsblau. Vor dem vorletzten Showdown der Saison beim SC Freiburg haben wir von Goal uns Schalkes Fußballlehrer Jens Keller geschnappt. Im exklusiven Interview spricht er über die Ausgangslage, mögliches Muffensausen seiner "Rasselbande" und Julian Draxlers verlorenen Mut.

Herr Keller, warum wird Ihre Mannschaft den dritten Platz nicht mehr hergeben?

Keller: Weil sie bisher eine überragende Rückrunde gespielt hat und sich selbst belohnen will. Die Mannschaft hat hart für den aktuellen Tabellenplatz gearbeitet und noch alles selbst in der Hand. Wir wollen die direkte Qualifikation zur Champions League, das ist unser Ziel.

Der Trend sieht allerdings nicht gut aus. Zwei Niederlagen in Folge belasten das junge Team.

Keller: Die Jungs zweifeln nicht an sich, dennoch hat sich die Situation etwas verändert.

Woran machen Sie das fest?

Keller: Sie haben etwas erreicht und könnten es jetzt verlieren – manche Spieler verkrampfen dann vielleicht ein bisschen. Ich habe viele Einzelgespräche geführt und ihnen gesagt, dass die Lockerheit zurückkommt. Dass es Rückschläge gibt, ist völlig normal.

Eine kräftezehrende Saison neigt sich dem Ende entgegen. Wie können Sie dafür sorgen, dass der Kopf mancher Spieler nicht müde wird?

Keller: Keine Frage, der Effekt tritt auch mal ein. Beim Spiel gegen Gladbach war klar: Wer das erste Tor schießt, hat gleichzeitig gute Chancen, das Spiel zu gewinnen. Beide Teams haben sich etwas neutralisiert, weil gut nach hinten gearbeitet wurde. Max Meyer ist vorne unser Ideengeber, aber der Junge hat für sein Alter wahnsinnig viel gespielt. Da merkt man natürlich eine gewisse Müdigkeit. Allerdings wird auch er sich in den letzten beiden Spielen noch mal durchbeißen und zu alter Stärke finden.

 

Ein Spieler, der in dieser Saison zu kämpfen hat, ist Julian Draxler ...

Keller: Ich habe diese Woche sehr lange mit Julian gesprochen.

Er spielt anders. Kommt er damit noch nicht zurecht oder was macht er derzeit falsch?

Keller: Er hat sein Spiel umgestellt, das ist richtig. Läuferisch hat er stets Topwerte, er ist sehr viel unterwegs. Als ich mit ihm gesprochen habe, habe ich ihm gesagt, dass das Fußballerische nicht zu kurz kommen darf. Er läuft zwar sehr viel, aber in den entscheidenden Situationen hat er nicht mehr den Mut gezeigt, der ihn auszeichnet.

Bei ihm ist der Spielwitz nicht mehr so spürbar, wie es sonst der Fall war. Wie haben Sie auf ihn einwirken können?

Keller: Ja. Das kreative Momentum ist ein wenig verloren gegangen, oder er brach im Eins-gegen-Eins ab. Das habe ich ihm anhand von Videosequenzen gezeigt und er sieht es genauso wie ich. Was wir von ihm brauchen, ist dieses Besondere, das er ohne Zweifel besitzt.

Für Schalke 04 ist auch Kevin-Prince Boateng besonders. Er war eingeplant für die Spielmacherrolle. Bleibt es dabei oder wie planen Sie zukünftig mit ihm?

Keller: Die Zukunft interessiert uns jetzt noch nicht. Entscheidend ist die Gegenwart, das Hier und Jetzt. Samstag haben wir ein sehr wichtiges Spiel in Freiburg und danach den Abschluss gegen Nürnberg. In der Vorbereitung auf die kommende Saison müssen wir erstmal abwarten, welche Spieler uns wieder zur Verfügung stehen. Dann entscheide ich, was wir machen werden. Augenblicklich spielt er auf der Doppelsechs, das ist die derzeit beste Option.