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Christopher Schorch: "Wenn jemand Real schlagen kann, dann ist es der FC Bayern"

Goal sprach mit Christopher Schorch über das Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und Real Madrid, den 1. FC Köln und seine aktuelle Situation beim VfL Bochum.

EXKLUSIV
Das Gespräch führte Stefan Döring

Einst galt Christopher Schorch als eines der hoffnungsvollsten Talente des Landes. Als 17-Jähriger wechselte er nach gerade einmal 13 Einsatzminuten für Hertha BSC in der Bundesliga zur zweiten Mannschaft von Real Madrid. Einige Rückschläge später kämpft er sich im Regionalliga-Team des VfL Bochum zurück in den Fokus. Am Dienstag gastieren seine ehemaligen Teamkollegen und Freunde in der Champions League beim FC Bayern. Vor dem Halbfinal-Rückspiel (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) gibt Schorch (25) bei Goal seine Einschätzung ab.

Christopher, der FC Bayern empfängt Real Madrid zum Rückspiel im Champions-League-Halbfinale. Wo schaust Du das Spiel?

Christopher Schorch: Ich hoffe in der Allianz Arena. Ich habe zwei Karten und möchte mit meiner Frau da hin. Ich habe beim VfL Bochum aber zweimal Training. Ich glaube, es wird ein Spektakel, deshalb möchte ich dabei sein.

Wie schätzt Du Real Madrid ein?

Schorch: Cristiano Ronaldo ist richtig gut drauf, er hat wieder geknipst. Mit Gareth Bale haben sie eine wahnsinnige Geschwindigkeit. Ein Tor könnte für sie reichen, ich glaube nicht, dass sie sich abfertigen lassen.

Real Madrid führt nach dem Hinspiel gegen Bayern München mit 1:0 - hat der Titelverteidiger überhaupt eine Chance das Finale zu erreichen?

Schorch: Natürlich haben sie eine Chance. Allerdings sind sie nicht mehr so stark, wie vor drei, vier Wochen. Seitdem die Meisterschaft durch ist, haben die einen kleinen Leistungsknick bekommen. Vor acht Wochen hätte Real gegen Bayern keine Chance gehabt, nun ist die Chance für Madrid da. Wenn es aber für jemanden möglich ist, Real zu schlagen, dann für Bayern München.

Doch einfach wird es sicherlich nicht, zumal Pepe und Sergio Ramos seit Wochen in Topform spielen. Du als Innenverteidiger, wie schätzt Du die beiden ein?

Schorch: Für mich ist Ramos der beste Innenverteidiger der Welt. Er ist einfach der kompletteste Spieler. Ich glaube aber, wenn Bayern im Rückspiel mit einem kleinen, beweglichen Spieler wie Mario Götze vorne drin spielt, wird es schwieriger. Ein kleiner, wendiger Spieler kann die Abwehr beschäftigen, du brauchst gegen Real keinen wuchtigen Stürmer, sondern eher einen, der auf engstem Raum mit dem Ball umgehen kann.

Ist die Real-Abwehr grundsätzlich aber trotzdem der des FC Bayern überlegen?

Schorch: Madrid hat schon eine starke Defensive. Wenn man gesehen hat, was Daniel Carvajal im Hinspiel hingelegt hat, das ist klasse. Er hat eine wirklich gute Entwicklung hingelegt. Ich bin sehr überrascht, sie spielen sehr konzentriert und haben durch Carlo Ancelotti das "Italiener-Gen". Man merkt, dass sie im Training einen Fokus auf die Abwehrarbeit legen.

Trotzdem ist das Prunkstück der Königlichen wohl die Offensive ...

Schorch: Ja, klar! Bale und Ronaldo bilden die beste Flügelzange der Welt. Wenn die beiden über die Außen kommen, herrscht ein unglaubliches Tempo - egal wer da spielt. Man hat gesehen, dass Rafinha Probleme war. Deshalb glaube ich auch, dass Philipp Lahm auf der Außenverteidigerposition spielen wird. Er hat mit seiner Erfahrung schon häufiger bewiesen, dass er Ronaldo stoppen kann. David Alaba auf der anderen Seite gehört zu den besten Außenverteidigern der Welt. Ich glaube aber, er wird gegen Bale auch Probleme bekommen. Ich glaube, der Waliser ist noch ein bisschen schneller als Ronaldo.

BALE GIBT DIE MARSCHROUTE VOR
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Das hat man ja nun auch eindrucksvoll im Finale der Copa del Rey gesehen.

Schorch: Genau das meine ich. Wie der Marc Bartra hat stehen lassen, war weltklasse. Der ist nun wirklich nicht langsam. Ich habe während meiner Zeit bei Real Madrid mehrfach gegen ihn gespielt.

Also siehst Du Real Madrid durchaus im Vorteil gegenüber dem FC Bayern?

Schorch: Ja, auch wenn wir alle Deutsche sind, wie Thomas Müller es formuliert hat. Madrid hat einfach eine fantastische Mannschaft. Alleine, wenn man Luka Modric im Hinspiel gesehen hat. Das war die beste Leistung, die ich von ihm im weißen Trikot gesehen habe.

Du hast den Pokalsieg gerade angesprochen. Wie viel Extra-Motivation steckt in dem Sieg?

Schorch: Sehr viel. Wenn du Barca schlägst, hast du einen der besten Vereine der Welt geschlagen. Real, Barca und Bayern sind das Maß aller Dinge und wenn du dann den ewigen Rivalen, der jahrelang voraus war, schlägst, tut dir das gut.

Die Königlichen haben in der Champions-League-Saison nunmehr gegen die ersten drei Mannschaften Deutschlands gespielt und mindestens je ein Spiel gewonnen. Ist die Bundesliga doch nicht so stark?

Schorch: Die Bundesliga ist die schönste Liga. Von den Stadien und der Atmosphäre kann nur England mithalten. Hier sind die Stadien ausverkauft und die Stimmung ist bombastisch. In den Spielen haben Einzelspieler den Unterschied gemacht. Ronaldo hat Schalke ausgeschaltet, Dortmund hatte etwas Pech. Das ist tagesformabhängig. Die Bundesliga ist aber attraktiver zum Spielen, sie ist im Kollektiv stärker. An die Topteams aus Spanien kommt aber keine Mannschaft aus Deutschland ran - auch der FC Bayern nicht.

Wenn wir über die Bundesliga sprechen, müssen wir auch über Deinen Ex-Verein, den 1.FC Köln sprechen. Die haben gerade den Aufstieg geschafft und Du hast dich mit denen gefreut, warum?

Schorch: Ich hatte beim FC eine gute Zeit - sportlich und auch menschlich. Es ist eine Liebe zu der Stadt und den Fans entstanden, ich habe hier meine Frau kennengelernt und geheiratet. Es ist ein toller Verein und die Fans haben es einfach verdient, in der ersten Liga zu spielen. 40.000 Zuschauer in der zweiten Liga - das ist einfach genial! Wenn man so drauf ist, hat man es auch verdient, oben gegen die großen Vereine zu spielen.

 

 

Liegt der Erfolg nur an Peter Stöger oder an dem "neuen" FC inklusive Vorstand, Sportdirektor, Trainer und Mannschaft?

Schorch: Man muss das Gesamtkonzept sehen. Jörg Schmadtke ist absolut Gold wert für den Verein. Der Vorstand zerfleischt sich nicht gegenseitig, es ist endlich Ruhe im Verein. Und Stöger ist natürlich ein super Typ. Es stimmt aktuell einfach beim FC. Irgendwann würde ich auch gerne noch einmal für den Verein spielen.

Aktuell ist Dein Verein aber der VfL Bochum. Nach einem halben Jahr ohne Vertrag kämpfst Du dich mit guten Leistungen gerade wieder zurück und hast nun alle Partien der Rückrunde bestritten. Wie läuft es bei Dir?

Schorch: Ich habe gute Spiele für den Verein gemacht und bin im Prinzip auch recht zufrieden. Nur leider stimmen unsere Ergebnisse nicht immer. Wenn man sich nicht selbst belohnt, ist es für uns alle schwer. Ich versuche aber die Mannschaft immer mitzureißen und als etwas erfahrener Spieler den Jungs zu helfen. Ich bin froh, dass ich wieder mehrere Spiele am Stück machen kann. Ich habe jede Minute durchgespielt und die Liga ist nicht gerade schwach. Jetzt heißt es für uns bis zum Ende Gas geben und den Klassenerhalt schaffen.

Wie siehst Du deine Chance, demnächst in der ersten Mannschaft zu spielen?

Schorch: Ich muss meine Leistung bringen und will überzeugen. Dann kommt alles von alleine. Ich weiß, dass mich Klubs beobachten, aber will vernünftig arbeiten, meine gute Form halten und mich weiter verbessern. Man muss sich immer wieder motivieren, auch wenn es schwere Phasen gibt. Ich arbeite viel und will mich mit meinen Leistungen empfehlen.

Du hast einen großen ausländischen Verein in der Vita stehen, wovon viele Spieler nur träumen können. Am 5. Mai nimmst Du an der Preisverleihung der Initiative DEUTSCHER FUSSBALL BOTSCHATFER teil. Wie wichtig sind die deutschen Fußballer im Ausland für das Ansehen des Landes?

Schorch: Natürlich vertritt man sein Land auch im Ausland. Nehmen wir mal Sami Khedira: Er hat ein professionelles Auftreten nach außen sowohl privat, als auch auf dem Platz. Dort gibt er den Ton an, obwohl er bei einem großen Verein wie Real spielt. Dann engagiert er sich für soziale Projekte. Die Leute spricht das an, weil er eine nette, bodenständige Figur in der Öffentlichkeit ist. Ein Fußballer kann einfach viel bewegen, da kann aber noch viel mehr gemacht werden. Deshalb ist es schön, dass es diesen Preis gibt.

Du unterstützt auch soziale Projekte, das ist aber nicht so bekannt. Warum machst Du das selten öffentlich?

Schorch: Ich stelle mein Engagement nicht gerne zur Schau. Aber es ist wahr, jedes Jahr zu Weihnachten gehe ich zum Beispiel in verschiedene Kinderhospize und in Halle habe ich eine Kooperation mit einem Kinderheim, das ich auch finanziell unterstütze.

Was erwartest Du persönlich von der Preisverleihung?

Schorch: Ich freue mich darauf, viele interessante Gespräche zu führen, vielleicht auch neue Zusammenarbeiten anzuschieben. Ich bin sehr gespannt, wen man alles kennenlernen darf.

Kommen wir noch einmal auf die Champions League zurück. Auf welches Finale tippst Du?

Schorch: Ich glaube es wird Real Madrid gegen Chelsea und dann gewinnt Real. Erst holen sie den Pokal, dann die Champions League. Die Meisterschaft ist an Atletico vergeben - aber immerhin bleibt sie in Madrid.

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