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Sportrechtler sieht klaren Regelverstoß des FC Barcelona

Für den erfahrenen Sportrechtler Ian Lynam ist klar, dass es für Barcelona nur noch um die Höhe der Strafe gehen kann.

EXKLUSIV
Von Kris Voakes

Der FC Barcelona hat im Prinzip keine Chance, seiner Strafe für das Brechen von FIFA-Regeln zu umgehen. Dies erklärte ein Anwalt für Sportrecht im Gespräch mit Goal.

Die Blaugrana wurde in dieser Woche mit einer Transfersperre von zwei Perioden belegt, weil sie gegen Artikel 19 der Transfer-Richtlinien des Weltverbands verstoßen haben. Barcelona hatte Minderjährige von außerhalb der Europäischen Union nach Spanien geholt - und das ist verboten.

Barcelona will keinen Freispruch, sondern eine niedrigere Strafe

Barca hat seine Politik rund um das Training und die Bildungsmöglichkeiten rund um seine Jugendakademie La Masia in einem ersten Statement und auf einer Pressekonferenz mit Präsident Josep Maria Bartomeu vehement verteidigt. Allerdings versäumten es die Katalanen in zehn Fällen, die FIFA zu informieren und um Erlaubnis zu bitten. Deswegen kämpft der Klub nun einen rechtlichen Kampf, den er eigentlich nicht gewinnen kann. Dieser Meinung ist jedenfalls Ian Lynam, der Chef für Sportrecht bei der Kanzlei "Charles Russel" in London.

"In seinem Statement bestreitet Barcelona gar nicht, gegen Artikel 19 verstoßen zu haben. Der Klub wird sich also nicht verteidigen, indem er auf unschuldig plädiert", sagte Lynam Goal. "Vermutlich wird Barca argumentieren, die Strafe sei unverhältnismäßig. Die Verantwortlichen werden die angeführten Gründe als mildernde Umstände darstellen und damit erklären, dass die Strafe zu streng ausgefallen ist."

Der Artikel 19 wurde im Jahr 2010 novelliert und seitdem gilt, dass bei jeder Verpflichtung eines Nicht-EU-Spielers unter 18 Jahren die FIFA um Erlaubnis gefragt muss. Das hat Barca bei zehn Spielern in den letzten Jahren nicht getan und Lynam hält das für einen glasklaren Bruch der Regeln des Weltverbands.

"Barcas Argumentation ist völlig unerheblich"

"Es ist nun nicht mehr nur so, dass Barcelona beweisen muss, dass die Eltern der Spieler aus Gründen außerhalb des Fußballs nach Spanien ziehen", fügte Lynam hinzu. "Sie haben auch noch gegen den Artikel 19 verstoßen und die FIFA umgangen. Barcelona verteidigt sich nun, indem gesagt wird: 'Schaut, wie gut wir uns um diese Spieler kümmern.' Aber das ist in diesem Fall völlig unerheblich, denn sie hätten sich ursprünglich die Erlaubnis der FIFA einholen müssen."

Lynam weiter: "Ist es also ein klarer Fall? Ja, das denke ich. In ihrer Mitteilung bestreiten sie ihr Handeln nicht. Es geht also nur darum, wie hoch die Strafe ausfallen sollte."

Es ist nicht das erste Mal, dass Vereine wegen des Verstoßes gegen den Artikel 19 bestraft werden. Cadiz (2005) und der FC Midtjylland (2008) erhoben jeweils vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) EInspruch und beide Male wurde dieser abgewiesen. Barcas Fall ist nun allerdings der erste unter den modifizierten Regularien.

Die Katalanen haben nun 90 Tage Zeit, bei der FIFA Einspruch einzulegen. Anschließend würde der Fall vor dem CAS angehört. Die Sperre für Neuverpflichtungen während der nächsten beiden Transferperioden bliebe bis zur finalen Entscheidung ausgesetzt.

Zum Nachlesen: Barcelonas Pressekonferenz zur Transfersperre

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