thumbnail Hallo,

Jacques Zoua im Goal-Interview: "Ich fühle mich beim HSV zuhause"

Der 22-jährige Kameruner spricht vor dem Abstiegsduell des HSV beim VfB Stuttgart über seine Aufgabe als Stürmer, Tore und die Rolle des neuen Cheftrainers Mirko Slomka.

Hamburg. Er wirkt gelöst, als wir ihn zum Interview treffen. Dabei hat Jacques Zoua, 22, beim Hamburger SV keine einfache Zeit hinter sich. Weil ihm vor dem Tor die Kaltschnäuzigkeit fehlt, musste er sich sogar von den eigenen Anhängern Hohn und Spott gefallen lassen. Doch unter Mirko Slomka findet der Kameruner immer besser in Form und machte beim 2:1-Sieg über den 1. FC Nürnberg sein wohl bestes Spiel für den HSV.

Herr Zoua, Was ist Ihre Aufgabe als Stürmer im Spielsystem von Mirko Slomka?

Jacques Zoua: Beim HSV ist es meine Aufgabe in der Spitze als Anspielstation da zu sein. Sowohl lange und hohe als auch kurze Zuspiele versuche ich festzumachen und den Ball zu halten. Entweder bekomme ich selbst die Möglichkeit zum Torabschluss oder schaffe Chancen für meine Mitspieler. Wichtig ist, dass ich Kopfbälle und Zweikämpfe gewinne. Außerdem soll ich das Mittelfeld bei der Defensivarbeit unterstützen, damit sie Zeit zum Luftholen bekommen und wir mehr Druck auf den Gegner ausüben können.

Viele Experten messen die Leistung eines Stürmers an der Anzahl seiner geschossenen Tore. Sind Sie nach einem Sieg zufrieden, auch wenn Sie selbst kein Tor erzielt haben?

Zoua: Natürlich gehört das dazu, allerdings ist es eine Aufgabe der gesamten Mannschaft. Genau so wie wir gemeinsam verteidigen müssen. Wenn ich durch ein Tor, eine Vorlage oder Defensivarbeit zum Sieg beitragen kann, habe ich meine Aufgabe erfüllt. Es gibt mir das Gefühl, dass ich wichtig für die Mannschaft bin. Wer die Tore schießt, ist nicht entscheidend.

Lesen Sie, was in den Medien über Sie geschrieben wird?

Zoua: Ich versuche mich auf dem Laufenden zu halten. Viel Zeit dazu bleibt mir aber nicht. Wenn das Training vorbei ist, lasse ich mich behandeln, um schneller zu regenerieren. Meine Freunde erzählen mir meist, wenn über mich geschrieben wird. Im Profifußball steht man im Fokus, damit komme ich klar. Mit sachlicher und nachvollziehbarer Kritik setze ich mich gerne auseinander und versuche daraus zu lernen.

Was war für Sie die größte Umstellung, als sie vom FC Basel nach Hamburg in die Bundesliga gewechselt sind?

Zoua: Die Anpassung an das Tempo und die Qualität des Fußballs ist nicht einfach. Dieser Prozess ist bei mir noch nicht abgeschlossen, da es mein erstes Jahr in der Bundesliga ist. Die Erfahrungen, die ich sammeln darf, helfen mir dabei mich weiterzuentwickeln.

Bei einigen Fans des HSV haben Sie keinen einfachen Stand. Im Heimspiel gegen Frankfurt haben die Zuschauer nach einer vergebenen Torchance nach Artjoms Rudnevs gerufen. Bekommen Sie das mit?

Zoua: Nein, da ich mich voll auf das Spiel fokussiere. Wenn ich mich damit beschäftige, leidet die Konzentration und damit meine Leistung darunter.

Sie haben anschließend den entscheidenden Elfmeter herausgeholt, der zum 1:1 geführt hat. Hätten Sie ihn gern selbst geschossen?

Zoua: Als Stürmer möchte man immer ein Tor erzielen. Ich habe mich sehr gefreut und war erleichtert, als der Schiedsrichter einen Elfmeter für uns gepfiffen hat. Ich hätte keine Angst davor gehabt, selbst zu schießen. Hakan ist allerdings ein sehr sicherer Schütze und ich habe ihm voll vertraut, dass er ihn für uns reinmacht.

Das Spiel gegen Nürnberg am vergangenen Wochenende war eines Ihrer besten Spiele beim HSV. Woran liegt es, dass es nun insgesamt besser läuft?

Zoua: Wir haben sehr konzentriert und hart für diesen Erfolg gearbeitet. Mit Sicherheit hat Mirko Slomka einen großen Anteil daran. Er ist ein guter Trainer, spricht viel und schenkt uns Vertrauen. Das ist sehr wichtig in dieser Phase.

Noch vor einigen Wochen wurden Sie von einigen aufgebrachten Fans nach der Niederlage gegen Hertha BSC mit Eiern und Bierbechern beworfen. Gab es vonseiten der Beteiligten eine Entschuldigung dafür?

Zoua: Das Thema ist für mich abgehakt. Ich schaue nur nach vorn.

Der HSV steht nach langer Zeit wieder auf einem Nichtabstiegsplatz. Wie würden Sie die Stimmung innerhalb des Vereins beschreiben?

Zoua: Ich spüre eine gewisse Erleichterung bei den Menschen in der Stadt. Wir Spieler bleiben jedoch weiterhin hoch konzentriert, weil wir wissen, dass noch einige wichtige Aufgaben vor uns stehen.

Wie haben Sie sich bislang grundsätzlich in der Großstadt Hamburg zurechtgefunden?

Zoua: Es gab einige Probleme, als ich meine Familie mit nach Hamburg nehmen wollte. In der Anfangszeit habe ich mich alleine gefühlt, das ist normal. Die Menschen im Verein und in der Stadt unterstützen mich, sodass ich mich schnell eingelebt habe.

Ist es wichtig für Ihre Leistungsfähigkeit vertraute Personen um sich zu haben?

Zoua: Auf jeden Fall. Ich brauche die Umgebung von Menschen, denen ich vertrauen kann. Das spüre ich insbesondere vom Trainer und versuche es mit guter Leistung zurückzuzahlen.

Haben Sie Freunde in der Mannschaft?

Zoua: Im Vergleich zu meinen bisherigen Stationen ist es sehr familiär beim HSV. Ich verstehe mich mit jedem gut und habe das Gefühl hier Zuhause zu sein. Mit Hakan, Johan, Jonathan und Michael unternehme ich auch privat viel.

Sprechen Sie außerhalb des Platzes oft über die Situation beim HSV?

Zoua: Wir kommen immer wieder sehr schnell zu diesem Thema. Natürlich wollen wir so schnell wie möglich für Ruhe sorgen und den Klassenerhalt schaffen. Im Moment beschäftigt uns nichts anderes.

Abschließend: Warum steigt der HSV in dieser Saison nicht ab?

Zoua: Weil jeder hier jeden Tag hart dafür arbeitet, um in der ersten Liga zu bleiben. Ich kann den Willen bei allen in den Augen sehen. Außerdem haben alle Trainer eine gute Arbeit geleistet, wodurch wir uns weiterentwickeln. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen.

Dazugehörig