thumbnail Hallo,

Christopher Schorch: "Ronaldo ist eine Maschine"

Goal sprach vor dem Spiel der Schalker bei Real mit Christopher Schorch über seine Zeit bei den Königlichen, die "Maschine" Ronaldo sowie seine Freundschaft zu Guti und Raul.

EXKLUSIV
Das Gespräch führte Stefan Döring

Christopher Schorch galt vor ein paar Jahren als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Als 17-Jähriger wechselte er nach gerade einmal 13 Einsatzminuten für Hertha BSC in der Bundesliga zur zweiten Mannschaft von Real Madrid. Nach mehreren schweren Verletzungen und einem halben Jahr als vertragsloser Spieler nimmt er nun einen neuen Anlauf in der Regionalligamannschaft des VfL Bochum. Am Dienstag spielen seine ehemaligen Teamkollegen und Freunde in der Champions League gegeneinander, wenn Real Madrid den FC Schalke 04 empfängt.

Christopher, nach mehreren Verletzungen und einem halben Jahr ohne Vertrag nimmst Du gerade einen neuen Anlauf beim VfL Bochum. Wie geht es Dir momentan?

Schorch: Im Moment läuft alles relativ gut für mich. Ich habe fünf Spiele gemacht und keine Probleme. Ich merke nichts am Knie und habe auch keine muskulären Beschwerden. Ich bin wieder gut drauf, freue mich, mit viel Spaß und Dynamik wieder kicken zu können.

Du warst lange außer Gefecht gesetzt. Hast Du in der Zeit auch darüber nachgedacht, die Karriere zu beenden?

Schorch: Nein, der Gedanke war nicht da. Aber die Angst, dass es vielleicht nicht mehr geht, war in den ersten Wochen schon präsent, weil alles ungewiss war. Wenn man dann wieder anfängt zu laufen, merkt man schnell, dass alles wieder gut ist.

Nach vier Spielen hast Du auch schon zwei Mal getroffen – bist Du auf dem Weg, wieder der Alte zu werden?

Schorch: Mein primäres Ziel ist, konstant zu spielen und gute Leistungen zu zeigen. Ich will die Jungs motivieren und wir wollen den Abstieg vermeiden, das ist das Ziel für den VfL Bochum. Für mich habe ich einen Plan und ich hoffe, dass das alles so eintritt. Ich hoffe, dass das hier alles positiv wird, weil der VfL ein guter Klub ist. Ich fühle mich hier gut aufgehoben. Ich werde gut behandelt und es macht Spaß, hier zu spielen.

Nicht nur die Regionalligamannschaft des VfL Bochum hat aktuell Abstiegssorgen, sondern auch das Team von Peter Neururer. Schafft er es, den Abstieg zu verhindern?

Schorch: Davon gehe ich fest aus. Der VfL hat eine gute Qualität. Derzeit sind sie in einer Negativspirale drin und es ist immer schwierig da herauszukommen. Und was ich mitbekomme, ist alles positiv. Die Mannschaft ist willig. Manchmal muss man sich das Glück erarbeiten. Peter Neururer ist aber der richtige Trainer und er hat es letztes Jahr bereits bewiesen. Man muss jetzt einfach den nächsten Schritt machen.

Mit 17 Jahren bist Du von Hertha BSC zu Real Madrid gewechselt. Wie kam es in dem Alter dazu?

Schorch: Es war damals so, dass ich die Chance hatte, in Berlin zu verlängern und das definitiv gerne gemacht hätte. Ich habe mich da wohlgefühlt, es war immer meine zweite Heimat. Ich habe da viele Freunde gehabt und meine Familie. Dann hat sich aber Real Madrid bei mir gemeldet. Die Chance hat man wahrscheinlich nur einmal. Wie es damals allerdings abgelaufen ist, war nicht glücklich von beiden Parteien. Im Nachhinein war die Sache dann aber auch vergessen.

Also ist das "Kriegsbeil" begraben?

Schorch: Natürlich! Es gab aber damals eine Flucht der jungen Spieler. Wir sind ja alle damals gegangen. Ob es Kevin-Prince Boateng, Jerome Boateng oder Ashkan Dejagah war, wir sind ja alle gewechselt. Es hat vielleicht nicht sein sollen. Wäre es nicht so gewesen, hätten wir wohl eine riesen Mannschaft gehabt.

Blickst Du heute etwas wehmütig auf die Karrieren, die zum Beispiel die Boateng-Brüder eingeschlagen haben?

Schorch: Ich freue mich riesig für die Jungs. Wir sind alle befreundet, ich saß in der Schule neben Jerome, wir sind zusammen Meister geworden. Ich freue mich für jeden, wenn er gut kickt – übrigens auch für Christopher Samba, der in England eine gute Karriere hingelegt hat und jetzt bei Anzhi spielt. Wir waren wie Brüder. Bei den beiden ist alles optimal gelaufen. Kevin war damals auch am Scheideweg, als er bei Portsmouth war, aber hat dann eine großartige WM gespielt und es wurde alles in die richtigen Bahnen gelenkt. Ich habe aber noch ein bisschen mehr Zeit, bin ein Jahr jünger. Ich glaube zwar nicht, dass ich die Champions League gewinne, aber jeder hat seine Ziele.

Dann kam für dich aber die Zeit in Spanien. Was ist Dir vor allem in Erinnerung geblieben?

Schorch: Allein wie ich empfangen wurde: Ich kam als 17-Jähriger und wurde von 50 Journalisten empfangen. Ich dachte, dass die wegen jemand anderem gekommen wären. Aber insgesamt dieses Familiäre, was man heute noch spürt. Es wird immer wieder nachgefragt, wie es einem geht. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Wie wird der deutsche Fußball denn in Spanien gesehen?

Schorch: Die deutschen Tugenden sind da sehr angesehen. Mich haben sie auch immer "El Aleman" gerufen und nicht Christopher, weil ich zweikampfstark war und kompromisslos in die Zweikämpfe gegangen bin. In Spanien wurde ja eher der Tiki-Taka-Fußball gespielt, aber man hat gemerkt, dass der Fußball sich in Deutschland verbessert hat. Die Spanier können sich zum Beispiel etwas von unserer Kompaktheit abschneiden.

Gibt es große Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland?

Schorch: Das Leben in Spanien war einfach. Real Madrid hat sich super um uns gekümmert, hat uns Nachhilfelehrer gestellt. Nach einem halben Jahr konnte ich Spanisch sprechen und das hat die Eingewöhnungsphase viel leichter gemacht, obwohl ich jung war und Heimweh hatte. Es waren zweieinhalb Jahre, die mich geprägt haben und mir wahnsinnig viel Spaß gemacht haben. Ich habe viele Freunde dazu gewonnen. Adam Szalai zum Beispiel ist einer meiner besten Freunde. Von Raul wurde ich zum Abschiedsspiel gegen Schalke eingeladen. Der Kontakt besteht einfach, man schreibt sich ab und zu.

Wählt den Deutschen Fußball-Botschafter 2014: Hier geht's zum Voting!

Dir wird aber auch nachgesagt, dass Du einen guten Kontakt zu der Real-Legende Guti hattest. Wie kam es dazu?

Schorch: Das kam damals durch das Thema Mode. Ich bin rumgelaufen wie ein kleiner Gangster und er hat mich dann ein wenig an die Hand genommen. Er hat mir abseits des Platzes geholfen. Ich war nie alleine, obwohl ich mit 17 Jahren ohne Familie in Madrid war. Ich hatte immer das Gefühl dazuzugehören. Er hat mir viel geholfen.

Auch Cristiano Ronaldo durftest Du kennenlernen. Man hört ja viel über ihn – er sei eitel oder eingebildet. Wie hast Du ihn erlebt?

Schorch: Wir haben das gar nicht so wahrgenommen. In der Kabine hat er keine großen Ansprüche gestellt. Er hat sich normal bei mir vorgestellt. Du hast einfach in der Zeit auch seine Menschlichkeit gemerkt. Ich bin ein großer Ronaldo-Fan, weil ich weiß, was er alles noch zusätzlich zum normalen Training macht. Er hat es verdient Weltfußballer zu werden, er ist eine Maschine. Er ist auf und neben dem Platz ein Vollprofi und als Mensch einfach super.

Schorchs bisherige Karriere
Verein
Hertha BSC
(Jugend bis 2007)

Real Madrid "B"
(2007-2009)

1. FC Köln
(2009-2013)

Energie Cottbus
(2012-Leihe)

VfL Bochum II
(seit Winter 2013/2014)
Spiele
26


27


32


10


5


Tore
0


0


2


0


2


Am Dienstag spielen einige deiner ehemaligen Teamkollegen in der Champions League gegeneinander, wenn Real Madrid auf den FC Schalke trifft. Wie wird Schalke sich verkaufen?

Schorch: Ich war im Hinspiel schon auf Schalke zu Besuch. Das war eine super Kulisse, super Stimmung. Das Ergebnis war dann letztendlich viel zu hoch aus Schalker Sicht, aber was Real gespielt hat, war der Wahnsinn. Die haben gespielt, als ob die noch einmal einen Gang hochgeschaltet haben – das ging alles ratz fatz, wie sie durch die Abwehr gelaufen sind. Es war klar, dass es nicht auf Augenhöhe ablaufen kann, aber ich hatte für Schalke gehofft, dass es zu Hause mit viel Kampf und viel Glück zu schaffen ist. Nun fahren sie ins Bernabeu. Einige haben da eine Vergangenheit, es ist aber für alle ein Highlight. Aber es ist schade, dass die Spannung schon raus ist.

Wie schätzt Du denn die Mannschaft von Schalke 04 ein?

Schorch: Für mich ist Schalke ein toller Verein mit vielen guten Einzelspielern. Aber die Königsklasse ist immer noch ein anderes Kaliber und es ist schade, dass sie direkt Real Madrid bekommen haben. Wenn vielleicht Real eine Runde später gekommen wäre, hätte ich mich für die einzelnen Spieler noch mehr gefreut. Aber ich persönlich hoffe, dass es kein Schaulaufen mehr wird, sondern, dass Schalke die Bundesliga noch mal ordentlich vertritt. Die Bundesliga ist für mich nämlich die stärkste Liga, die es gibt.

Wenn Du heute auf deine bisherige Karriere zurückblickst. Wann hattest Du das Gefühl, dass Du es als Fußballprofi wirklich schaffen kannst?

Schorch: Das war, als ich aus Spanien zum 1. FC Köln gewechselt bin. Ich hätte damals auch in Madrid bleiben können, aber ich wollte den nächsten Schritt machen. Ich wollte nicht weiter für die zweite Mannschaft spielen, sondern in die erste Liga, auch wenn Real das eigentlich gar nicht zulassen wollte. Sie haben mir damals gesagt, sie planen fest mit mir aber ich bräuchte noch Zeit. Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn ich geblieben wäre. Ich hatte aber immer Kontakt zu Michael Meier und Christoph Daum, deswegen war Köln für mich der logische Schritt. Ich habe mich sofort in der Bundesliga etabliert, Leistung gezeigt. Leider kam dann die blöde Kreuzbandverletzung, als ich bei der U20-Nationalmannschaft war. Aber wer weiß, wofür das gut war.

Du hast die Nationalmannschaft schon angesprochen. Im Sommer ist die WM in Brasilien – kann Deutschland den Titel holen?

Schorch: Auf alle Fälle, der Kader ist sehr stark. Das Tief kommt vielleicht zur richtigen Zeit. So hat jeder Zeit, zu arbeiten und zu zeigen, wo die Stärken liegen. Mesut Özil zum Beispiel hat in den letzten Monaten so viele Spiele gemacht wie nie. Es ist alles eine Umstellung und deshalb konnte ich die Pfiffe nach dem Länderspiel gegen Chile auch nicht nachvollziehen. Er wurde als bester Nationalspieler ausgezeichnet und das kommt nicht von ungefähr. Auch wenn man mal ein Tief hat, das ist menschlich und es zeigt, dass wir keine Roboter sind.

Du warst in einer Zeit im Ausland, als nicht viele deutsche Fußballer in den europäischen Ligen spielten. Inzwischen ist das anders. Gibt es für dich einen typischen Botschafter des deutschen Fußballs?

Schorch: Das ist schwierig. Ich würde Sami Khedira sagen. Er ist bei Real Madrid absoluter Stammspieler. Auch wenn er jetzt verletzt ist, sieht man, welchen tollen Charakter er hat. Auch vom Kopf her ist er wahnsinnig stark – so wie er mit der Verletzung umgeht.

Folge Stefan Döring auf

EURE MEINUNG: Kann der FC Schalke im Bernabeu gewinnen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig