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Emre Güral ist bei Eintracht Frankfurt groß geworden und startet jetzt in der Türkei durch. Gegen Juventus Turin hofft der Ronaldo-Fan auf ein Weiterkommen.

EXKLUSIV
Von Rafael Corradino

Turin. Hannover 96 wollte ihn, mittlerweile geht Emre Güral aber für Trabzonspor in der Türkei erfolgreich auf Torejagd und rettet dem Erstligisten seit Dezember einen Punkt nach dem anderen. Nun wartet Juventus in der Europa League. Goal hat vor dem Knaller mit dem Youngster gesprochen.

Vielen deutschen Fans wird Güral noch wegen seines Lattenknallers gegen Hannover im DFB-Pokal 2010/2011 in Erinnerung geblieben sein. Mit Elversberg sorgte er gegen den Bundesligisten im Elfmeterschießen für die große Überraschung der ersten Runde. In der Türkei ist er seit Dezember der absolute Shootingstar.


Emre, spätestens seit Deinem Treffer gegen Besiktas haben Dich alle auf dem Schirm. Wie fühlst Du Dich bei der ganzen Aufmerksamkeit? Was traust Du Dir noch zu?

Güral: Das ist natürlich ein geiles Gefühl. Mit diesem Tor geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Die Aufmerksamkeit ist natürlich etwas Schönes, auch weil von mir sehr viel erwartet wird und mir die Fans vertrauen. Das treibt mich nach vorne. Ich traue mir noch sehr viel zu, zumal ich mir sehr hohe Ziele gesteckt habe, für die ich hart arbeite.

Dein Papa hat früher selbst gekickt und Dich gefördert. Ist das heute noch so? Motiviert er Dich weiter?

Güral: Mein Vater ist mit der Hauptgrund dafür, dass ich es so weit gepackt habe. Mein größter Förderer, Helfer und auch größter Kritiker war und ist er noch immer. Natürlich nicht zu vergessen: Meine Mutter und meine Schwester, die immer hinter mir gestanden und mir den Rücken gestärkt haben und es noch tun.


"Ich traue mir noch sehr viel zu, zumal ich mir hohe Ziele gesteckt habe"
Emre Güral

Trabzonspor schnuppert an den Europacup-Plätzen, vor allem vor heimischem Publikum seid ihr eine Macht. Was ist für euch in dieser Saison drin?

Güral: Zu Hause haben wir sehr lange nicht verloren, sind sogar auf Rekordkurs. Auswärts hapert es noch an Kleinigkeiten, da müssen wir mehr Punkte einfahren. Es sind aber noch einige Spiele zu spielen, da ist noch Luft nach oben.

Wie siehst Du generell die Entwicklung von Trabzonspor? Geht es stetig bergauf, erkennst du eine klare Linie?

Güral: Zu Hause wollen wir uns als Macht geben. Auswärts haben wir zu viele Spiele unnötig hergegeben - das ist das Manko. Ich denke aber, dass es auch auswärts wieder klappen wird, denn die Qualität in unserer Mannschaft ist groß.

 
In der Europa League wartet Juventus auf euch. Deine Gedanken zum Tabellenführer der Serie A? Wie schätzt Du eure Chancen ein?

Güral: Wir spielen gegen einen Topklub. Die haben Weltklasse-Spieler und eine Weltklasse-Mannschaft. Wir gehen da als Außenseiter ins Spiel, aber vor zwei Jahren hat Trabzonspor in der Champions-League-Gruppenphase gegen Inter Mailand einen Sieg und ein Unentschieden geholt. Jeder in unserer Mannschaft hat Respekt vor Juventus, aber Angst hat keiner. Wir spielen Fußball und haben auch erfahrene, hungrige Spieler. Außerdem sind es zwei Partien. Solche Spiele haben ihren eigenen Charakter, wir müssen und werden alles aus uns rausholen. Und dann schauen wir mal, wer da weiterkommt...

Was kann Deiner Meinung nach ein türkischer Spieler von einem deutschen Spieler lernen - und umgekehrt?

Güral: Ich werde natürlich oft gefragt, wie es in Deutschland war und welche Unterschiede es zur Türkei gibt. Ich denke, jeder kann von jedem was lernen. Da gibt es viele Sachen, die mir einfallen, aber ich denke ein Spanier, der von einem Deutschen was lernt, kann auch was von einem türkischen Spieler lernen und umgekehrt.

Bist Du froh, dass Du fußballerisch in Deutschland groß geworden bist?

Güral: Darüber bin ich sehr froh! Meine Ausbildung hatte ich acht Jahre lang bei Eintracht Frankfurt, darauf bin ich stolz. Die Ausbildung ist das A und O eines Spielers und ich hatte zum Glück eine sehr gute. Das waren sehr schöne und, wie man ja jetzt sehen kann, auch sehr hilfreiche Jahre, die mich immer noch prägen. Danke an mein Zuhause, der Eintracht!

Was hat Dich am meisten weitergebracht? An welchem Punkt hast du gedacht: "Jetzt kann ich es schaffen!"?

Güral: Meine stärksten Momente hatte ich dann, wenn ich am schwächsten war. Ich war oft an dem Punkt, an dem ich gesagt habe: "Emre, warum tust du dir das alles an?" Ich bin mit 16 von Zuhause ausgezogen, ich bin zu Greuther Fürth ins Internat, weg von Familie, Freunden, etc. In schwierigen Zeiten kamen mir immer meine Eltern in den Sinn. Nachdem, was sie alles für mich gemacht haben, mir beiseite gestanden, mit mir gelitten haben, wenn es nicht lief, nachdem sie mir immer den Rücken gestärkt haben, hätte ich niemals aufgeben können. Dann kam in mir Ehrgeiz auf, ein noch größerer Wille, es unbedingt zu packen. Das waren dann die Momente, in denen ich gedacht habe: "Du kannst es nicht nur schaffen, du wirst es schaffen" - so Gott will natürlich.

Ein paar deutsche Fans haben sicher noch deinen Lattenkracher gegen Hannover in Erinnerung. Wurden deutsche Spitzenklubs da auf dich aufmerksam? Hattest du Hoffnungen auf den Sprung?

Güral: Das war schon ein ganz besonderes Spiel, zumal ich immer betont hatte, dass ich in die Bundesliga möchte. Als das Spiel dann vor der Tür stand, haben sich alle gefragt, ob ich es gegen diejenigen schaffe, die in der Liga spielen, von der ich geträumt habe. Ich wurde zum Mann des Abends gewählt, alle hatten es live mitbekommen. Mir war aber vor allem wichtig zu wissen, dass ich mithalten und es packen kann. Hannover wollte mich dann, auch Bayerns Amateure hatten zu der Zeit Interesse. Es sollte nicht sein, Gott hatte andere Pläne mit mir. Zum Lattenschuss, Grüße an Fromlowitz, da hat er ein wenig Glück gehabt!

Im Aufwind - 2012 wurde Güral mit der U23 der Türkei Zweiter beim Turnier von Toulon


War der Schritt in die Türkei für Dich die richtige Entscheidung? Gab es Momente, in denen du diesen Schritt bereut hast?

Güral: Ich bereue nichts davon. Ich habe alles sorgfältig geplant und wusste genau, was ich wollte. Viele haben sich gefragt, warum ich jetzt in die Türkei gehe. Das war für viele auch der Punkt, an dem sie gesagt haben, ich würde jetzt untergehen, man werde nichts mehr von mir hören. Aber siehe da, ich spiele international und in einer Liga mit Spielern wie Bosingwa, Malouda, Drogba, Kuyt und Sneijder.

Du hast bereits für die türkische U23 gespielt – wirst du Dich für die Türkei entscheiden, wenn es darauf ankommt, für welche Nationalmannschaft Du auflaufen sollst? Traust Du Dir den Sprung in die A-Nationalmannschaft zu?

Güral: Klar traue ich mir die A-Nationalmannschaft zu. Das ist eines meiner Ziele. Ich durfte das Trikot der türkischen U23-Nationalmannschaft anziehen und ich bin stolz darauf. Es ist für mich eine Ehre, mein Vaterland zu repräsentieren! Hoffentlich bald in der A-Nationalmannschaft.

Wer ist der beste Spieler, mit dem Du je zusammen gespielt hast?

Güral: Ich habe mit einigen guten Spielern zusammen gespielt. Marko Marin ist einer davon. Oder zurzeit Malouda und Bosingwa, das sind schon sehr starke Spieler, die viel erreicht haben.

Ist ein Teamkollege wie Florent Malouda ein Vorbild für Dich – erfüllt er eine Vorbildfunktion, steht er euch jungen Spielern mit Rat und Tat zur Seite?

Güral: Florent hat viele Titel geholt und auf den wichtigsten Bühnen gespielt, die es im Fussball zu bespielen gibt. Natürlich hilft er mir persönlich sehr, redet oft mit mir und fördert mich. Vor allem als Mensch ist er auch ein klasse Typ, mit dem ich viel lachen kann.

Welcher Kicker ist Dein großes Vorbild?

Güral: Cristiano Ronaldo ist ein Vorbild für alle und auch für mich. Was er mit harter Arbeit aus sich gemacht hat und es auch immernoch tut, ist unbeschreiblich für mich. Den Ehrgeiz, den er immer hat, obwohl er schon fast alles gewonnen hat, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue.

Nach dem deutschen Champions-League-Finale hat die Bundesliga international einen höheren Stellenwert. Reizt Dich eine Rückkehr nach Deutschland? Hast Du einen Lieblingsklub in Deutschland?

Güral: Die Bundesliga ist mit die beste Liga der Welt. Zur Zeit habe ich Vertrag hier in Trabzon und bin auch glücklich. Mein Traum wäre es, in Spanien zu spielen. In die Bundesliga zu gehen wäre aber natürlich auch etwas, das ich niemals ablehnen könnte. Lieblingsverein ist Eintracht würde ich sagen, weil ich eben dort aufgewachsen bin.

Welcher internationale Klub hat Dich schon immer fasziniert?

Güral: Real Madrid. Unglaubliche Star-Versammlung, viele Titel. Genial!

Danke, Emre! Alles Gute und viel Erfolg für die Saison!

Güral: Ich danke euch und dem ganzen Goal-Team! Liebe Grüße aus der Türkei.

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