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Horst Heldt: "Wir geben Julian Draxler nicht freiwillig ab!"

Der Manager vom FC Schalke spricht mit Goal über die verführerischen Angebote an Julian Draxler, die ganz große Kohle und den Abgang von Jermaine Jones.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen.
Vor der Partie gegen Hannover 96 am kommenden Sonntag wirkt Horst Heldt relaxt und gelöst. Mit zwei Siegen im Rücken ist dies verständlich. Der Vorstand "Sport und Kommunikation" des FC Schalke 04 gab in unserem Gespräch exklusive Einblicke.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews

Wie sieht es bei der Vertragssituation um Klaas Jan Huntelaar aus, machen die Königsblauen mit Julian Draxler das große Geld, warum wird Sidney Sam geholt und weshalb war Jermaine Jones auf einmal weg? Das alles, und ein bisschen mehr, lest ihr in unserem zweiten und letzten Teil des Interviews mit einem sichtlich entspannten Horst Heldt.

Lesen Sie eigentlich die englische Presse, Herr Heldt?

Heldt: (Lacht) Sie sind so durchschaubar.

Sie wussten, diese Frage kommt.

Heldt: Und dass ich sie beantworten muss. Julian (Draxler, Anm. d. Red.) war ja permanent in irgendwelchen Foren, in deutschen und vor allem englischen Zeitungen. Es wurde von Angeboten geredet, die es zu dem Zeitpunkt einfach nicht gab. Kurz vor Toreschluss gab es eine Anfrage und ein Angebot.

Gab es denn Verhandlungen oder Gespräche?

Heldt: Ja. Es gab ein Telefonat mit einem Klub, da wurde eine Summe vorgeschlagen. Wir haben uns beraten und dieses Angebot einstimmig abgelehnt.

Welcher Verein war das, der FC Arsenal?

Heldt: Denken Sie sich Ihren Teil.

Sie haben Sidney Sam verpflichtet. Ist er bereits Draxlers Ersatzmann?

Heldt: Sidney ist ein Spieler, mit dem wir uns schon länger beschäftigen. Wir haben ganz offiziell zwei Versuche gestartet und mit Leverkusen gesprochen. Beim ersten Mal haben wir direkt eine Absage kassiert, beim zweiten Mal waren sie gesprächsbereit, dennoch klappte es nicht. Wir freuen uns, dass es beim dritten Anlauf geklappt hat und wir in der nächsten Saison, einen tollen Spieler hinzubekommen.

Da haben Sie aber elegant die eigentliche Frage umkurvt. Ist Sam der Draxler-Ersatz?

Heldt: (Lacht) Normalerweise fragt niemand noch mal nach.

Wir schon.

Heldt: Grundlegend könnte man von der Spielanlage her sagen, dass Sam ein Draxler-Ersatz sein könnte. Ich sage bewusst: könnte. Diese Saison zeigt doch, dass wir Qualität in der Breite brauchen. Draxler geben wir nicht freiwillig ab! Aber, wenn Sie bedenken, dass zum Beispiel Jefferson Farfan weit über einen Monat verletzungsbedingt fehlte, dann benötigen wir auch Qualität, um ihn adäquat zu ersetzen. Lassen Sie mich aber klarstellen: Sam ist nicht als Draxler-Ersatz gedacht.

Warum wäre es besser, wenn Draxler noch ein paar Jahre auf Schalke bleibt?

Heldt: (Grinst) Das ist eine fiese Frage. Schalke 04 ist in Europa etabliert, aber wenn es dann darum geht, von absoluten Topvereinen in Europa zu sprechen, kommen natürlich auch andere Namen ins Spiel. Ich traue Julian zu, sich an jedem Tag, zu jedem Zeitpunkt, durchzusetzen. Er wird einer der Top-Akteure in Europa werden!

Aber er ist noch sehr jung.

Heldt: Richtig. Er ist 20 Jahre alt. Und, er ist in seiner Entwicklung noch nicht fertig. Das ist genau das, was wir ihm verständlich machen wollen. Er ist ein heranwachsender junger Mann, der im Fußball natürlich bereits jetzt eine hohe Qualität besitzt. Ein junger Mensch mit Schwankungen, das ist auch ganz normal. Er wird bei uns nicht nur an Toren oder Vorlagen gemessen, sondern soll erfahren, wie es ist, ein Gesicht einer Mannschaft zu sein. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass wir auch in der nächsten Saison, mit der nächsten Herausforderung, ihn fordern und fördern können. Julian kann in seiner Entwicklung hier den nächsten Step machen, davon sind wir überzeugt.



Clemens Tönnies sagte, dass Draxler nicht zu Bayern München will.

Heldt: Ich weiß, dass Clemens Tönnies zu Julian einen sehr, sehr guten Draht hat und sie sich regelmäßig austauschen.

Immerhin gibt es bei einem Wechsel 45,5 Millionen Euro.

Heldt: Ach, wissen sie, ich habe keine Lust das zu bestätigen.

Sie können es aber auch gerne dementieren.

Heldt: (Lacht) Dazu habe ich auch keine Lust.

Angenommen die Summe stimmt, ärgern Sie sich, dass Sie sie nicht höher angesetzt haben?

Heldt: Wenn diese Summe stimmen sollte, was glauben Sie denn, was es für ein Kampf wäre, diese Zahl vertraglich festzuhalten? Der Verein will so viel, die Spielerseite möchte so wenig, wie möglich.

Haben Sie daraus gelernt? Stichwort: Max Meyer.

Heldt: Ja.

Und was bedeutet das?

Heldt: Wir haben uns vorbereitet.

Wir beißen auf Granit. Gut, welche Meinung haben Sie grundsätzlich zu den Summen im Fußball?

Heldt: Wenn ein Verein viel Geld für einen Spieler bezahlen will, dann bin ich nicht derjenige, der diesen Verein kritisiert. Auch nicht der, der den Spieler oder die Berater kritisiert. Das ist auch nicht meine Aufgabe.

Timo Hildebrand wird den Verein zum Saisonende verlassen. Haben Sie in Fabian Giefer bereits den Nachfolger gefunden?

Heldt: Was ich Ihnen bestätigen kann, ist, dass wir uns mit Fabian Giefer beschäftigen. Er hat den Wunsch, sich im nächsten Jahr zu verändern. Timo verlässt uns, aber ob der Transfer von Giefer perfekt ist, muss ich klar und deutlich verneinen.

Werden Sie die HSV-Leihgabe Dennis Aogo fest verpflichten?

Heldt: Wir wollen ihn gerne haben und sind mit dem HSV in Gesprächen. Es ist von uns vermittelt worden, dass wir ihn über die Saison hinaus behalten möchten, es muss am Ende halt einfach passen. Für uns, für ihn und auch für den HSV.

Verlängert Klaas Jan Huntelaar? Sein Vertrag läuft nächstes Jahr aus.

Heldt: Wir haben uns damit noch nicht konkret beschäftigt. Weder wir, noch er. Es ging uns allen erst einmal darum, dass er wieder gesund wird und auf den Platz zurückkehrt.

Sie haben gesagt, dass Sie in Kürze Gespräche aufnehmen wollen?

Heldt: Natürlich wollen wir, dass er bei uns bleibt, und das auch, über das Vertragsende hinaus. Klaas Jan ist hier sehr beliebt und für uns ein exzellenter Spieler, das weiß er. Er fühlt sich hier sehr wohl und es gibt doch überhaupt keinen Grund, solche Gespräche nicht zu führen. Das macht diese Frage dann auch irgendwo legitim. Beschäftigen werden wir uns damit aber erst, wenn die Zeit gekommen ist. Dass wir, der Verein und die Fans, ihn hier halten wollen, das ist ihm bekannt. Jetzt gilt die volle Konzentration aber erstmal der Rückrunde.

Zu uns sickerte durch, dass Sie Jung-Stürmer Donis Avdijaj (17) zum Profi machen werden und mit Ihm längst einig sind.

Heldt: (Grinst) Donis ist ein sehr talentierter Spieler, mit dem wir auch in Zukunft zusammenarbeiten möchten.

Herr Heldt, warum kam es zur Trennung mit Jermaine Jones? Gab es da einen Bruch zwischen ihm und dem Team, vielleicht auch mit dem Trainerstab?

Heldt: Nein! Das muss ich hier auch in aller Deutlichkeit sagen. Aber wir konnten ihm keine Einsätze garantieren, deshalb hat er die Entscheidung getroffen, uns zu verlassen und sich einen neuen Verein zu suchen. Jermaine hat sehr große Verdienste auf Schalke und wir hoffen, Ihn entsprechend verabschieden zu können.

Trotz der zu erwartenden spannenden Rückrunde. In der Champions League kommt noch Real Madrid.
 
Heldt: Das ist noch weit weg. Meine Vorfreude, in der Woche, an dem Tag, wird aber sehr groß sein. Jeder, der uns begleitet, wird das als absolutes Highlight sehen. Ich schätze uns nicht als chancenlos ein. Wir bleiben aber natürlich Außenseiter.

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