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Der zweifache Schweizer Meister Rolf Fringer stand Goal Rede und Antwort

Rolf Fringer: Bei Schalkes Erwartungshaltung "bekommt man mal auf die Schnauze"

Der zweifache Schweizer Meister Rolf Fringer stand Goal Rede und Antwort

Getty Images

Der Schweizer kritisiert die Vereinsführung der Königsblauen, die aus seiner Sicht zu große Last auf die Schultern der Spieler verteilen. Gegen Basel sieht er eine 50:50-Chance.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen. Am Mittwochabend findet in der Champions-League-Gruppe E das alles entscheidende Spiel des FC Schalke 04 gegen den FC Basel statt. Nur mit einem Heimsieg kann die Mannschaft von Jens Keller das Achtelfinal-Ticket lösen, sonst bleibt die eher ungeliebte und finanziell weniger lukrative Europa League.

Im Vorfeld dieser brisanten Begegnung bat Goal den zweifachen Schweizer Meister und ehemaligen Nationaltrainer der Eidgenossen Rolf Fringer zum Gespräch.

Herr Fringer, am Mittwoch kommt es in der Champions League zum entscheidenden Spiel der Schalker gegen den FC Basel. Die beiden Siege Ihrer Landsleute gegen den FC Chelsea haben in Deutschland Eindruck gemacht.

Fringer: Davon gehe ich aus, auch wenn die Schweizer in Europa vielleicht noch ein Stück weit belächelt werden. Wenn man international solche Resultate, wie gegen den FC Chelsea erzielt, und auch noch in anderen Spielen für Furore sorgt, hinterlässt das schon Eindruck und ringt den Gegnern den nötigen Respekt ab.

Wen sehen Sie als Favoriten in dem Spiel?

Fringer: Aufgrund der Ausgangslage ist es für mich ein 50:50-Spiel. Schalke steht mit dem Rücken zur Wand und muss gewinnen. Dieses "Muss" ist in der Regel fast besser, als wenn nur ein Unentschieden reicht. Wenn ein Remis genügen würde, spielt man im Unterbewusstsein mit angezogener Handbremse. Und wenn man die dann lösen muss, ist es oft zu spät.

Basel fährt selbstbewusst zu Schalke 04...

Fringer: Ja. Mit dem Essen kommt der Appetit. Jetzt wollen sie gegen Schalke natürlich weiterkommen.

Die Königsblauen brauchen dringend einen Sieg, sonst überwintert man nur in der Europa League. Der Druck ist groß – wie geht man am besten damit um?

Fringer: Bei Schalke sind sie es gewohnt, dass sie unbedingt müssen und darum geht es mal gut und mal nicht. Die Erwartungshaltung ist enorm, da fehlt bei den Spielern die innere Ruhe. Die Erwartungen wurden seit Jahren von der Vereinsführung ins Umfeld getragen. Sie können aber erst viel erwarten, wenn sie zuvor viel erreicht haben. So bekommt man logischerweise immer wieder mal auf die Schnauze. Aber Basel hat auch Druck, weil man große Chancen hat, das Achtelfinale zu erreichen. Dort gibt es in diesem Fall eine Erwartungshaltung.



Worauf muss Kellers Truppe gegen den FC Basel achten?

Fringer: Basel hat eine gewisse Konstanz erreicht, kassiert nicht viele Gegentreffer. Defensiv sind sie immer sehr gut organisiert und auf den Gegner eingestellt. Sie haben keinen Spieler wie Zlatan Ibrahimovic, der Spiele alleine entscheidet. Beim FC Basel kommt die Kraft und das Können aus dem Kollektiv.

Wie erwarten Sie Basel – glauben Sie, dass Trainer Murat Yakin defensiv aufstellen wird, da schon ein Remis reichen würde?

Fringer: Basel ist bei dieser Ausgangslage sehr gefährlich, weil sie in der Verteidigung stabil sind. Wenn sie sich den Ball erkämpfen, haben sie mit Mohamed Salah und Valentin Stocker sehr schnelle Leute. Schalke muss gewinnen und wird angreifen, dabei wird es sehr wichtig sein, dass sie defensiv gut stehen, da Basel exzellente Konter setzen kann. Diese Situation ist für Schalke gefährlich. Beim Spiel in Basel war es anders, dort hat die Mannschaft von Murat Yakin versucht, das Spiel zu machen. Das kam Schalke entgegen.

Julian Draxler hat in einem Interview mit dem "Kicker" gesagt, dass ein Ausscheiden aus der Königsklasse keine Blamage für Schalke wäre. Wie interpretieren Sie diese Aussage im Hinblick auf das Spiel am Mittwoch?

Fringer: Das ist der erste Schritt zur Nüchternheit und zur Realität gegen diese kranke Erwartungshaltung, natürlich ist das auch eine Art Selbstschutz der Mannschaft. Und wenn dann einer, wie hier Draxler, etwas realistisches sagt, dann denken einige der spinnt. Schalke kann nichts erzwingen, aber sie wollen ständig etwas erzwingen. Das ist für die Spieler unheimlich schwierig, bisweilen auch sehr undankbar.

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