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Granit Xhaka: Würde gerne gegen Cristiano Ronaldo spielen

Der Schweizer Nationalspieler fiebert der Gruppenauslosung für die WM 2014 entgegen und blickt auf das "Sechs-Punkte-Spiel" seiner Fohlen gegen Schalke 04 am Samstagnachmittag.

EXKLUSIV
Das Gespräch führte Gregor Becker

Mönchengladbach. Granit Xhaka schaffte in seinem zweiten Bundesliga-Jahr für Borussia Mönchengladbach nicht nur den Durchbruch, er übernimmt auch zunehmend mehr Verantwortung bei der Fohlenelf. Das tut er längst auch für die Schweizer Nationalmannschaft, mit der er sich souverän für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien qualifizierte. Was sich der 21-Jährige von der WM erwartet, wie er Gladbachs nächsten Gegner Schalke 04 beurteilt und was er seinen Manschaftskameraden Marc-Andre ter Stegen und Luuk de Jong rät, hat er Goal verraten.

Herzlichen Glückwunsch zur WM-Qualifikation. Wie schätzt du die Chancen der Schweiz in Brasilien ein? Welche Ambitionen hat die Nati?

Granit Xhaka: Danke! Es hat wohl niemand erwartet, dass wir uns so locker für die WM qualifizieren, auch wenn wir nicht die ganz großen Nationen in der Gruppe hatten. Aber oftmals ist es ja gerade gegen die Kleinen schwer. Jetzt freuen wir uns alle erstmal auf die Auslosung am Freitag und hoffen natürlich, dass wir die Gruppenphase in Brasilien dann überstehen. Dann schauen wir mal, wo wir mit etwas Glück dann landen.

Hast du Wunschgegner oder besser Wunschspieler gegen die du bei der WM spielen möchtest? Man hörte ja, dass du gerne mal gegen Cristiano Ronaldo kicken würdest. Stimmt das?

Xhaka: Ja, das stimmt. Ich denke, ich habe schon gegen viele gute Spieler gespielt. Gegen ihn leider noch nicht. Aber ob das jetzt ausgerechnet in der Gruppenphase gegen Portugal sein muss, weiß ich auch nicht. Vielleicht später dann, aber leichte Gegner gibt es ja sowieso nicht und wir müssen auf alles vorbereitet sein.

Was sagst du zum Rücktritt von Ottmar Hitzfeld, wie fandest du ihn als Trainer und welchen Coach braucht die Schweiz nach der WM eigentlich?

Xhaka: Ottmar Hitzfeld ist nicht nur ein Weltklasse-Trainer sondern auch ein super Mensch. Was er in den letzten zwei Jahren nach einem großen Umbruch geschafft hat, verdient riesen Respekt. Wir haben eine gute Mischung in der Mannschaft, können befreit aufspielen und wollen ihm natürlich in Brasilien einen schönen Abschied schenken. Wer danach kommt? Ich nenne eigentlich nicht gerne Namen oder wünsche mir einen speziellen Trainer. Der Neuemuss einfach zu uns passen, weiter das System spielen lassen und eigentlich nur genau das machen, was Ottmar Hitzfeld gemacht hat. Dann bin ich davon überzeugt, dass wir auch weiter Erfolg haben werden.


Fünf Siege infolge, Heimspielrekord ausgebaut und nun kommt Schalke in den BORUSSIA-Park. Ist der Druck vor dieser Partie jetzt eher höher oder niedriger für die Mannschaft?

Xhaka: Ich weiß nicht, ob man überhaupt von Druck sprechen kann. Es wird ein anderes Spiel als gegen Freiburg, Schalke hat sicher die bessere Mannschaft, vor allem in der Offensive.

Liegen Euch die eher mitspielenden Schalker vielleicht sogar mehr als die Freiburger?

Xhaka: Das kann ein Vorteil sein – muss aber nicht. Freiburg stand kompakt, hat uns spielen lassen und selbst eher auf Konter gesetzt. Ich glaube, dass Schalke eher mitspielen wird.

Sportdirektor Max Eberl erklärte jüngst, man sehe sich mit Klubs wie Hamburg und Stuttgart auf Augenhöhe, gilt das aus deiner Sicht auch für den nächsten Gegner Schalke?

Xhaka: Ich glaube, wir haben im Moment eine sehr gute Phase, aber es ist noch zu früh, zu sagen, mit wem wir uns auf Augenhöhe befinden. Wir schauen auf uns. Alles andere interessiert uns nicht. Wir spielen am Samstag zuhause und können mit breiter Brust auftreten. Klar haben wir Respekt vor Schalke, aber Angst müssen wir nicht haben.

Lucien Favre setzt meist auf dieselbe Stammformation, wechselt spät, es gibt einige Verletzungsprobleme. Erwartest du, dass es euch da im Hinrundenfinale  an mentaler und vor allem physischer Frische fehlen könnte?

Xhaka: Wie wir spielen, kann ich nicht entscheiden. Das muss natürlich der Trainer machen. Wir haben auch viel Qualität auf der Bank sitzen. Jeder ist bereit. Aber wir sind momentan gut drauf und können ruhig so weiterspielen.

Schließt ihr die Hinrunde auf Platz vier ab?

Xhaka: Wir würden den Platz gerne verteidigen. Wir haben vier Punkte Vorsprung vor Schalke und das kann ein Sechs-Punkte-Spiel sein. Wir haben noch drei Spiele, davon zwei zuhause, und wir wollen natürlich so viele Punkte wie möglich holen.


Wie würdest du dein Verhältnis zu Lucien Favre beschreiben? Warst du in der letzten Saison auch mal sauer auf ihn, als er dich plötzlich auf die Bank gesetzt hat?

Xhaka: Ich hatte ja gar keinen Grund sauer auf Favre zu sein sondern eher auf mich. Natürlich war ich auch enttäuscht und habe mir Gedanken gemacht, was ich falsch gemacht habe, oder was besser machen kann. Aber der Trainer ist der Chef und er hat so entschieden und das war es dann. Ich musste weiter hart arbeiten, um eine Chance zu bekommen. Momentan bekomme ich sie und bin natürlich auch sehr zufrieden.

Mit Mohamed Salah, Valentin Stocker und Fabian Schär werden ja immer wieder Spieler deines Heimatklubs im Umfeld von Gladbach gehandelt. Bei wem sollte die Borussia da zugreifen?

Xhaka: Alle drei haben eine enorme Qualität. Stocker und Schär kenne ich etwas besser, denn als Mohamed Salah kam, bin ich ja gerade gegangen. Er ist ein junger Spieler und auch bei ihm sieht man, dass er diese Qualität hat. Ich bin nicht zuständig fürdie Transfers, aber ich freue mich über jeden Spieler der kommt.

Also alle drei am besten?

Xhaka(lacht): Ja, klar. Warum nicht?

Sind die Gerüchte um Marc-Andre ter Stegen, der ja mit Barcelona und anderen Top-Klubs in Verbindung gebracht wird,  in der Mannschaft eigentlich ein Thema? Verlängert er oder geht er? Wozu würdest du ihm raten?

Xhaka: Er ist ein sehr guter, junger Torhüter, deshalb kommen ja auch die Angebote. Ich wünsche ihm natürlich das Beste. Am liebsten wäre mir, wenn er bliebe. Aber wenn so ein Angebot kommt, muss man sich natürlich schon Gedanken machen. Man merkt ihm jedenfalls nichts an, er trainiert gut, er spielt gut und ist zu hundert Prozent Profi. Wie er sich entscheidet, weiß ich nicht und das kann ja auch keiner beeinflussen.

Immer wieder ist Luuk de Jong, der ja der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte ist, das große Thema. Wie beurteilst du seine Situation als Edeljoker?

Xhaka: Ich kenne diese Situation selbst auch aus dem letzten Jahr und es ist natürlich schwierig, weil die Leute ständig über die Ablösesumme reden. Man muss natürlich auch sagen, dass es Max Kruse und Raffael vorne im Moment überragend machen. Aber Luuk ist niemand, der sich hängen lässt. Er gibt immer Vollgas im Training und bringt auch keine schlechte Stimmung in die Mannschaft. Irgendwann wird seine Chance kommen.

Du sagtest, dass du im letzten Jahr in einer ähnlichen Situation warst. Wie sehr hast du damals mit einem Vereinswechsel geliebäugelt?

Xhaka:  Ich bin nicht der Typ der wegläuft, wenn es mal schlecht läuft. Mir war klar, dass ich weiter hart arbeiten und auf meine Chance warten musste.



Ist Christoph Kramer nun der ideale Partner für dich auf der Doppelsechs?

Xhaka: Es läuft für uns beide sehr gut. Wir passen gut zusammen und machen beide viel Arbeit. Wir sind natürlich beide sehr zufrieden, aber klar, wer neben wem spielt, das ist natürlich nicht unsere Entscheidung.

Die Neuzugänge Kruse und Raffael haben ja toll eingeschlagen, inwiefern profitierst du persönlich von den beiden? Sind sie die richtigen Abnehmer für deine Vertikalpässe?

Xhaka: Ja, absolut. Man hat bei Kruse schon letztes Jahr gesehen, was er für eine tolle Saison in Freiburg gespielt hat, Raffael  kannte ich schon vorher aus der Schweiz und seine Qualitäten sind schon überragend. Wir sind glücklich, dass wir die beiden Spieler gekriegt haben und ich hoffe, dass es bei ihnen so weiter läuft wie im Moment.

Siehst du dich selbst trotz deiner erst 21 Jahre bereits als Führungsspieler in Gladbach? In der Nati bist du das doch schon, oder?

Xhaka: Ich bin nicht der Typ, der sich selbst beurteilt. Ob ich Führungsspieler bin, weiß ich nicht und das sollen auch andere beurteilen. Ich bin aber momentan ganz gut drauf und habe unheimliches Selbstvertrauen. Das sieht man vielleicht auch auf dem Platz. Ich mache meine Arbeit und erledige die Aufgaben, die mir der Trainer gibt, ob ich jetzt ein Führungsspieler bin, tut dabei nichts zur Sache.

Betrachtest du Gladbach eher als Durchgangsstation oder willst du mit Gladbach zukünftighöhere Ziele anstreben?

Xhaka: Es ist ja so, dass ich endlich mal in Gladbach richtig angekommen bin. Es ist keine Zwischenstation für mich, weil es ein Top-Klub ist und wir eine Top-Mannschaft haben. Ich habe einen Vertrag bis 2017 unterschrieben. Der Vertrag zählt für mich, alles andere ist Spekulation. Was alles geschrieben oder erzählt wird, interessiert mich auch nicht. Ich fühle mich sehr wohl, deshalb kann auch nicht die Rede von einer Zwischenstation sein.

In welcher Liga würdest du noch gerne kicken? Hast du einen Traumverein?

Xhaka: Ich bin keiner der träumt und schaue auf den Moment. Ich hoffe, dass ich weiterhin gesund bleiben und meine Leistung bringen werde. Alles andere kommt dann von selbst.

Du hast gerade gesagt, wie wohl du dich im Verein fühlst: Wie nimmst du das Umfeld und die Fans in Gladbach wahr? Empfindest du den Verein als etwas Besonderes?

Xhaka: Ja, ich kannte das ja vorher so nicht. In Basel waren vielleicht ein oder zwei Zuschauer da, aber hier kommen zum Training über 1000 Leute, wollen Autogramme und Fotos von dir. Das war schon etwas Neues für mich. Man sieht einfach, dass die Fans in guten und auch in schlechten Zeiten hinter uns stehen und das ist das Wichtigste, was ein Team brauchen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

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