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Nach sechs Monaten ist Luca Caldirola mittlerweile in Deutschland angekommen, fühlt sich in Bremen "wie zu Hause". Mit Werder nimmt er sogar die Europa League ins Visier.

EXKLUSIV
Von Rafael Corradino

Bremen. Luca Caldirola hat es aus der Serie B direkt in die erste Elf des SV Werder Bremen geschafft. Im Interview mit Goal verrät er, was er von der Saison 2013/14 erwartet, wem er den Ballon d'Or geben würde und warum er Trainer Robin Dutt unglaublich dankbar ist.

Wie geht es Dir in Deutschland nach dem ersten halben Jahr? Sprichst Du schon gut Deutsch?

Caldirola: Ich spreche schon ganz ordentlich und verstehe auch viel. Mittlerweile sind ja schon sechs Monate vergangen, ich habe mich also gut eingelebt. Es ist ziemlich kalt, aber mir wurde gesagt, dass es dieses Jahr besser ist als noch in den vergangenen.

Du bist einer der wenigen Italiener, die den Schritt ins Ausland gewagt haben. Warum hast Du diesen Entschluss gefasst?

Caldirola: Nach der U21-Europameisterschaft hat sich mir diese Chance geboten. Die Bundesliga und die Premier League sind mittlerweile die wichtigsten Ligen Europas. Es war eine Chance, die ich mir einfach nicht entgehen lassen konnte. Giulio Donati ist noch bei Bayer Leverkusen. Aber warum andere den Schritt nicht wagen, das kann ich nicht sagen. Ich habe hier bislang alle Partien bestritten. Für mich war es die richtige Entscheidung!


"Er schenkt mir großes Vertrauen. [...] Das bedeutet mir viel!"
- Luca Caldirola über Trainer Robin Dutt


Warum ausgerechnet Deutschland und nicht England? Gab es andere Angebote?

Caldirola: Ich weiß nur vom Angebot von Werder Bremen. Der Klub hat sich stark um mich bemüht. Andere Angebote hätte ich aber ohnehin abgelehnt und mich für Werder entschieden, denn sie wollten mich unbedingt.

Worin liegt deiner Meinung nach der große Unterschied zwischen der Serie A und der Bundesliga? Wie kommst Du als Verteidiger in Deutschland zurecht?

Caldirola: Der italienische Fußball ist mehr auf Taktik bedacht, während es hier in Deutschland eher auf das schöne Spiel ankommt. Es fallen viele Tore.

Gefällt Dir das?

Caldirola: Die Fans haben selbstverständlich Spaß daran. Ich als Italiener will dem natürlich etwas entgegen wirken und versuche, meine Mentalität da etwas einzubringen.

Worauf kommt es Robin Dutt an? Was erwartet er von Dir?

Caldirola: Dass ich Tore verhindere. Ich muss mich bei ihm bedanken, er schenkt mir großes Vertrauen. Ich bin aus der zweiten italienischen Liga gekommen und nun spiele ich hier alle Partien mit Werder. Er vertraut mir und das bedeutet mir viel!

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Was sind Deine Stärken und woran musst Du deiner Meinung nach noch arbeiten?

Caldirola: Man hat immer Spielraum nach oben! Wenn man auf hohem Niveau spielen will, dann muss man weiter an sich arbeiten und das mache ich jeden Tag. Es ist ja für mich die erste Saison in Deutschland und ich muss noch Erfahrung sammeln.

War Dir bewusst, dass Werder seit Jahren als Schießbude galt?

Caldirola: Davon wusste ich, auch dass sie in der vergangenen Saison viele Tore kassiert haben. Dieses Jahr läuft es ja zumindest ein bisschen besser, aber es sind definitiv immer noch zu viele.

Was war in Deiner Zeit in Bremen bislang das Highlight und was der Tiefpunkt?

Caldirola: Der schönste Moment war sicherlich das Debüt, das hat mich berührt. In letzter Minute habe ich ja selbst auf der Linie gerettet – das war das Highlight. Wirkliche Tiefpunkte gab es nicht. Die Niederlage gegen Schalke war aber bitter für uns.

Vor welchem Stürmer fürchtest Du Dich mehr – Mandzukic oder Lewandowski?

Caldirola: Gegen Mandzukic spiele ich erst in zwei Wochen, ihn muss ich noch kennenlernen. Lewandowski ist sicherlich ein extrem starker Angreifer und sehr schwer zu decken. Das hat er auch in der Champions League bewiesen, gegen Real Madrid zum Beispiel.

Genau, Mandzukic und Bayern München warten am 15. Spieltag. Sind die Bayern in dieser Saison unschlagbar oder habt ihr eine Chance auf einen Punkt?

Caldirola: Warum nicht auch drei Punkte? (lacht) Natürlich sind sie als Tabellenführer der Favorit, aber im Fußball kann man nie wissen, das ist das Schöne daran. Wir spielen zu Hause und werden alles geben.

Apropos zu Hause: Worin liegt der große Unterschied zwischen den italienischen und deutschen Fans?

Caldirola: Meiner Meinung nach ist der Druck in Deutschland viel geringer. Wenn ich hier ins Stadion komme, sehe ich oft auch Fans unterschiedlicher Lager zusammen ein Bier trinken – sogar nach der Partie, unabhängig vom Ausgang! Es ist nicht so eine Besessenheit vom Fußball wie in Italien.

Für die italienische Nationalmannschaft zu spielen, ist Dein großer Traum. Erzähl mir doch bitte von einem weiteren.

Caldirola: Die Nationalmannschaft ist sicherlich an erster Stelle. Danach kommt die Weltmeisterschaft! Maradona hatte ja glaube ich schon gesagt: "Mein großer Traum ist es, eine Weltmeisterschaft zu spielen. Und dann will man sie natürlich auch gewinnen."

Hast Du noch Hoffnungen auf die WM 2014?

Caldirola: Die Hoffnung ist natürlich da. Ich gebe in jedem Spiel alles. Cesare Prandelli trifft dann die letzte Entscheidung. Für mich ist es der große Traum. Für 2014 steht der Kader ja schon weitestgehend, aber man soll niemals nie sagen.

Was erwartest Du von der deutschen Nationalmannschaft bei der WM – und was von Deinem Heimatland?

Caldirola: Deutschland hat eine unglaublich starke Nationalmannschaft. Ich gehe davon aus, dass sie weit kommen – das wünsche ich ihnen auch. Mit Italien muss man bei großen Turnieren immer rechnen – bei der WM 2006 gehörten wir nicht zu den Favoriten und haben den Titel geholt. Bei der EURO 2012 war es ähnlich und wir waren im Finale. Wenn es darauf ankommt, ist Italien zur Stelle.

Seit neuestem bist Du bei Twitter aktiv. Warum?

Caldirola: Ach, ein paar Freunde sind da zu Gange, auch aus der Nationalmannschaft. Da habe ich mich überreden lassen. (lacht)

Wer ist Dein großes Vorbild als Verteidiger?

Caldirola: Das ist seit jeher Alessandro Nesta. Schon als er mit Lazio gespielt hat, war er immer mein großes Vorbild. Ich bin kein klassischer Verteidiger und Nesta war auch immer etwas eleganter. Ich würde nie auf die Idee kommen, mich mit ihm zu vergleichen, aber er ist mein großes Vorbild.

Und welcher ist Dein Lieblingsklub?

Caldirola: Ehrlich gesagt habe ich gar keinen. Als kleiner Junger habe ich Nesta gemocht, dann habe ich zwölf Jahre für Inter Mailand gespielt, das prägt einen natürlich. Aber ansonsten habe ich keinen richtigen Lieblingsklub.

Auf Wikipedia steht nämlich, dass Du Tottenham-Fan bist.

Caldirola: Das stimmt, mir gefällt der englische Fußball und da habe ich Tottenham des Öfteren verfolgt. United hat mich nicht so interessiert, mir haben die Spurs mit Berbatov, Keane und Kanoute gefallen. Die waren mir sehr sympathisch.

Also ist Dein nächstes Ziel die Premier League?

Caldirola: Ich fühle mich hier in Deutschland wohl, habe einen Vierjahres-Vertrag mit Werder. Ich hätte auch gedacht, dass es länger dauert, sich an Deutschland zu gewöhnen, aber es ging recht flott. Ich fühle mich wie zu Hause, denke also nur an Werder.

Die wichtigste Frage für unsere Leser: Franck Ribery, Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo – wer wird Weltfußballer?

Caldirola: Das sind drei außergewöhnliche Spieler. Messi ist sicherlich phänomenal, aber meiner Meinung nach sollte es dieses Jahr entweder Ronaldo oder Ribery werden. Ronaldo hat unglaubliche Tore geschossen, Ribery hat hingegen alle Titel geholt. Ich würde ihm den Titel geben.

Und wer ist der stärkste Spieler der Bundesliga?

Caldirola: Lewandowski ist sicherlich ein starker Stürmer. Ich hatte schon die Gelegenheit, gegen Thiago zu spielen, jetzt gerade erst im Finale der U21-EM – er ist jung und spielt schon herausragend. Sich einen der vielen Stars bei Bayern rauszusuchen, ist schwierig...

Dortmund hat es gerade schwer mit den ganzen verletzten Verteidigern.

Caldirola: Das wäre uns ganz gelegen gekommen, als sie gegen uns gespielt haben. (lacht) Nein, sie werden sich davon schon erholen. Dortmund ist die Mannschaft, die meiner Meinung nach den schönsten Fußball spielt. Ich hatte schon das Glück, gegen sie auflaufen zu dürfen. Was sie auf den Platz bringen, ist wirklich außergewöhnlich.

Was erhoffst Du Dir für die Bremer von dieser Saison?

Caldirola: Für eine Einschätzung ist es noch früh, aber wir haben sicherlich das Zeug dazu, um die Europacup-Plätze zu kämpfen. Wir müssen nur die nötige Konstanz finden. Aber ich kann mich nur wiederholen, es ist noch zu früh für eine Einschätzung.

Vielen Dank, Luca!

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